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Foghat – Under The Influence

foghat-under-the-influence-2016(js) Die britischen Boogie-Urgesteine von Foghat sind zurück. Gegründet anno 1971 von den ehemaligen „Savoy Brown“-Mitgliedern Dave Peverett, Roger Earl und Tony Stevens sind sie heuer mit ihrem neunzehnten Album am Start. Das einzig verbliebene Urmitglied, Schlagzeuger Roger Earl , scharte mit dem Lead-Gitarristen Bryan Basset (Wild Cherry, Molly Hatchet), dem Sänger und Teilzeit-Gitarristen Charlie Huhn (Ted Nugent, Humble Pie) sowie dem seit 1977 im Team befindlichen Bassisten Craig McGregor drei Mitstreiter um sich, die gemeinsam bereits seit 2005 für die Studio-Outputs verantwortlich zeigten. McGregor, bei dem 2015 Lungenkrebs diagnostiziert wurde, ist zwar auch heute noch offizielles Mitglied der Band, aber auf Grund dieser Erkrankung nicht in der Lage, die aktuelle Tournee zu spielen. Dort wird er durch Jeff Howell ersetzt, der bereits häufiger bei Foghat live einsprang.
Die Arbeiten zu „Under The Influence“ begannen, so teilte Earl mit, bereits im Jahre 2013 in den „Boogie Motel South“-Studios in Florida. Als Produzenten konnte man Tom Hambridge gewinnen, der für die Zusammenarbeit mit dem Blues-Urgestein George „Buddy Guy“ 2010 bereits einen Grammy einheimste. Nebst dieser für Earl elementaren Entscheidung brachte er es zudem fertig mit Kim Simmonds einen Mitstreiter aus vergangenen „Savoy Brown“ Tagen und mit Nick Jameson, den ehemaligen „Foghat“-Bassisten und Produzenten zu gewinnen. All das ist ein Indiz dafür, dass die Jungs um Roger Earl, nicht nur ein x-beliebiges neues Album auf den Markt schmeißen wollten, sondern sich der Erwartungen ihrer über die Jahrzehnte treuen Anhängerschaft sehr wohl bewusst waren.
Und was soll man sagen? Wo „Foghat“ drauf steht, ist immer noch ordentlich „Foghat“ drin. Und wie trefflich drückte es vor Jahren bereits der Schauspieler Jim Carrey aus: „But would it kill you every once in a while to play a little Foghat?“ Nein, würde es nicht. Und damit schließe ich das neue Album vollends mit ein.
Der Titelsong „Under The Influence“ zündet schon das erste Feuerwerk. Keine Gefangenen heißt wohl das Stichwort. Griffige Riffs, schöne Soli und ein catchy Refrain bieten schon alle Zutaten, die ein echter Hit benötigt. Das folgende „Knock It Off“ hält die unglaubliche Dynamik problemlos aufrecht und bietet mehr AC/DC-Spirit als manch neuer Song der Australier. Das sich anschließende „Ghost“ ist ein schon Southern-Rock-Song, der durch die exzellente Slidegitarrenarbeit Bassets getragen wird. Dieser Groove, der Blues, Rock und auch eine Prise Country zu verehelichen gedenkt, lässt sich bis zum Ende des Songs nicht dazu übererden, einzig in einem dieser Genres auszuklingen. Klasse.
„She’s Got A Ring In His Nose“ zeigt nur zu deutlich, dass man dem Blues auch gerne mal jazzige Anstriche verpassen darf, wohingegen das sich anschließende „Upside Of Lonely“ wohl mehr dieser großartigen, musikalischen Blues-Güte bietet, als jeder andere Song auf diesem Album. Und getragen wird vom Gitarrenspiel des legendären Kim Simmonds. Ob man den alten Marvin Gaye Klassiker „I Heard It To The Grapevine“ neu aufnehmen muss, überlasse ich mal jedem Hörer selbst. Vorzügliche stimmliche Unterstützung erhält der Song allerdings durch die Schauspielerin und Sängerin/Songwriterin Dana Fuchs.

Den zweiten Part des Albums eröffnet „Make Up Your Mind“. Dieser bietet uns eine kongeniale Verbindung des Blues und des frühen Rock’n’Rolls. „Hot Mama“ hingegen besticht durch den passend dreckig tiefen Gesang Huhns. Für mich der beste Song des Albums, „Heart Gone Cold“ ist ein echter Rocker mit ‘nem ordentlichen Punch. Auch hier vereinen sich der Gesang Huhns mit der Gitarrenarbeit Bassets, dem Bassspiel des Gastmusikers O’Quinn und dem Percussionspiel Hambridges, der hier auch einmal als Musiker fungiert, zu einem warmen und gleichermaßen treibenden Sound. „Honey Do List“ lässt die Blues-Seele noch einmal ruhig durchatmen, bevor „All Because Of You“ wieder den Uptempo-Bereich tangiert. Beeinflusst durch und verwurzelt im Blues wird der Song gleichwohl getragen durch einen wahren und überzeugenden „Classic Rock“ Vibe. Rockt.
Das Album schließt letztlich mit einem Jubiläum. Musikalisch zelebriert wird hier der 40. Jahrestag des wohl größten Erfolges Foghats, des Songs „Slow Ride“. Und wenn man Nick Jameson, dem damaligen Bassspieler und auch Produzenten dieses Liedes, eh bereits an Bord hat, ist wohl eine Neuaufnahme des Klassikers nur noch Formsache. Und so war es dann auch. Sehr nah am Original orientiert und routiniert äußerst gespielt, habe ich allerdings den Eindruck gewonnen, dass diese Aufnahme den Musikern selbst mehr bedeuten könnte, als letztlich den potenziellen Käufern.
Was bleibt am Ende des Tages? Sicherlich die Gewissheit, dass „Under The Influence“ ein fanfreundliches Album ist. Es gleichwohl aber den Anschein erweckt, dass sich die Musiker in der 3-jährigen Entstehungsgeschichte des Albums von Song zu Song gegenseitig zur musikalischen Höchstleistung angetrieben haben. Es sprühte vor Freude an der Musik, die stets greifbar war. Und es machte vor allem mir eins sehr deutlich. Nämlich, dass die Jungs sich treu geblieben sind und exakt wissen, wer sie sind und woher sie kommen. Heute wahrlich nicht mehr selbstverständlich….(js)
Tracklist:

01. Under The Influence
02. Knock It Off
03. Ghost
04. She’s Got A Ring In His Nose
05. Upside Of Lonely
06. Heard It Through The Grapevine
07. Made Up My Mind
08. Hot Mama
09. Heart Gone Cold
10. Honey Do List
11. All Because Of You – Slow Ride
12. Slow Ride

http://www.foghat.com/
https://www.youtube.com/user/FOGHATMUSIC

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