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„My Mind“ – mit John Garcia im Gespräch über sein Soloalbum

aGarciaGallito_0021v2„5.000 Miles away from my baby, but tonight I’m coming home…“

Eines möchte ich vorweg nehmen. Alles was John Garcia seit Ende der Achtziger Jahre in der Wüste von Palm Desert/ Kalifornien begann – ob KYUSS, SLO BURN, UNIDA, HERMANO oder VISTA CHINO – hat mich in meiner Leidenschaft für Stoner Rock berührt. Deshalb wird meine Kritik zu seinem neuen Album wahrscheinlich nicht objektiv genug ausfallen. Das liegt zum Einen sicher an seiner unvergleichlichen, charismatischen Stimme, die mir regelmäßig wohlige Schauer über den Rücken jagt, zum Anderen an meiner Vorliebe für den „Desert Rock“-typischen Sound der tiefer gestimmten Gitarren, die teilweise sogar durch Bassverstärker gespielt werden. Außerdem hatte ich neben dem intensiven Hören des neuen Albums die Möglichkeit, ein Gespräch mit John zu führen, um seine Gedanken und Beweggründe für den Ausflug auf Solopfade zu erfahren. John entpuppte sich für mich als überaus angenehmer, aufgeschlossener und entspannter Gesprächspartner, der mir überraschend persönliche Gedanken offenbarte. Wer das musikalische Schaffen eines der Gründer des Stoner Rock-Genres liebt, wird nicht enttäuscht werden. Für alle anderen lohnt sich vielleicht gerade mit diesem Werk ein Versuch, die (Neu)Entdeckung zu wagen.

K1600_550_GARCIA_RGBMit dem ersten Soloalbum seiner über 35jährigen musikalischen Karriere geht für John Garcia ein Traum in Erfüllung: Teilweise bis zu neunzehn Jahre haben die Songs wohl in einer Kiste in seinem Schlafzimmer darauf gewartet, das „Licht des Tages“ zu erblicken und erst jetzt sei die Zeit dafür reif gewesen. Jeder Song hat für ihn eine ganz besondere Bedeutung und ich bin davon überzeugt, dass es seine bisher emotionalste und persönlichste Sammlung von Songs ist.

Im Gegensatz zu VISTA CHINO, die sehr nahe zu den KYUSS-Wurzeln zurück gehen, ist diese Platte sehr eingängig. Nachdem ich dreimal mit „My Mind“, „Rolling Stoned“ oder „5.000 Miles“ in Berührung gekommen war, breitete sich das Album in meinem Körper wie eine Infektion aus, mit „Flower“ ergriff der Virus sogar überraschend Besitz von meiner zehnjährigen Tochter, die ich Luftgitarre spielend in der Küche vorfand. Mit „Confusion“ und „The Blvd“ unternimmt Garcia einen Ausflug in den Blues. Das gesamte Album pendelt zwischen Hardrock, Blues und prägnanten Stoner-Elementen und sollte auch alle, denen das bisherige Schaffen von Garcia vielleicht „zu staubig“ war, überzeugen.

John sieht sich selbst nicht als Poet und beschreibt seine Texte als abstrakte Geschichten ohne einen tatsächlichen autobiographischen Hintergrund. Dennoch geben sie seine Gefühle zur Entstehungszeit wieder, die er natürlich mit dem Hörer teilen möchte. Er lässt jedoch bewusst genügend „Gedankenfreiräume“ zu, damit jeder seine eigene Geschichte in diesen Songs entdecken und hinein interpretieren kann. Erstaunlich viele Songs des Albums handeln von Beziehungen. „His Bullets’ Energy“ gibt es in einer rauen, ungeschliffenen und mit „Her Bullets’ Energy“ – wo der legendäre Robby Krieger von THE DOORS an der spanischen Gitarre zu hören ist – in einer sanften, akustischen Version. Garcia widmet das gesamte Album seiner Frau, die zur Hälfte deutscher Abstammung ist. Im Titel des Songs „Argleben“ hat er sogar ihren Geburtsnamen verewigt und ich merkte an seiner Stimme, dass dieses Stück für ihn eine ganz besondere Bedeutung hat. „5.000 Miles“ beschreibt seine Sehnsucht, wenn er auf Tour in Europa ist.

aGarciaGallito_0030John Garcia hat hier ein emotionales und ausgesprochen intensives Soloalbum abgeliefert, das definitiv zum Soundtrack meines Sommers gehören wird. Das Danko Jones, die Dwarves-Recken Tom Brayton und Mark Diamond sowie Garcias alter Kyuss-Kumpane Nick Oliveri hier als Gastmusiker auftauchen, wertet die Sache nur noch zusätzlich auf. Natürlich wird es das Ganze auch live zu sehen geben. Im November und Dezember kommt John mit ein paar „desert locals“ – talentierten, jungen Musiker aus seiner Heimat – auf ausgedehnte Europatour mit über 25 Konzerten. Traditionell wird es neben den neuen Werken auch wieder Songs aus der KYUSS- und SLO BURN-Ära zu hören geben. Dann wird er wieder über 5.000 Meilen von seiner Heimat entfernt sein. Aber davon und vielen anderen Geschichten aus Palm Desert wird er uns sicher auf der Bühne erzählen. Ich freue mich schon darauf und fühle mich bis dahin alles andere als „Rolling Stoned“….(Jens)

John Garcia

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