rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

HUMAN – Human

(hwa) Ein neues Duo-Projekt aus Hohenlimburg, einem Stadtteil von Hagen, macht mit ihrem Knallerdebüt auf sich aufmerksam. Es sind Andreas „Bubi“ Hönig (62) und sein Sohn Jan „Clitko“ Hönig (40). Die haben zwar unterschiedliche musikalische Entwicklungen hinter sich: Jan überwiegend HipHop, Bubi Rock und Hardrock. Aber zusammen fusionieren sie hier 50 Jahre Rock- und Popgeschichte und agieren auf diesem Album mit einer Noblesse, die einen die Kinnlade runterfallen lässt. Es ist ein aus dem Unterbewusstsein sich bahnbrechender Roadtrip zu den Wurzeln ihrer jeweiligen musikalischen Sozialisation. Verblüffend, was dabei herauskommt und wie es sich wie von Geisterhand verbindet. Absolut organisch…

Ich dokterte viele Stunden an diesem Album herum. Es hat halt so viele Facetten, dass ich fast wahnsinnig geworden wäre. Aber zwei intensive Telefonate mit Bubi Hönig haben vieles der Entstehungsgeschichte von „Human“ ans Licht gebracht.

Zum Beispiel, dass sie sämtliche Instrumente selber eingespielt haben, dass sie zweieinhalb Jahre am Album gewerkelt haben, dass Bubi „For Someone“ (Track No. 7) im Euphorieüberschwang anlässlich von Jans Geburt bereits in 1978 komponierte aber bis jetzt nicht zur Plattenreife brachte. Jetzt passt es perfekt, zumal Bubi Hönig pünktlich zur Veröffentlichung des Albums zum fünften Mal Großvater wurde. Dass sie die Aufnahmen in der Privatwohnung durch einen kleinen Verstärker im Kinderzimmer abhörten und kontrollierten, und und und…

Es wird deutlich, dass sich Jans HipHop-Vergangenheit verblüffend gut mit Bubis Vorliebe für TripHop, aber auch Hardrock, Rock, ja selbst Pop, verbinden ließ.

Bubi Hönig war Mitglied bei GREEN, einer Band aus ehemaligen Extrabreit- und Grobschnittmusikern. Er spielte für SYMPHONIC FLOYD und ist seit 1990 für Extrabreit an der Gitarre dabei. Aber die Zeit für Studioalben ging irgendwann zu Ende. Jetzt spielt er pro Jahr noch rund vierzig Livekonzerte mit Extrabreit und deren größten Hits. „Es ist immer noch eine Riesenstimmung vor Ort“, freut sich Bubi.

Erstaunlich, wie effektiv hier Vater und Sohn zusammenarbeiten. Es passt perfekt!

Jan war für die technische Umsetzung im Studio und die Soundeffekte verantwortlich. Er ist überdies der ausführende Produzent und Arrangeur. Daneben hat Jan auch noch das Design des Bandnamens auf dem Frontcover entworfen. Und dem Vater gesagt, wo es vielleicht hingehen sollte. Aber auch Bubi brachte zahlreiche Ideen ein.

Das Album startet mit „World“ und einem jazzig-funkigen Gitarrenintro, kommt dann durch Soundeffekte wie beispielsweise Echos oder den verschleppten Zeitlupen-TripHop-Gesang auf eine neue Ebene, die ihrerseits wiederum eine weitere Transformation in den Pop erfährt und umgekehrt.

Oder wenn sie in „Dreamin“ (Track No. 4) ab 3:45 min Neil Young überfallartig ihre Referenz erweisen. Der reinste Gitarrenorgasmus! Neil Young und Crazy Horse at its best. So etwas habe ich in Deutschland selten vernommen.

Na ja, und dann muss man sich unbedingt auch Track 6 und 7 anhören, um zu verstehen, was ich meine. Es sind Fleetwood Mac und Pink Floyd, die hier nachdrücklich durch den Raum schwirren. Und bei Track 10 selbstredend AC/DC mit einer Reminiszens an „Thunderstruck“ im Intro.

„Ja, ja“, sagt Bubi „das war meine Zeit.“ Herausgekommen ist ein ROCKTRIP der besonders dynamischen Art – Jan und Bubi realisieren ihn mit Respekt und absolutem Können.

Es ist – wenn man so will – zwar nicht die Neuerfindung des Rades, aber in dieser speziellen Human-Melange aus schweren Beats, 70er Jahre Rock sowie Pop und trippig experimenteller Freigeistigkeit absolut herausragend.

Und dann sagte mir Bubi noch, dass er Rory Gallagher (neben Neil Young) zu seinen unsterblichen Gitarrenhelden zählt. Als in der Wolle gewaschener Rory- und Neil Young-Junkie kann ich dem nur beipflichten.

Wie ich ja überhaupt diesem fulminanten Human-Album mit einer tiefen Verbeugung viel Glück wünsche. Auf dass dieses grandiose Soundkino die vielen Hörer/Innen findet, dies es verdient. Für mich ist „Human“ eines der herausragenden Alben in 2017!

(Heinz W. Arndt)

Setlist:
01. World
02. Mother
03. You & I
04. Dreamin’
05. Why
06. Hard Times
07. For Someone
08. Getaway
09. Walk
10. End
11. Mother Remix

Ein Soundprojekt von Andreas “Bubi” Hönig und Jan “Clitko” Hönig

HUMAN „Human“
Sireena SIR 2176 / Broken Silence Distribution
TT 44:23 min
August 2017

Einsortiert unter:Album Reviews, Experimental, Hardrock, Rock, , , , , ,

August 2017
M D M D F S S
« Jul   Sep »
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031  

Unsere Facebookseite

Link zu unserem You Tube Kanal

Musiker für Musiker + Psychedelic Krautrock im Weltkunstzimmer Düsseldorf am 30.09. + 07.10.17

Magnificent Music Festival am 06.+ 07.10. in Berlin und Jena

Gov´t Mule Fall Tour in Germany

Helldorado – The Incredible Rock & Roll Freakshow Klokgebouw/Eindhoven 18.11.17

Fuzzfest Wien am 24. + 25.11.17

Diese Artikel werden gerade gelesen:

%d Bloggern gefällt das: