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AquaMaria Festival / 11.08.-12.08.2017, Plattenburg/Prignitz

(hjs) „So shall it be written, so shall it be done…“ und so war ich mittendrin in einer traumhaften Umgebung mit tollen Bands, die mit großer Spielfreude und einer professionellen Einstellung auftrumpften. Umgeben von 500 Fans, die sich auch von einer etwas düsteren Wetterprognose nicht abschrecken ließen, versorgt mit köstlichen, bezahlbaren Speisen und einem selbstgebrauten Gerstensaft, der vollmundig seinen Weg über die Kehle in den Magen fand. So in etwa kann man in wenigen Worten das zusammenfassen was Maria Steuer nebst Mann Uwe und Sohn Eike auf die Beine gestellt hat. Mich, der sonst auf Festivals der etwas härteren, metallischen Gangart unterwegs ist, hat es schlichtweg begeistert. Musikalisch bewegt man sich hier auf der Stoner-, Psych-, Bluesrock Schiene.

Das Festival findet in einer der ältesten erhaltenen Wasserburgen statt. Klar, es gibt keinen Autobahnanschluss, man fährt über Land, wird dann aber in allen Dingen entschädigt.

Campingground und Festivalgelände sind aus geografischen Gründen etwas getrennt voneinander. Der Weg ist aber auf jeden Fall kein Hindernis dort sein Zelt aufzuschlagen oder es sich im Auto bequem zu machen. Mit einem Wegbier in der Hand läuft es sich sogar noch etwas leichter.

Die Bühne ist im Innenhof aufgebaut. Durch das ansteigende Gelände kann man auch von etwas weiter weg das Geschehen auf der Bühne sehr gut verfolgen. Es gibt außerdem einen Merchandise Stand, zwei Getränke- und Verpflegungsbuden. Außerdem bietet das Gelände die Möglichkeit sich zu setzen und ganz entspannt, auf einer Bank sitzend, dem Treiben zuzuschauen. Für das notwendige „Wegbringen“ der verzehrten Köstlichkeiten gibt es außerdem Spültoiletten im Innenbereich sowie Dixieklos im Außen- und Campingbereich.

Für die musikalische Unterhaltung sorgten in dieser Reihenfolge:

Freitag, 11.08.17
20:30 Travelin‘ Jack
22:00 Taming The Shrew
23:30 Siena Root

Samstag, 12.08.17
14:00 Rising Dao
15:30 Strayin‘ Sparrows
17:00 Johnny Rockskin
18:30 Mother Engine
20:00 Brutus
21:30 Abramis Brama
23:00 Dead Lord

Travelin‘ Jack machten in der Dämmerung den Anfang. Ganz nach der der Devise „Glitter is better than Satan“ legten sie dementsprechend dekoriert los. Die Berliner eröffneten mit kernigem Rock, eine Dame namens Spaceface legte ihre Gesangslinien über den kompakten Sound der anderen Bandmitlieder. Ein amtlicher Opener.

Mit einer weiteren Dame am Mikrofon gaben sich Taming The Shrew die Ehre. Eine grundsolide Rhythmusarbeit, feinste Gitarrendarbietung und ein immer auf den Punkt akzentuiertes Keyboard waren der musikalische Teppich für die teils exzentrische, aber gesanglich auf ganz hohem Niveau befindliche Gesangsdarbietung. Für mich eine der Entdeckungen des Festivals.

Über Siena Root braucht man eigentlich keine Worte zu verlieren. Schweden ist ja sowieso das neue musikalische Mekka. Das merkte man. Mit dem Opener „Tales Of Independence“ vom aktuellen Album legte der Freitags-Headliner gleich mal gut los. Einige technische Probleme wurden professionell behoben und eine weitere gute Show trieb einem das Grinsen ins Gesicht. Noch ein paar Kaltgetränke abgegriffen, ein paar gute Gespräche geführt und man konnte zufrieden zum Matratzenhorchdienst antreten.

Die kulinarische Note am Samstagmorgen war das Thema Fisch. In der Nähe gibt es einen, wohl etwas kauzigen aber sehr netten Fischräucherer. Hier fanden auch diejenigen, welche sich mit einem Kater plagten, das adäquate Nahrungsmittel in Form eines Bismarkbrötchens.

Warten musste man bis 14:00 bevor das musikalisch Treiben wieder Fahrt aufnahm. Das Wetter erwähne ich extra nicht. Hat es einfach nicht verdient. So eröffneten Rising Dao das Geschehen. Die Berliner, allesamt jüngeren Alters, spielen seit 1,5 Jahren zusammen und gaben sich als geschlossene Einheit. Interessant wurde es als Benny angekündigt wurde, spielte er doch tatsächlich eine Sitar. Bei den Zuschauern, die sich noch an Ravi Shankar erinnerten, zeigte sich ein Grinsen im Gesicht. Das waren Zeiten, aber scheinbar sind sie noch präsent.

Die Strayin‘ Sparrows mussten die Spannung hochhalten, was ob des einsetzenden Windes und Regens trotzdem gelang. Die Psych-Rocker legten ein amtliches Brett hin, musikalische Wurzeln im Blues liessen sich nicht verbergen. An das Publikum angepasst ließen sie verlauten: „ Da ihr ja mehr auf Stoner steht, spielen wir heute unser gesamtes Stoner Zeuchs“. Hängengeblieben ist „Bangkok Roulette“ mit einer kernigen Slidegitarre.

Wie es nun mal so ist wenn man Einzelkämpfer ist, man braucht eine Pause. Diese gönnte ich mir bei Johnny Rockskin. Sorry, aber das nächste Mal bin ich wieder dabei. Auch nicht dabei war ich als das Blasorchester aufspielte. Ist nicht so meins, wurde aber nach anfänglichem Zögern doch angenommen.

Nach einem ausgiebigen und herzhaftem Essen war ich bereit für Brutus. Brutus? Nein, Mother Engine stand auf der Bühne. Flugs bei Maria nachgefragt, Brutus‘ Ankunft würde sich verzögern.
So sprangen die Sachsen direkt ein und zeigten dem staunenden Publikum direkt das Gesang nicht unbedingt ein Indikator für fesselnde Musik sein muss.

Der Innenhof füllte sich und Brutus läutete den Abend ein. Die Mannen um Sänger Nils Joakim Stenby spielen riff-orientierten Bluesrock mit durchaus gelungenen Doom Anleihen. Der letzte Song wurde in Landessprache performed und beinhaltete ein sehr spannendes Gitarrenduell.

Auf zum schwedischen Finale. Es sollte so etwas wie ein Finale furioso werden. Den Anfang machten Abramis Brama. Diese Band hatte ich noch nie live gesehen und war dementsprechend gespannt. Die Stoner singen in Landessprache, hört sich auch gut an. Musikalisch ohne Zweifel unbestritten war mein persönlicher Höhepunkt dieses Gigs die, in schwedisch gesungene, Coverversion von Ashbury’s „Vengeance“. Dieser Titel wird auf dem nächsten Lonplayer der Band zu hören sein. Diese Info bekam ich direkt nach der Show vom Bassisten der Band, Mats Rydström.

Jetzt wurde es spannend. Dead Lord sollten der Headliner des Samstags werden. Da sie aber vorher noch eine Show spielen mussten und danach eine mehrstündige Fahrt vor sich hatten waren alle gespannt ob es zeitlich passen würde. Es passte. Und wie. Ein kurzer Soundcheck und schon ging es mit aller Rockgewalt los. Das Trademark der Band, gnadenlos gute Rythmusarbeit, gepaart mit ins Mark gehenden Twinguitar Passagen, bekam sofort jeder mit. Ja, diese Band macht und kann auch Spass. Klar kann man Songs wie Onkalo oder Don’t Give A Damn weglassen, mich hat es ein bisschen geärgert, aber der Rest entschädigte. Ein Höhepunkt der Show war der, in ein Blues Intro und ein „Reign In Blood“ Outro gepackte, Song „Hank“. Der andere zweifelsohne Thin Lizzy’s „The Rocker“ bei dem kurz mal Instrumente getauscht und als Gast Mats Rydström den Bass bediente.

Mein Fazit und gleichermaßen Apell an alle. Diese Festivals werden mit Leib und Herzblut organisiert. Das macht sich an allen Ecken und Enden bemerkbar. Wenn die Veranstalter Glück haben gehen sie mit einer schwarzen Null aus dem Rennen. Von daher: gönnt euch solche Festivals, unterstützt die Szene. Ich tue es schon an mehreren Stellen und das seit Jahren.

Link zum Festival:
http://www.aquamaria-festival.de/
https://www.facebook.com/aquamaria.festival/

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