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Rex Brown – Smoke on this

(js) Eigentlich war ja Rex Brown nie jemand, der großartige Neigungen zur Schau stellte, auch mal als Solokünstler aktiv zu werden. Insbesondere, weil er nach dem schicksalhaften Ende von „Pantera“ infolge des Attentats auf Dimebag Darrell später unter anderem auch noch als Viersaiter bei „Down“ sowie „Kill Devil Hill“ tätig war. Nun, Jahre später, und der Gewissheit folgend, musikalisch ruhigere Pfade betreten zu wollen, liegt also sein Erstlingswerk vor. Wie schon die musikalischen Schritte von „Pantera“ über „Down“ hin zu den sehr moderaten Rockklängen von „Kill Devil Hill“ (immerhin ein gemeinsames Großprojekt mit Vinny Appice und Johnny Kelly) andeuteten, fällt auch der erste Eindruck aus.

Auf „Smoke on this“ zieht Brown nicht nur verschiedene Saiten auf, sondern versucht sich ebenso als Sänger. Unterstützt wird er auf seinem Debut von seiner musikalisch „rechten Hand“ Lance Harvill, der als Gitarrist und vor allem auch Songwriter tätig ist und Schlagwerker Christopher Williams, der von Brown zu diesem Projekt überredet wurde und vormals schon für „Lee Greenwood“, „Accept“ oder auch „Blackfoot“ diverse Felle malträtierte. Gemeinsam sorgen die drei für schlagkräftige, aber eben keine aggressiven Klänge mehr. Kein Thrash, wenig bis kein Doom. Brown selbst bekräftigte in Interviews fast mantraartig, dass dieser Longplayer viel Herz, Herzblut und den unbedingten Willen „to shake some shit up“ in sich trägt. Und ja, er tut es.

Das Album startet mit dem kraftvollen „Lone Rider“, welches uns ein äußerst behagliches Riffing feilbietet, Browns Stimme sich dabei prima in den Rock Sound der Siebziger einfügt und der Song fast doch ein wenig an „Corrosion of Conformity“ erinnert. Der Funke ist somit entfacht und springt umgehend über auf das lässige „Kiss“ und „Aerosmith“ affine „Crossing Lines“. Brown knurrt dabei ins Mikrofon wie es Gene Simmons in seinen besten Tagen kaum schöner hätte tun können. Sein sumpfiger Basssound paart sich geradezu elektrisch mit dem dreckigen Krächzen aus Harvills Sechssaiter.

Mit „Buried Alive“ erklingen beinahe zeppelineske Klänge, bevor das sich anbahnende „Get Yourself Alright“ eine Hommage an eine weitere große Bands darstellt. Diese musikalische Huldigung der „Beatles“ ist ebenso gewagt wie gelungen. Eine weitere Hommage der „Fab Four“ steht später noch mit „What Comes Around“ an. Ob nun „Grace“, was fast schon wie ein vergessener Song des späten „J.J. Cales“ klingt oder „Best Of Me“, welcher für mich unglaublich viel „Pink Floyd“ in sich trägt – es gefällt. Das Schlagzeugspiel in „Best Of Me“ erinnert mich zudem vehement an Peter Greens aus seiner „Fleetwood Mac“ Ära der 60er. Der Refrain geht eher in eine Upbeat und Hard Rock Richtung. „Pantera“ haben mal mit „Planet Caravan“ einen Sabbath-Song wunderbar gecovert – exakt diesen musikalischen Geist erkenne ich auch hier in Browns „Best Of me“. All diese Songs funktionieren nicht einfach nur, sie funktionieren ganz fantastisch.

Der letzte Song namens „One of these days“ rundet in einer erhebenden Art und Weise dieses Album wunderbar ab. Und man ist fast geneigt, sich vor einem unglaublich chilligen Rockalbum zu verneigen. Chillig vielleicht auch, weil Brown es längst nicht mehr nötig hat, sich seinen Platz in der Musikgeschichte erkämpfen zu müssen. Diesen Status hat er erfolgreich in seinem gemeinsamen Wirken mit den „Metalgöttern“ der 90er, „Pantera“ vollzogen. Deshalb auch kann ich auf diesem Longplayer erkennen, dass hier ein Künstler agiert, der entspannter nicht sein könnte.

Wer allerdings metallische, aggressive Klänge erwartete, wird von „Smoke on this“ wohl enttäuscht sein. Vielmehr steht dieses Album für eine gelungene Mixtur aus der Rock Musik der 70er. „Alice Cooper“ hier „Led Zep“ dort und immer wieder „Lynyrd Skynyrd“. Ich spüre in jedem Ton Browns absolute Liebe zur Rock Musik und auch die Hingabe, mit der er uns seine Songs präsentieren will. Dies ist für mich der perfekte Soundtrack für einen Samstagabend in einer Südstaaten-Bar in den 70er Jahren. Vor sich immer wieder ein gut gefülltes Glas Bier, welches herhalten muss, sich die trockene Kehle ordentlich zu befeuchten. Und zudem Sorge dafür zu tragen hat, dass man mutig genug wird, den in die Bar kommenden „Hotties“ – gekleidet in ihren waghalsigen Hotpants, in ihren weißen „Ringer T-Shirts“, die bier- und/oder wassergetränkt nah am Körper verweilen – klarzumachen, dass an diesem Abend nur den einen gemeinsame Weg geben kann. Über einen intensiven Kuss (einschließlich deines nach Zigarettenrauch wohlduftenden Atems direkt auf deinen weit geöffneten Mund, der noch Rest des Bierschaums enthält, den dein Schnauzbart nicht abfangen konnte) auf der Tanzfläche und dann direkt in deine nach Schweiß und Alkohol duftende Bude. Hellyeah!….(JensS)

Tracklist:

01. Lone Rider
02. Crossing Lines
03. Buried Alive
04. Train Song
05. Get Yourself Alright
06. Fault Line
07. What Comes Around…
08. Grace
09. So Into You
10. Best of Me
11. One of These Days

http://rexbrown.net/

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