rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Freak Valley Refueled am 30.06.2018

(ro) Jawohl, Weidenau, die verkannte Perle des Siegerlandes!
Mitten in der Provinz, an der Weidenauer Bahnschranke, liegt das Rock Freaks Vereinslokal „VORTEX“, das wieder einmal zum „Freak Valley Refueled“ einlud. Eigentlich vorgesehen als „Helferfest“, d.h. eine große Party für die Freiwilligen des Freak Valley Festivals, kommen doch auch jedes Mal ein paar Tickets in den Verkauf.
Zum Glück!

Denn das war auch in diesem Jahr wieder eine wunderbar blubbernde, mitreißende Veranstaltung, eine Mischung aus israelischen, us-amerikanischen und norwegischen Sprachfetzen.
Und die Musik eine ansteckend fröhliche Mélange aus Psychedelic Rock, Punk`n`Roll, Stoner, Clubmucke, Bluesrock und augenzwinkernder Kraft und Leidenschaft.

Sehr pünktlich um 20:00 Uhr enterten „The Great Machine“, drei Jungs aus Tel Aviv, die Bühne. Insgesamt eine stimmige Sache, die die Herren darboten, denn sie legten auf das gute alte Psych-Gerüst immer wieder noch eine Schippe extra Heaviness oben drauf.
Kann ja nicht schaden!
Ja, das war eine gute Idee der beiden Brüder Aviran (bass) und Omer (guit) Haviv, sowie Michael Izaky (dr), die irgendwie wie schlaksige Anfangszwanziger wirkten.
Ohne Firlefanz zeigten die Musiker direkt, dass sie was können und wärmten damit das ausgelassen-fröhliche Publikum im leicht dunstigen, lila und rot beleuchteten Saal auf.


Nun, aus der ersten Reihe betrachtend, revidierte die Schreiberin das scheinbar jugendliche Alter dann doch.
Aber unverkennbar hatten sich die Herren ein jungenhaftes Strahlen bewahrt, mit dem sie locker über die Bühne tollten, auf die Lautsprecher sprangen, sich nach hinten kippen ließen, mit derbe groovenden Riffs und Basslines Vollgas gaben und dabei so biegsam wirkten wie Nachwuchstänzer.
Dabei leuchtete der glatzköpfige Omer Haviv trotz der schwarzen, mit allerlei Metall bespickten Berufskleidung wie mindestens zwei wogende Rapsfelder in der Hochsommerhitze.
Sein Bruder Aviran bediente währenddessen seinen roten Fender-Bass voller Inbrunst, bis ihm vor emotionaler Aufwallung fast der Schlapphut von den dunklen Locken und die Brille von der Nase rutschte!
Nicht zu vergessen Michael Izaky an den Drums, der mit solch einer Intensität aufspielte, die nur einer an den Tag legen kann, der das tut, was er am besten kann.
Stets schwer beschäftigt, hatte er aber keinerlei Probleme, hier mitzuhalten und die alles niedermachende Rockwalze auf das Publikum zu lenken.
Dieses belohnte die Jungs mit einer Menge Szenenapplaus, für den sich Aviran mit breitem Grinsen und immer wieder Hände und Daumen zum Herzchen formend, bedankte.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dass die tollen Fotos, die diesen Artikel so hervorragend bebildern, von meiner RBBS-Kollegin Kirsten sind – vielen Dank dafür, Kirsten!

Nach einer Pause, die mit einem wunderbar kühlen Getränk, dem Hin-und Herschlendern vor dem Merch und dem eifrigen Gedankenaustausch in der gemütlichen Palettensofaecke oder draußen auf den Treppen, Bänken und Grünstreifen überbrückt wurde, trat die Blues- und Retro Rock Band „PRISTINE“ auf die Bühne.

Diese gaben sich kürzlich in meiner Nachbarstadt Wuppertal, im altehrwürdigen „Live Club Barmen“ die Ehre. Schreibkollektivkollege Jens war dort sowohl anwesend als auch begeistert, wie man es hier bei uns in seinem Artikel nachlesen kann.

Schwer begeistert war auch das Weidenauer Publikum. Keine Frage.
Mit unglaublicher Spielfreude schaffte es Heidi Solheim zusammen mit ihren kongenialen Mitstreitern von der ersten Minute an, eine mitreißende Atmosphäre mit beißendem Groove, tollen Riffs, raffinierten (Gitarren)Melodien, mächtigen Rhythmen und vielseitigem Gesang zu schaffen.

Und immer wieder sehenswert: die geborene Bühnen-Artistin Heidi Solheim.
Diesmal in knackigen blauen Shorts und mit nackten Füßen, pardon: in Strumpfhosen, hüpfte und sprang sie, sang, schrie und „tanzte-als-ob-keiner-zusieht“, mit voller Power und großem Selbstbewusstsein über die Bretter.
Ihre taillenlangen rostroten Haare durch die Luft schleudernd, intonierte sie mit kraftvoller Stimme geradeheraus und mit einem gerüttelt Maß an Unerschütterlichkeit:
„She`s got back bones thicker than a brick wall – she know`s what to do to stay alive – she`s a iron shield, she`s a pioneer – she got nothing left to fear – cause she says: I am already here !!“
Genau. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ich bin davon überzeugt, dass die PRISTINE-Songs für die Live-Präsentation wie geschaffen sind.
Denn beim Umherschauen stellte ich fest, dass es eine Menge Musikliebhaber im Publikum gab, die sich vom aufreizenden Groove, von der wabernden Dichte und der Dramatik mitziehen liessen und völlig entrückt das Tanzbein, die Arme und/oder den Kopf schwangen.
Sogar auch einige von denen, die bisher lässig und tiefenentspannt an der Wand lehnten.

Nach diesem Auftritt suchten wir diverse ruhige Ecken zum Hinsetzen und Ausruhen auf, orderten zum wiederholten Male das ein und das andere nette Getränk, genossen träge und relaxt die Abendsonne im Schatten eines Betonbauwerkes mit Blick auf die Bahnschienen, überlegten, was generell an den Bands aus dem Norden wohl spezifisch und erstrangig sei und kamen erst zu „Hot Lunch“ wieder zurück.

Zum Wieder-Wachwerden und „In Schwung bringen“ waren die Punk’n’Roller mit ihrem kräftigen Vortrag und kompaktem Sound genau das Richtige: rockig, aber nicht zu hart.
Sozusagen ungeschminkt, mit Schmackes und höchst hörenswert spielten die Mannen aus San Francisco/Oakland Bay Arena auf und lockten somit das Publikum wieder in die nun schon temperaturmäßig ziemlich aufgeheizte Halle.


Harte Rock-Riffs mit Grooves aus den frühen 60ern gemischt mit Stooges-esquem Punk kreierten einzigartige Songs, die roh klangen, ungeschliffen und aggressiv, aber von einer unberechenbaren Schönheit waren.
Keine Frage, Gitarrist Aaron Nudelman, Sänger Eric Shea, Bassist Charlie Karr und Schlagzeuger Rob Alper beherrschen ihr Handwerkszeug perfekt.
Und klar ist auch, dass jemand, der Black Flag, Rush, Dead Kennedys und Hawkwind als Einflüsse zitiert, keine simple Frohnatur mit dem Hobby Hüpfmusik sein kann.
Dieser unverkennbare Einfluss der frühen Jahre wurde mit ungeheurer Intensität und Vitalität gespielt.
Der Großteil der Zuhörerschaft wusste diese hingebungsvolle, herzblutige, ehrliche Show, die hier geboten wurde, durchaus zu schätzen und bedankte sich mit verdientem Applaus.

„Ich bin ziemlich beeindruckt. Mann, dieser Kerl, dieser Eric Shea hat so eine coole Stimme,“ sagte der neben mir stehende Herr mittleren Alters begeistert enthusiastisch. Er gab zu, zuerst ein eher mildes Interesse an dieser Band gehabt zu haben und nahm noch einen großen Schluck schäumendes Siegerländer Bier. Nun, vielleicht mit etwas zu viel Schwung, aber egal, auf das ausgewaschene schwarze „Freak Valley“ Shirt konnte er sowieso bedenkenlos kleckern!

Hach….das war wieder einmal ein bemerkenswerter Abend mit so vielen netten und freundlichen Menschen und mit einer Show, die in der Lage war, den Kopf von allerlei irdischem Schlamassel freizublasen – auch wenn dabei zeitweise das Trommelfell vibrierte.
..(Rosie..)

Fotobericht: NEBULA

Filed under: Konzert Photos, Live Reviews, , , , , , , , , , , , ,

Juli 2018
M D M D F S S
« Jun   Aug »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  

Link zu unserem You Tube Kanal

Psychedelic.Space.Rock Festival VI am 21. – 22.09.18 in Möhnesee

Wild Dogs Festival in der Kulturfabrik Löseke in Hildesheim am 29.09.18

Euroblast Progessiv Music Festival in Cologne 05.10 – 07.10.18

Desertfest Antwerpen vom 12.10. – 14.10.18

Keep It Low in München am 19. + 20.10.18

Samstag, 03.11.2018 / RED LIGHT FESTIVAL in Falkensee

Leif de Leeuw Band im Culturpodium Vanslag in Borger/NL am 09.11.18

Dome Of Rock Festival 2018 22. – 24.11.18 Salzburg/Rockhouse

Diese Artikel werden gerade gelesen:

%d Bloggern gefällt das: