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Orango – The Mules Of Nana

orango-the-mules-of-nana(js) Es gibt sie noch – diese Bands. Die in ihrer Heimat ein Album nach dem anderen produzieren und außerhalb heimischer Gefilde kaum Beachtung finden wollen. Keineswegs aber, weil es ihre Musik nicht wert wäre, sondern vielmehr, weil sie bis dato auch keine diesbezüglichen Anstrengungen unternommen haben. Ich für meinen Teil habe sie Ende letzten Jahres eher zufällig kennengelernt. Erstmalig spielten sie einige wenige Gigs in Deutschland und ich, samt meines Schreiberkollegen Volker, hatte das Vergnügen, sie in einem Club in der Düsseldorfer Altstadt genießen zu dürfen. Nebst noch sechs anderen, hoffentlich zahlenden, Zuhörern.
Aber dieser Publikumsmangel ist eben einzig eine Messlatte für ihre Bekanntheit außerhalb Norwegens und nicht für die musikalischen Qualitäten. Auf dieser Tour spielten sie erstmalig mit ihrem neuen Bassisten Hallvard Gardløs, der Anfang 2016 für den seit Beginn Orango‘scher Zeitrechnung in der Band befindlichen Karl-Joakim Wisløff einsprang. Auf Nachfrage teilte Drummer Trond Slåke mir damals mit, dass es eine dieser Frauengeschichten seien, die die von Beginn (im Jahre 1999) an in der gleichen Formation spielenden Norweger erstmalig separierte. Da forderte „Miss Wisløff“ wohl ein wenig mehr Zeit ein.
Unbeeindruckt dieses Personalwechsels arbeitete man aber bereits am sechsten Longplayer namens „The Mules Of Nana“, der nun auch offiziell das Licht der Welt erblickte. Und wieder einmal zieht der Blues-/Southern Rock Mix alsbald in seinen Bann. Man spürt mit jeder Note, dass diese Musiker nicht nur jeder für sich virtuos aufspielen, sondern dies auch miteinander tun. Der Opener „Heartland“ zeigt schon, in welche Richtung es geht. Nach vorne, auf einem Weg, den einst die jungen ZZ Top und Lynyrd Skynyrd pflasterten. Tiefer in den Sümpfen Louisianas kann man sich nicht bewegen. Überzeugend zudem der mehrstimmige Gesang, der dreckig, gleichwohl aber außergewöhnlich melodisch daher kommt.
„The Honeymoon Song“ beginnt mit leicht psychedelischen Gitarrenrhythmen, die dann schnurstracks treibend den Weg in die Südstaaten finden. Der Backgroundgesang erinnert bisweilen an den der Funkadelics, oder anderer 70er Funk-/Soul Heroen. Großartig. Es fällt schwer, sich der Spielfreude der Norweger zu entziehen. „Heirst“ bietet uns balladeske Töne. Nicht vielleicht, weil wir es als Zuhörer nach den ersten Tönen zum herunterkommen bräuchten, sondern vielmehr weil die Jungs es beherrschen. Mir persönlich kommt der „Klammerblues“ vielleicht ein wenig zu ecken- und kantenlos herüber. Das gab es von den Jungs auch schon sperriger.
Nicht minder ruhig bieten uns „Tides Are Breaking“ und „Give Me A Hundred“ die Möglichkeit, der Perfektion des Zusammenspiels der drei Musiker weiterhin zuzuhören. Führt ersterer uns noch auf den Southern-Musik-Highway geleitet, birgt zweiterer einen schweren „60ies-Habitus“ in sich. Und wieder einmal glänzen die Osloer durch ihre perfekten Gesangsharmonien. Wunderschön. Man will nur noch die Augen schließen und sich den großen Folk-Liedermacher dieser Zeit erinnern.
„Head On Down löst die Handbremse wieder und der Sound lässt uns fragend zurück, ob exakt so eine musikalische Kooperation der Doobie- und Allman Brothers klingen würde. Und was alles in der Welt, die Alden-Brothers Anfang der 70er unternommen hätten, „Orangos“ aktuellen Output über ihr legendäres Southern-Rock Label „Capricorn Records“ veröffentlichen zu dürfen. Auch bei „Train Keeps Rollin‘ On“ fragt man sich wieder, ob nun dieses instrumentale Zusammenspiel großartiger ist, oder diese mehrstimmigen harmonischen Westcoast-Gesänge. Man wird den Verdacht nicht los, dass dieses musikalische Konglomerat so exzellent ist, dass, wenn man einen Orgelpart erwartet, dieser kommt und wenn ein Song, wie dieser, durch einen instrumentalen Part ausklingen muss, dieses so und gar nicht anders geschehen muss. Und dazu diese stete bluesige Bassline. Groß.
„Hazy Chain Of Mountains“ führt geradewegs in die psychedelischen, LSD-getränkten Tage, der Sechziger. Man scheint an der musikalischen Schwelle zu stehen, an der die Musik der „Doors“ oder „Hendrixs“ um Einlass baten. Fuzzig und sphärisch scheint‘s einen benommen wie glückselig zugleich direkt zurück auf die „Isle Of Wights“ zu beamen. „Born To Roll“ dient im Anschluss prima, nach diesem musikalischen Exzess wieder an Bodenhaftung zu gewinnen. Eine großartige Blues-Ballade, die den Spirit der Zeit in sich trägt. Ausklingend in einem wunderbaren Gitarrensolo, unterstützt durch die nur in höchsten Tönen zu lobende, unglaublich rhythmisch-fordernde Arbeit von Schlagwerker Trond Slåke.

Beendet wird nach knapp 45 Minuten das Album durch eine Ballade, die noch einmal mit einer gelungenen Mixtur aus Country und American aufwartet. Und bestätigt, was bis dorthin schon deutlich gemacht wurde. Auch der neuerliche Output der Norweger, „The Mules Of Nana“, ist wieder einmal absolut gelungen instrumentiert und inszeniert. Einmalig sind für mich zudem die harmonischen, nicht selten mehrstimmigen, Gesänge, die wohldosiert für Wohlfühl- und, in ihren ruhigeren Phasen, bisweilen Gänsehautstimmung sorgen können. Energetisches Spielen trifft auf komplexe Arrangements. Perfekte Unterhaltung.
Wenn die Jungs nun meinten, dass sie bis ans Ende ihrer musikalischen Tage in Resteuropa nicht bekannt werden zu müssen, haben sie sich mit ihrem aktuellen Longplayer sicherlich ins eigene Fleisch geschnitten. Nicht nur der bereits bestätigte Auftritt auf dem diesjährigen „Freak Valley Festival“ wird dafür Sorge tragen, dass es um die drei Norweger etwas unruhiger werden dürfte. Eine Clubtour, an der ich mich glücklicherweise am Zustandekommen des Gigs In Leipzig beteiligen durfte, ist darüber hinaus schon terminiert. Und ja, auf Platte sind Orango das eine, aber „live on stage“ legen sie lässig noch eine Schüppe mehr drauf. Und das haben sie weiland 2016 auch in Düsseldorf vor gerade einmal 8 Zuschauern unter Beweis gestellt. Denn für die Jungs zählt ihr Lebenselixier „Musik“ und keineswegs die Anzahl derer, die sich ihrem Lebenstraum situativ Gehör verschaffen wollen.
Für mich ist „The Mules Of Nana“ bereits jetzt eins der Alben des Jahres 2017. Klingt komisch, ist aber so. Wer sich mir, ob meiner frühzeitigen Entscheidung, meinungstechnisch in den Weg stellen mag, der mache sich selbst ein musikalisches Bild. Und bittet denn Ende des Jahres im Nachhinein um Verzeihung. Meine gute Kinderstube erlaubt es mir, jedweder Entschuldigung dann auch wohlwollend nachzugehen….. (.jens.s)

Tracklist:

01 Heartland
02 The Honeymoon Song
03 Heirs
04 Tides Are Breaking
05 Give Me a Hundred
06 Head On Down
07 Train Keeps Rollin’ On
08 Hazy Chain Of Mountains
09 Born To Roll
10 Ghost Riders

https://www.facebook.com/orangotheband/?fref=ts

http://www.orangotheband.com/

https://www.youtube.com/user/orangotheband

https://www.facebook.com/orangotheband/app/123966167614127/

Termine:

The Mules of Nana“ Tour pt.I
07.02. Kiel – Schaubude
08.02. Hamburg – Astra Stube
09.02. Hannover – Chez Heinz
10.02. Dortmund – Subrosa
11.02. Münster – Rare Guitars

„The Mules of Nana“ Tour pt.II
28.03. Leipzig – Black Label +
01.03 Chemnitz – Aaltra +
02.03. Berlin – Auster Club +
03.03 Nürnberg – Der Cult +
04.03. Lübeck – Treibsand *

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