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Aliocha – Naked

Singer-Songwriter, Folk aus Montreal/ Kanada

(ro) Aliocha, bzw. Nicolas Schneider, kommt aus einer talentierten Familie. Er hat russische und elsässische Wurzeln, ist ein erfahrener Schauspieler und ein Fan von Elliott Smith, Bob Dylan und John Lennon.
„Naked“ ist das mit Spannung erwartete zweite Album, das Aliocha nun nach seinem 2017er Debüt „Eleven Songs“ vorlegt.

Schon das ungewöhnliche Cover lädt zum genaueren Hinsehen ein. Es zeigt einen jungen Mann „naked“, vielleicht geruhsam schlafend, vielleicht aber auch erschöpft oder müde. Zeigt sich hier Aliocha selbstbewusst und ohne Scham vielleicht sogar selbst?
Wenn man sich dazu das passende Video anschaut, könnte man fast zu dieser Erkenntnis kommen.

In seiner neuesten Sammlung gefühlvoller Songs hat der 1993 in Paris geborene, in Montreal lebende Singer/Songwriter Aliocha Schneider seine Folk-Einflüsse reduziert und einen ganz persönlichen, aufhorchen lassenden Signature-Sound entwickelt.
Dabei lässt er alles herein, was er gut gebrauchen kann: ein bisschen Rock, ein wenig Pathos, eine gute Portion Dream-Pop, eine Dosis Soul, ein paar Spritzer Folk, einen Schuss Improvisation und instinktsichere Americana-Töne.
Dies alles in ganz unterschiedlichen, emotionalen Ausprägungen.
Und das Ergebnis klingt alles andere als angestrengt, sondern leicht und souverän zugleich. Und er hat hörbaren Spaß am Spiel mit den Genres!
Es scheint, dass Herr Schneider aus jeder Klang- und Songsituation etwas Besonderes und Überraschendes zu machen weiß.

Photo de presse – crédit William Arcand

Nein, er hat es nicht nötig, dick aufzutragen. Die zehn Songs werden in fein reduzierten Arrangements präsentiert, die puristisch und schwelgerisch zugleich klingen. Dazu kommen sinnliche Grooves und eine ideenreiche Poesie, in der er die Gedanken schweifen lässt und sich dabei alle Zeit der Welt nimmt.
Unaufdringlich im Fokus liegt dabei stets Aliochas Stimme, die den Hörer entspannt mitnimmt und in die Themen Liebe, Trauer, Begehren und Loslassen eintauchen lässt.
Oh ja, dies ist ein in seiner Unaufgeregtheit unwiderstehliches, in seiner Einfachheit und schwelgerischen Feinheit ungemein angenehmes Werk.
Welch schöne Platte für abendliche Mußestunden!

Aliochas Texte sind schlau und vertrackt. Sie erzählen eigenartige oder schlichte, bewegende oder absurde Geschichten, denen zuzuhören es sich lohnt.
Sei es der verzaubernde und einprägsame Opener „The Party“, der mit seiner dezenten Perkussion und seinen schleifend sehnenden Piano-Klängen eigentlich von jedem Radioredakteur mit Herz und Sachverstand auf die Playlist gesetzt werden sollte. Das ist Dream-Pop mit folkigen Untertönen und sich fein aufbauenden Spannungsbögen, der erfreulicherweise ohne jede Süßlichkeit auskommt.
Sehr sorgfältig arrangiert, aber nie zu dick aufgetragen.

Absolut wunderbar finde ich persönlich den eigenwilligen Track „Forget my blues“.
Klug und intensiv, dazu warm und organisch, liefert er den perfekten Soundtrack für die dunkelblaue Zeit zwischen Tag und Traum.
Auf eine ganz besondere Art geschmeidig relaxt scheint er sich himmelwärts zu schwingen, um unbestimmte Sehnsüchte zu wecken.
Herrlich! Das ist ohne Frage mein Lieblingssong auf diesem Album!

Was sagt Aliocha selbst dazu?
„This one is a good example of what i can now accomplish with my voice because also the song is simple it was nonetheless very challeging vocally. it talks about that certain person who makes us feel better in those moments when we are feeling sad or blue, someone you ask to stay a little while longer.“

…(..Rosie..)..

Wer jetzt neugierig geworden ist und einfach nur mal reinhören will:

Songliste:

1.) THE PARTY
2.) PEGGY (STONE BREAKER)
3.) TURN TO GREY
4.) NAKED
5.) YOUR SEX IS PERFECT
6.) I’M GONE
7.) FORGET MY BLUES
8.) RUN BABY RUN
9.) MIXED UP
10.) MOON

www.aliocha.net
www.popup-records.de

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