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Sankt Hell, 27.12. und 28.12.2017 im Gruenspan Hamburg

(hjs) Zum Ausklang diesen Jahres machte ich mich auf um nach Hamburg zu fahren. Mein Ziel war das Sankt Hell Festival, das zwei Abende füllt und im altehrwürdigen Gruenspan stattfindet. 2017 geht dieses Festival in die dritte Auflage und konnte „ausverkauft“ melden. Das freut nicht nur den Veranstalter, sondern auch den Fan. Was gibt es besseres als unter Gleichgesinnten zu feiern und sich dabei von einer hochqualitativen Bandauswahl akustisch verwöhnen zu lassen? Das Gruenspan ist seit mehr als 40 Jahren Bestandteil der Hamburger Musikszene und ein hervorragender Ort um Live-Musik zu genießen. Der geneigte Zuschauer hat die Möglichkeit, sich das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln anzuschauen. Sei es im Innenraum vor der Bühne oder von einem Platz auf der Galerie. Der Sound ist ausnahmslos gut, schlimme Soundpatzer gab es nicht. Für das leibliche Wohl sorgten verschiedene Getränkestände innen und ein Food-Truck vor der Tür.

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Für die Fotografen gab es einen Fotograben. Das zunehmende Kunstlicht und die stakkatoähnlichen Lichteffekte machen das Fotografieren zu einer echten Aufgabe. Letztendlich ist aber genau dieses Bestandteil der Clubkonzerte und somit berechtigt.

Für das akustische Wohl sorgten diesmal:

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Mittwoch, 27. Dezember 2017

Nach einer ruhigen Anfahrt checkte ich früh genug im Hotel ein und war somit rechtzeitig zur Öffnung der Türen vor Ort. Geöffnet wurde eine halbe Stunde vor Beginn. Das reichte aus um sich umzuschauen und evtl. seine Klamotten an der Garderobe abzugeben. So war auch zur ersten Band schon eine beachtliche Anzahl von Leuten im Publikum.

Das Festival wurde von den Lokalmatadoren Hyne eröffnet. Bestens gelaunt machten sich die Fünf ans Werk. Die sehr gut funktionierende Rhythmusabteilung trieb das ganze nach vorne, die beiden Gitarren passen sehr gut ins Gesamtbild und die Stimme von Sänger Koschelski kam klar und druckvoll rüber. Sie verstanden es geschickt, Hard Rock mit Stoner- und sogar einigen Doomelementen zu verbinden. Mit „The Outcast“ gab es sogar ein Stück zu hören was noch nicht auf Tonträger erschienen ist. Bahnt sich da, nach dem 2015 erschienenen Tonträger „MMXV“ ein neues Werk an?

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Stilbruch, oder sagen wir mal Horizonterweiterung, Transport League aus Schweden servierten (Achtung, eigene Aussage!): Boogie From Hell. Tattoos, Bärte, eine gepflegte Portion Rock’n Roll gewürzt mit einigen härteren Passagen ließen nun auch keinen im Publikum mehr kalt. Füße wippten, Köpfe wurden geschüttelt, das Bier lief wunderbar kalt durch die Kehlen.

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Coogans Bluff hatten es mir mit ihrem, im November erschienenen Live Album sehr angetan. So war ich sehr gespannt auf diesen Auftritt. Im Vorfeld schien einiges nicht zu klappen. Viele Leute, viel Technik, Probleme beim Soundcheck. So begann man mit einer Verspätung. Während des Konzertes schien es auch technische Probleme zu geben, die aber gut gemeistert wurden. So wurde der kurzweilige Auftritt begonnen und beendet mit Stücken des Longplayers „Flying To The Stars“. Das Titelstück, mit dem schönen Saxophonpart am Ende, blieb mir jedenfalls nachhaltig im Gedächtnis. Das war auf keinen Fall das letzte Coogans Bluff Konzert das ich besucht habe.

Familiengeprägt ging es dann weiter mit den de Poel Brüdern und ihrer Band DeWolff. Für mich zweifelsohne der heimliche Headliner an diesem Freitag. Als Fan der frühen Deep Purple gefielen mir vor allem die Orgel – Gitarre Wechselspiele. Die Opener Kombi „Big Talk/Sugar Moon“ ging schon mal in die richtige Richtung inkl. Mitsingpart und „Don’t You Go Up The Sky“ am Schluß blieb dann auch noch einige Zeit im Ohr hängen. Dekaden nach den Doors ist hiermit auch bewiesen dass diese Instrumentalisierung (Drums, Keyboards, Gitarre) keinesfalls zurückstecken muss.

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Das es nicht nur unter Brüdern sondern auch mit Vater und Sohn klappt, beweisen The Brew. Mit Vater Tim Smith am Bass und Sohn Kurtis an den Drums, ergänzt durch Sänger und Gitarrist Jason Barwick legten die drei mal ein richtiges Brett auf. Für mich die absolute Festival Nr.1 was das Stage Acting betrifft. Hier sieht man sofort dass da ein eingespieltes Trio auf auf den Brettern steht. Sie hatten auch eine rockigere Variante der Setlist gewählt und das Publikum nahm es dankend an. Mit „Repeat/Johnny Moore“ ging es gleich in die Vollen. Nicht zu halten, wie Derwische, sprangen die beiden Saiteninstrumentalisten über die Bühne. Ob Sprünge oder die Gitarre hinter dem Kopf gespielt, alles saß. Verabschiedet wurde sich dann mit einem amtlichen Drumsolo.

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Kadavar ist die Band aus diesem Billing, die ich schon am meisten gesehen und auch fotografiert habe. Sie habe die Rotzigkeit aus der Zeit der ersten zwei Alben gegen eine glattere Variante getauscht. Als einzige Band mit einem eigenen Backdrop und einem Zugabenteil hat man, na klar, schon Headlinerstatus. Die beiden letzten, kommerziell erfolgreichen, Alben haben ihnen auch eine erweiterte Fanschar beschert. Wie wichtig das erste Album aber war zeigte die Setlist, die immerhin noch vier Stücke des Erstlingswerkes beinhaltet. Die Show ist Kadavar-like, viel Wind, Schlagzeugpodest in der Mitte, Lupus und Dragon links und rechts angeordnet. Kadavar kann darüber hinaus den Anspruch für sich verbuchen, mit dem einzigen Crowdsurfer des Tages zu punkten.

Donnerstag, 28.12.2017

Tag zwei beginnt mit einem Frühstück in einer Fahrradwerkstatt. Eine tolle Idee und ein schönes Ambiente. Danach wurde der Plattenladen des Vertrauens zu einem umfänglichen Besuch aufgesucht. Natürlich durfte auch der Besuch einer Imbissbude auf dem Kiez nicht fehlen bevor es mit dem zweiten Tag weiterging.

Den Opener am zweiten Tag machten Helhorse aus Dänemark mit einer ganz eigenen Geschichte. Gitarrist Stephan musste ins Krankenhaus, Christian sprang ein. Im normalen Leben ist er Gitarrist der Band Woes, hier hatte er Zeit sich auf der Hinfahrt die Stücke draufzuschaffen. Das hatte geklappt. Die, zu diesem Zeitpunkt schon gut gefüllte Halle, nahm es dankend an.

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Steak Number Eight kannte ich gar nicht. Nach einem ungewöhlichen Klangintro ging es dann auch schon in die Vollen. Mir etwas zu viele Core Anteile, aber im großen und ganzen mit viel Power ging es ans Werk. Beim letzten Stück „Return Of The Kolomon“ zog Gitarrist und Sänger Brent Vanneste alle optischen Register – blaue Blink LEDs an den Turnschuhen.

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Danach waren Dool an der Reihe. Nach einem kurzen Intro ging es mit „The Alpha“ los. Durchaus eines der härteren, aber auch doomigeren Stücke des Longplayers „Here Now, There Then“. Gesanglich gefiel mir „In Her Darkest Hour“ am besten, für mich der Höhepunkt des Auftritts. Am Ende gab es mit „Vantablack“ und der Singleauskopplung „Oweynagat“ noch zwei Ohrwürmer.

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Erfahrungsgemäß hat man ja immer einen persönlichen Tages-Headliner. Für mich waren das zweifelsohne The Picturebooks. Authentischer kann man sein Lebensgefühl, seine Lebensart wohl kaum rüberbringen. Nach 170 Shows in der ganzen Welt gab es beim Sankt Hell das Finale furioso. In einer phantastischen Spiellaune verlangten sich Fynn C. Grabke und sein Kumpel an den Schlagwerken, Philipp Mirtschink, alles ab. Bei der Ansage: „ …wir machen das, wir ihr, allein aus Liebe zur Musik… “ ging das Publikum dann nochmal richtig steil.

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200 ist nicht nur eine Zahl, nein es ist auch die Summe aller gespielten Songtitel von Karma To Burn. Da die drei US Boys ja auf Gesangsparts verzichten, muss jeder in diesem Trio Bestleistungen bringen. Sehr riffgetrieben und groovig spielten sie sich durch die Songs. Nie langweilig werdend und immer druckvoller als ich sie auf irgendeinem Tonträger wahrnehmen konnte. Für mich war es eine sehr gute Live Performance. Kleine Anekdote am Rande, mit „Highway To Hell“ beim Soundcheck bekommst du jedwede Aufmerksamkeit.

Den Abschluss des Festivals machten Mantar. Das ist ja irgendwie keine Band, eher ein Gesamtkunstwerk. So ging es mit „The Stoning“ gleich richtig los. Man spielte sich munter durch das Schaffenswerk, zum Ende hin auch immer eine kleine Pause nehmend. Das hält ja sonst keiner durch. Auf Hanno’s Frage: „Habt ihr auch einen drin oder sind das nur wir beide“, verhielt sich die Menge sehr ruhig. Da wurde doch wohl nicht etwas verheimlicht? Es gab die erwartete Packung zwischen „Death By Burning“ und „Ode To The Flame“ und somit nochmal eine richtige Portion Geballer zum Schluss.

Zwei ausverkaufte Tage zeigten dass die Veranstalter den Nerv der Zeit getroffen und die richtige Jahresabschlussparty ins Leben gerufen haben. Ein sehr gutes Billing, eine toller Veranstaltungsort und das durchaus gemischte Publikum waren der Garant für ein gelungenes Festival. Ich würde mich freuen, nächstes Jahr wieder dabei sein zu dürfen. (hans-jürgen)

Link zum Festival:

www.sankthell.com

http://www.facebook.com/sankthell

Link zum Veranstaltungsort:

http://www.gruenspan.de/

https://www.facebook.com/gruenspan.hamburg/

Weitere Fotos:

https://www.facebook.com/pg/sankthell/photos/?tab=album&album_id=1619076861486157

https://www.facebook.com/pg/sankthell/photos/?tab=album&album_id=1619090988151411

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