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Nebula“ – „Let It Burn“ sowie „To The Center“ und „Dos EPs“ (Re-Releases, 2018, Heavy Psych Sounds Records)

(js) „Ihrer Zeit voraus“ ist ein Klischee, das oft verwendet wird, um Musik oder Kunst zu erklären, die anfangs vielleicht nicht allumfassend zünden kann und zudem nicht ganz „hip“ erscheint. Allerdings ist genau dies wohl der perfekte Weg, um „Nebula“ zu charakterisieren. Eine Band, die um die Jahrhundertwende Alben veröffentlicht hat, aber trotzdem wie 2018 klingt.

Im Jahre 1997 begab es sich, dass die ehemaligen „Fu Manchu“ Musiker Eddie Glass und Ruben Romano die kongeniale Idee hatten, sich weiterhin musikalisch auszutoben. Und „Nebula“ erstes Leben einhauchten. Vervollständigt wurde die Band letztlich noch von Mark Ahire, der ebenfalls mit einer „Fu Manchu“ Vergangenheit aufwarten konnte. Und schon von Beginn ihrer Zusammenarbeit an stellte sich schnell heraus, dass hier geklotzt, und nicht gekleckert werden sollte. Bis heute sind „Nebula“ nebst „Queen Of The Stone Age“ oder auch „Eternal Elysium“ eine der angenehmsten Überraschungen der damals noch recht jungen Stoner-Rock Bewegung. Deshalb habe ich mich auch immer dagegen gewehrt, sie als eine weitere Stoner-Band zu bezeichnen. Allein ihre Vielseitigkeit und ihre Dynamik sprächen allein schon dagegen. Zudem gaben sie sich stets experimentell und fungierten für mich durchaus als musikalischer Vorreiter.

Anno 2018 also, rechtzeitig zum 20-jährigen Jubiläums des Debutalbums „Let It Burn“, erweist nun das Label „Heavy Psych Sounds Records“ dieser fantastischen Band die Ehre und bringt eben jenes Album sowie die Werke „To The Center“ und „Dos EP’s“ als Wiederveröffentlichungen neu auf den Markt. Und wenn man sich diese Alben nun noch einmal zu Gemüte führt, muss man konstatieren, dass es sicherlich kein Zufall ist, dass sie gerade jetzt wiederveröffentlicht werden. Ich gewinne schnell den Eindruck, dass es sich hier auch um Re-Releases von Alben handeln könnte, die erst wenige Jahre alt sind, obwohl wir von musikalischen Ergüssen aus den Jahren zwischen 1998 und 2002 sprechen.

Bereits mit ihrer EP „Let It Burn“ stellen sie eindrucksvoll unter Beweis, dass sie eine der Bands sind, die größer sein sollten als sie damals tatsächlich waren. Auch wenn sie in Stoner-Kreisen und unter Doomheads sicherlich ihre Anhängerschaft hatten, waren sie doch vergleichsweise unbekannt. Ihre Melange aus Doom, Boogie, Psychedelic, gepaart mit harten Sabbath-Riffs und meinetwegen dem Drive der „Hellacopters“ klingt heute noch rau, direkt und unverbraucht. Für eine Debüt-Veröffentlichung war „Let It Burn“ geradezu makellos, ohne auch nur eine schlechte Note. Die fuzzig wirbelnden und wütenden Gitarren von Eddie Glass geleiten jeden Song geradezu gottgleich durch das gesamte Minialbum. „Down the Highway“ und „Let it Burn“ sind darüber hinaus dreckige, räudige Songs und erste Anspieltipps. Besonders erwähnenswert noch „Elevation“, ein komplett rockender Opener. Eddie übernimmt auch hier die Vocal Chores – und im Gegensatz zu manch anderem Kritiker mag ich sie. Bereits mit diesem Erstlingswerk ist ein wahrer „Stonerrock-Meilenstein“ erschaffen worden.

Ihr erster Longplayer namens „To The Center“, der zwei Jahre später erschien, wurde dann von Jack Endino produziert. Und plötzlich schien diese Band nicht nur mehr vorne im musikalischen Stoner-Zentrum zu stehen, sondern sogar weit vor ihren ehemaligen „Fu Manchu“ Bandkollegen. Dieses Album akzentuiert perfekt Groove und Flow und besticht nicht einzig durch cooles Riffing. Glass ist zwar immer noch begrenzt als Sänger, aber seine glorreichen fuzzigen Gitarrenläufe zeichnen sich geradezu dort stimmig aus, wo sein Organ tatsächlich zu kurz kommt. „Nebula“ war zwar auch vorher schon eine psychedelische Blues-Band, aber hier wirbelt strukturierter „Fuzz and Distortion“ quer durchs Album. Anspieltipps „Freedom“, „Antigone“ oder auch „Pilsocybin“. „To The Center“ ist zwar durchaus ein geradliniges Rock’n’Roll-Album, aber kaum ein Song klingt hier wie ein anderer. Das Songwriting geht deutlich über dem hinaus, was das „Stoner-Lehrbuch“ so gemeinhin vorsieht. Vielleicht ist es gar nicht mal ein revolutionäres Alben, welche können das überhaupt von sich behaupten, aber es ist einfach unfassbar abwechslungsreich und doch so stimmig. Blues-Gitarren, die sich scheinbar nicht zu wichtig nehmen und doch beeindruckend und fesselnd genug sind, dich mitzureißen. Dazu der fuzzige Sound und die erdigen Vocals, die der Musik einen wunderbares Indie-/Punk-Feeling verschaffen. Hierbei handelte es sich rückblickend sicher um eine der mitreißendsten Rockplatten des Jahres 1999. Und nicht nur das – die Wiederveröffentlichung anno 2018 zeigt, dass dieses Album mit den Jahren sogar noch gereift ist.

Im Jahre 2002 dann „Dos EPs“ auf den Markt zu schmeißen war sicherlich keine schlechte Strategie. Auf diesem Album wurden die Songs der sehr limitiert erschienenen „Sun Creature“ und „Meteor City“ EPs zusammengefasst und noch durch drei zusätzliche Stücke ergänzt. Das unveröffentlichte Material bestand aus „Long Day“, einem Song, der auf entspannten Gitarren-Hooks, fast schon undurchsichtigem Gesang und genialem „heavy drumming“ basiert sowie „Rocket“ und „Bardo Airways“, die beide jeden Oldschool-Fan von „AC/DC“ oder auch „Judas Priest“ begeistern dürften. Die zuvor auf den beiden EPs bereits veröffentlichten Songs, die Aufnahmesessions in Seattle mit Jack Endino und NYC mit Joe Hogan entsprangen, stellten einmal mehr unter Beweis, dass die Jungs von „Nebula“ längst noch auf den Gräbern derer Stonerbands tanzen werden, die keine Chance auslassen, auf den nächsten musikalischen Trend aufzuspringen.

Beim Durchhören dieser Alben zeigte sich mir schnell, dass man es hier keineswegs mit den üblichen Stoner-Verdächtigen zu tun hat. Hier gibt’s nichts von der Stange, sondern Eigenständigkeit und Ideenreichtum par excellence. Es gibt kein Korsett, in welches man „Nebula“ auch nur ansatzweise pressen könnte. All ihre Arrangements sind sorgfältig ausgeführt und kultivieren einen schweren und doch auch eingängigen Sound. Die allgemeine Atmosphäre jedes einzelnen Albums besteht aus schwerem, aber bluesigen Wüstenrock, mit einem Schwerpunkt auf fetten, fuzzigen Klängen. Was vielleicht am meisten hervorsticht, ist, dass sie ausgesprochen modern klingen und dies eben nicht, weil dieser Retro/Doom/Psychedelic-Sound gerade äußerst angesagt ist. .Ihr Umgang mit experimenteller Instrumentierung und die Fähigkeit, bisweilen fast schon merkwürdig anmutende Melodien über schwere Riffs zu tragen ist eine Fähigkeit, die sich kaum eine andere Band nach ihnen, je so perfekt hat zu Nutze machen können.

Alle Doom-/Stoner- und Desertrock-Enthusiasten sind zwingend aufgefordert, sich mit diesen drei Alben in Ruhe zu beschäftigen. Und diejenigen die, wie ich, Nebula bereits kennen und lieben gelernt haben und womöglich sogar die Originale schon besitzen, haben tatsächlich großes Glück gehabt. Schnappt euch diese Wiederveröffentlichungen der Stoner-Masterminds, die allesamt dem Zahn der Zeit erfolgreich getrotzt haben. Alle drei Werke – die „Let It Burn“-EP von 1998, das erste reguläre Album „To The Center“ (1999) und die Zusammenstellung „Dos EPs“ von 2002 – kommen nämlich mit Bonus-Tracks und in sehr schicker Aufmachung (u.a. in bildschönem transparentem Splatter-Vinyl) daher. Hier wird retrospektiv noch mal in aller Pracht dargelegt, dass „Nebula“ stets etwas Besonderes waren.

Vielen Dank für diese grandiosen Re-Releases, „Heavy Psych Sounds Records“. „Let It Burn“ kam im Übrigen bereits am 26.01. auf den Markt, „To The Center“ dann am 16.02. und „Dos EPs“ zu guter Letzt am 02.03.

Zudem sind „Nebula“ für einige Einzelkonzerte im Mai in Deutschland und haben bereits für beide Desertfestivals (Berlin und London) sowie im August auch fürs „Krach am Bach“ und „Lake On Fire“ zugesagt. Am 30. Juni spielen sie zudem gemeinsam mit den „Five Horse Johnson“ im altehrwürdigen Siegener Vortex…..(JensS)

https://www.facebook.com/NebulaBand/
https://www.facebook.com/pg/NebulaBand/events/?ref=page_internal

Filed under: Album Reviews, Classic Rock, Doom, Psychedelic, Stoner, Vinyl, , , , ,

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