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Shadow Witch – Disciples Of The Crow

(js) Da neigte sich das musikalische Jahr 2017 dem Ende zu und man wurde auf den letzten Metern noch mit einem wahren musikalischen „Masterpiece“ bedacht. Und zwar hatten „Shadow Witch“ die Idee, ihren musikalischen Output namens „Disciples Of The Crow“ noch im Vorjahr zu kredenzen. Eben jene „Shadow Witch“, die schon mit ihrem 2016er Debut „Sun Killer“, die Rock- und Metalgemeinde in ordentliche Unruhe versetzten. Nun also starteten David Pannullo (bass), Jeremy H. Hall (guitars), Doug “Beans” Thompson (drums) und Earl Walker Lundy (vocals, mellotron, samples) den nächsten Angriff auf unsere Lauscher. Die vier New Yorker Jungs haben es ganz vortrefflich geschafft, eine kongeniale musikalische Schnittmenge aus etwas Black Sabbath, klassischem Doom der Sorte Pentagram, einer ordentlichen Prise Clutch und Grunge in Form der Melvins zu erschaffen. Zudem bietet das Zweitwerk eine grundsätzlich etwas progressivere Ausrichtung.

Der Opener „Love Could Be Like This“ birgt schon eine unfassbar erhebende und schicksalhafte Stimmung in sich. Geradezu dämonische Songparts paaren sich mit unfassbar catchy Melodienlinien und man fragt sich, ob dieser Song vielleicht nicht doch schon in den 80ern entstanden ist. Die Stimme von Earl, und das zeigt schon der erste Titel, ist erwachsener geworden. Er wirkt noch fokussierter und sein „Stimmchen“ dringt in bis dato unbekannte Höhen vor. Sicherlich spürt man, dass deren Musik sicher auch durch Mastodon beeinflusst wurde, aber „Shadow Witch“ verpassen ihren Songs unisono einen ganz eigenen Stil. Im Vergleich zum Debut entscheidet sich die Band auf diesem Werk grundsätzlich metallischere Pfade zu verlassen, um sich vornehmlich auf „Heavy Rock“ Terrain zu bewegen.

„Reap“ bietet im Anschluss einen so wunderbar fließenden, beinahe souligen Okkultrocksound, dem die Jungs noch einen bluesig-funkigen Anstrich verpassen. Wer zudem meint, dass sich 70er Jahre Elemente nicht mit den Klängen alternativer 90er Jahre Musik verquicken ließen sollte sich hier vom Gegenteil überzeugen lassen. „Cruel“ ist magisch. Irgendwie. Der Song lebt insbesondere von der Stimmung, die die psychedelischen Start/Stop Riffs in Verbindung mit dem facettenreichen Gesang erzeugen. Dieses Lied ist einfach auch großartig gespielt und lässt mich die gesamte Band einfach nur liebevoll in die Arme schließen.

Der Titelsong beschreitet hingegen eher einen musikalisch ursprünglichen Weg. Die Band lässt die schnelleren Zügel ein wenig schleifen, zeigt gleichwohl aber nur allzu deutlich, dass sie längst auch als flügge gewordene Doom Metal Band überzeugen können. Sie verlassen hier vorübergehend ihre psychedelischen Stoner-Pfade, um uns einfach nur ihre dämonisch-stampfenden Klänge um die Ohren zu hauen. Auch hier überzeugt mich Sänger Earl einmal mehr. Beeindruckend wie er einfach punktgenau gegen die makabren, langsamen Töne anzusingen scheint. Mit diesem Song erreicht das Album eine weitaus düsterere Atmosphäre samt eines „more heavy“ Sounds und fordert – zumindest mich – eindringlich auf, meinen Sitz zu verlassen und die Birne zu schütteln..

Part 2 des Albums startet mit „Stranger Skies“ und zieht dabei die Geschwindigkeit wieder ordentlich an. Fast schon maideneske Klänge bringen uns wieder in Schwung, bevor sich dann mein absolutes Albumhighlight „The Sea“ entfaltet. Ein Stück, welches sich quasi mühelos in meine persönliche Top 10 Songs des Jahres 2017 hievt. Passend zu seinem Titel, beginnt dieses Lied mit einer sehr imposanten Stimmungskulisse einer stürmischen See, um sich dann auf akustischem Weg auf fast schon episches Terrain zu begeben. Insbesondere infolge des unfassbar eindrucksvollen Gesangs, der mich in seinen wunderbarsten Passagen fast ein wenig an das legendäre „Child in Time“ erinnerte. Eigentlich hätte das Album hier schon beendet sein können. Dieses Lied ist eine der besten Kompositionen der Band und wäre der perfekte Abschluss. Dem zum Trotze hauen uns die Jungs mit „Beneath The Veil“ und „Dead Heroes“ noch einmal zwei weitere Songs um die Ohren. Letzterer genießt fast den Status eines Bonus Tracks, weil er meines Wissens bereits ein älterer Titel der Band ist.

Was bleibt festzuhalten? Zum einen sicherlich, dass die Band den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung erfolgreich vollzogen hat. War das 2016er Debut schon stark, hat man noch einmal ein Schüppchen drauflegen können. Das fängt mit der Produktion an, die auf „Sun Killer“ noch recht unpoliert daher kam. Hier ist es einfach exzellent und klar produziert und abgemischt, aber trotzdem noch dreckig genug. Diese Lobeshymne kann ich ohne Wenn und Aber aufs Songwriting und die musikalische Entwicklung der Vier übertragen, die eben durch den großartigen Sound noch deutlicher zum Tragen kommt. Der große Gewinner dieses Releases aber ist und bleibt Frontman Earl Walker Lundy. Er ist für mich schon jetzt einer der momentan besten Sänger des Heavy Rock Business und dies stellt er hier nur zu eindrucksvoll unter Beweis. Diese vokalistisch dargebotenen Harmonien, diese Vielschichtigkeit seines Organs – all das ist schon absolut außergewöhnlich. Und gemeinsam mit der vortrefflich eingefangenen düsteren Grundstimmung des Albums, der sensationellen Saitenarbeit Panullos und Halls sowie dem stets treibenden Schlagzeugspiel Thompsons kommt hier zusammen, was verdammt nochmal zusammen gehört.

Auf diesem Album machen die New Yorker ohnehin schon fast, was sie wollen. Sie manövrieren quasi mühelos Subgenres wie Doom, Grunge, Heavy Metal und Sludge zusammen, verlieren dabei aber nie eine gewisse Eingängigkeit aus den Augen. Ich habe nach schwachen Momenten auf der Scheibe gesucht, aber hey – nicht einen gefunden. Dieses Album ist ein auf Vinyl gepresstes Statement einer Band, die, so wie ich es einschätze, trotz der hohen Qualität dieses Outputs, längst noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen ist. Es mag vielleicht eine Ankunft auf einem neuen musikalischen Level darstellen, aber sicherlich mit keinerlei Stillstand einhergehen. „Shadow Witch“ haben mit diesem Meisterstück tatsächlich am Ende des Jahres meine persönliche „Best of 2017“-Liste noch einmal von hinten aufgerollt und sich weit vorn eingereiht.

Tracklist:

1. Love Could Be Like This
2. Reap
3. Cruel
4. Disciples Of The Crow
5. Stranger Skies
6. The Sea
7. Beneath The Veil
8. Dead Heroes

https://shadowwitch.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/shadowwitch.band/

Filed under: Album Reviews, Classic Rock, Doom, Grunge, Hardrock, Heavy, Metal, Rock, Sludge, Vinyl, ,

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