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Giöbia – Plasmatic Idol

(as) „Berlinern“ tun sie ja seit je gern, die Italiener „Giöbia“, doch auf „Plasmatic Idol“ kommen vermutlich so viele Elemente zur Geltung wie nie, die ebenso gut auf einem der frühen Alben von „Tangerine Dream“, Klaus Schulze oder Jean Michel Jarre stehen könnten.

Hinzu kommt sozusagen landestypisch bereits im eröffnenden „Parhelion“ ein ausgeprägtes Horror-Flair, wofür die Herkunft der Musiker in Hinblick auf die Filmsoundtracks von „Goblin“ für u.a. Regisseur Dario Argentos Werke verpflichtet. Demnach könnte die neue Platte der Italiener nicht traditioneller anmuten – eine Einschätzung, die sich auch in ihrem unaufdringlichen Sound bestätigt.

Nein, „Plasmatic Idol“ bietet keine fett aufgeblasenen Riff-Gewitter, sondern klingt durchweg verschroben und insoweit verwaschen, dass man noch alle Klangkomponenten auseinanderhalten kann. Als erfahrene Hasen pendeln „Giöbia“ clever zwischen abstrakten Instrumentalstücken und Song-orientiertem Material mit gut abgehangenen Melodien, wobei der stets verfremdete Gesang (hier standen eindeutig „Pink Floyd“ mit Syd Pate) eher wie eine zusätzliche Klangfarbe eingesetzt wird statt die Stücke mehr oder weniger allein zu Tragen.

Nach dem lässigen Stoner Rocker „In The Dawn Light“ wird mit dem Intro-artigen Titelstück die Schlüsselnummer der Scheibe eingeleitet: „Haridwar“ deckt mit pastoraler Synthesizer-Einleitung, glockigen Gitarren ohne Verzerrung, nebelhaft in den Hintergrund gerückten Vocals, die eine den jungen „Beatles“ nicht unähnliche Naivität vermitteln, Space-Rock-Zischen und kauzigen Orgel-Einschüben ein breites Spektrum ab, wobei die Gruppe jederzeit in sich selbst ruht.

Im Anschluss an diesen achteinhalb Minuten folgt mit „The Escape“ die am stärksten auf elektronischen Elementen fußende Komposition, und das wieder längere „Far Behind“ weist nur geringfügig mehr Gitarrenpassagen auf. „Heart of Stone“ erweist sich kurz vor Schluss mit Ohrwurm-Hook und Folk-Vibes als zweiter herausragender Track auf „Plasmatic Idol“, und „The Mirror House“ erinnert stoisch hämmernd noch einmal daran, wie wichtig auch „Hawkwind“ für die Formation gewesen sein dürften.

Alles in allem bieten „Giöbia“ 2020 wahrlich keine Überraschungen mehr, doch ihre aktuelle Musik sollte, falls es nicht mit dem Teufel zugeht, unter Psych- und Weltraum-Jüngern zu einem Selbstläufer avancieren.

Spielzeit: 44:33

1] Parhelion
2] In The Dawn Light
3] Plasmatic Idol
4] Haridwar
5] The Escape
6] Far Behind
7] Heart of Stone
8] The Mirror House

Andreas Schiffmann

Filed under: 70s, Album Reviews, Classic Rock, Elektronik, Psychedelic, Rock, Stoner,

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