rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Electric Orange – Misophonia

electric-orange-front

(je) Nach ihrem beachtlichen 2014er Album “Volume 10” und dem kleinen Intermezzo mit der augenzwinkernden Kraut-Tanzplatte „Nein! Hits-á-Go Go“ begleitete mich seit einigen Tagen „Misophonia“ – das elfte Studioalbum von Electric Orange – beim Autofahren, im Urlaub am Strand oder am Abend bei einem ausgewählten Getränk.

Die Herren sind für ihre mysteriösen Wortspiele auf den vergangenen Alben bekannt und so schlug ich zu Beginn erst einmal mal nach, auf was ich mich hier vielleicht einlasse. „Misophonie“ stammt aus dem Griechischen, bedeutet wörtlich „Hass auf Geräusche“ und ist eine Form verminderter Geräuschtoleranz, erfahre ich aus dem Netz. Menschen, die an Misophonie leiden, fühlen sich oft stark gestört und können auf alltägliche Geräusche wie Atmen, Niesen, Gähnen, Husten oder Lachen total überempfindlich reagieren, mit anderen Worten: ausflippen. Extreme Angst und Vermeidungsverhalten können entstehen, was zu sozialer Isolation oder verminderter Geselligkeit führen kann. Manche der Betroffenen stehen unter dem Zwang, das, was sie sehen oder hören, nachzuahmen!

Na, das sind ja tolle Aussichten. Mit diesem Wissen vorbelastet, begann ich also vorsichtig mit dem Hörkonsum des neuen Machwerks der Aachener Krautrocker. Und ich muss sagen, dass ich zu Beginn echte Probleme hatte! Nicht in der Form, dass ich von „Misophonie“ als neurologische Störung befallen wurde, sondern mit der relaxten Atmosphäre des gesamten Albums, die ich so nicht erwartet hatte. „Laaaangweilig“ waren die Assoziationen nach dem ersten Durchlauf. Ausgestattet mit einer breiten Palette an Vintage-Instrumenten aus den 60ern und 70ern, ist die Band natürlich immer noch eindeutig als Electric Orange zu erkennen. Aber der düstere Groove, der so viele Electric Orange-Alben ausmacht, lauert hier eine Ebene tiefer und ist erst nach mehrmaligem Genuss des Albums zu erkennen. Der achtzehnminütige Opener „Organized Suffering“ zieht Dich erst ganz langsam, aber dann unweigerlich mit seinen dunklen Keyboardteppichen und wabernden Gitarren in seinen Bann, immer weiter in das Universum des Neo-Krautrocks, nur um Dich mit „Bottledrone“ wieder auf einem rauschhaften Planeten auszuspeien, bis Deine Ohren nicht mehr genug bekommen können von diesem endlosen Sog des Klanges. Natürlich muss das alles laut gehört werden, allen Misophoniegefahren zum Trotz! „Demented“ setzt die Reise mit einem tribalartigem, nicht enden wollendem Mantra-Rhythmus fort. Das mit vier Minuten überraschend kurze „Shattered“ entpuppt sich als rhythmischstes Stück des Albums. „Opsis“ überrascht mit einem psychedelischen, orientalischen Flair und lässt vor meinem geistigen Auge das bunte Treiben auf einem mir bis dahin unbekannten Basar lebendig werden.

Die Misophonie als solche wird auf dem Album in mehreren Teilen zelebriert und findet im siebzehnminütigem „Misophonia III“ ihren krönenden Abschluss. Einmal mehr fühlte ich mich hier bei einer nächtlichen Autofahrt in beste „Blade Runner“-Sujets zurückversetzt oder besser „transformiert“. Aus allen Ecken wabert, pluckert und knistert Dir dieses Stück geheimnisvolle Dinge ins Ohr, die sich immer wieder, anfangs scheinbar desorientiert, zu einem harmonischen Groove formieren, nur um sich wenig später erneut in den Weiten des Neokraut-Universums zu verlieren. Danke für diesen Trip! Und nein, ich habe die zulässige Höchstgeschwindigkeit während dieser Fahrt nicht überschritten. Das war auch gar nicht notwendig.

Auf „Misophonia“ spielen Electric Orange puren Neo-Krautrock in höchster Vollendung, der seine Wirkung am besten in der Nacht entfaltet. Ich wünsche eine gute Reise und bitte darum, auf die enthaltenen Geräusche nicht überempfindlich zu reagieren! (Jens)

Tracks:

  1. Organized Suffering          18:09
  2. Bottledrone                          11:48
  3. Demented                             07:51
  4. Misophonia I                        08:57
  5. Shattered                               04:40
  6. Misophonia II                       01:18
  7. Opsis                                       05:25
  8. Misophonia III                     17:36

Versionen:

200 x schwarzes Vinyl, 180g
200 x orange/schwarz marmoriertes Vinyl, 180g
100 x clear Vinyl mit Gimmick, 180g

Kontakt, reinhören und kaufen:

http://www.electric-orange.com

https://electricorange.bandcamp.com

http://www.adansoniarecords.de

 

Einsortiert unter:Album Reviews, Krautrock, , , , , ,

September 2016
M D M D F S S
« Aug   Okt »
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
2627282930  

Unsere Facebookseite

Link zu unserem You Tube Kanal

Bluesrock Tegelen am 02.09. 2017

Brainstock Generator Party im Band-House Düsseldorf Reisholz am 09.09.17

Storm Crusher Festival O´Schnitt Halle Wurz vom 14.09-16.09.17

Magnificent Music Festival am 06.+ 07.10. in Berlin und Jena

Gov´t Mule Fall Tour in Germany

Light Town Blues Eindhoven 03.11.17

Helldorado – The Incredible Rock & Roll Freakshow Klokgebouw/Eindhoven 18.11.17

Diese Artikel werden gerade gelesen:

%d Bloggern gefällt das: