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The Widowbirds – Shenandoah

„Australien?“ überlegte ich, als mir vor einigen Tagen ein Digipack der mir bis dato unbekannten Band “The Widowbirds“ auf den Tisch gelegt wurde.  Auch auf die Gefahr hin, mit diesem Eingeständnis für manchen Fan als absoluter Banause dazustehen:  zwar hatte ich bisher immer mehr oder weniger rege verfolgt,  was sich musikalisch „Down Under“ so tut und einiges – zumindest häppchenweise – als interessant befunden,  aber bei  „Shenandoah“,  einer Sammlung von elf Tracks auf einem durchdachten und homogenen Debüt-Album,  ist es dafür Liebe beim ersten Hören.

„The Widowbirds“, das sind Simon Meli (voc, guit), Tony Kvesic (guit), Shane O’Neill (dr, perc) Simon Wiltshire (b) und Lachlan Doley (org, k, piano),  die man mit ihrem Hard-Soul- Roots-Rock durchaus als Australiens Antwort auf die Black Crowes bezeichnen könnte. Oder wenn man sich in eine noch frühere Ära bewegen möchte, dann auf Free und Led Zeppelin. Aber wer jetzt Furchen im Gesicht dieser Musik erwarten würde, dem sei gesagt, dass dies höchstens Lachfältchen wären.

Denn den „Widowbirds“ gelingt der Spagat, neue Wege zu gehen und dabei auf höchst angenehme Weise rückwärts gewandt zu klingen.  Ein Stinkefinger in Richtung der überproduzierten Massenware,  ja, genau das ist diese echte musikalische Perle aus den Blue Mountains von Sydney.

Sehr soulful und bluesig,  aber nicht ohne hier und da eingestreuten Pfeffer, und mit vielen subtilen akustischen Passagen kommen diese elf Songs daher.  Ihr ziemlich retro und latent psychedelic angehauchter Sound findet in meinen Gehörgängen sogleich Gefallen.  Bereits der Opener „Dust and Stone“ legt ein wunderbar groovendes, aber nicht zu heftiges Tempo vor,  das von Stücken wie „Lead Myself Astray“ oder „Follow Me Down“ mühelos gehalten wird.  „Follow Me Down“, ohnehin ein großartiger Titel,  erscheint gleichzeitig locker,  melodiös,  sehr rhythmisch und taff,  aber auch gefühlvoll, unaufgeregt und nachdenklich. Und es geht wirklich wunderbar weiter.

Wobei bei allem Schönklang der fabelhafte Simon Meli den Hörer oder die Hörerin beileibe nicht einlullt.  Sein Gesang, z.B. in „Sweet Lady Mary“ – schwelgerisch und teils die Worte dehnend,  als lausche er ihnen nach – hat eine Unmittelbarkeit und Präsenz, die jede Distanz aufheben. Hier flüstert der Sänger ins Ohr wie zum letzten Mal, aber er badet nicht in der Kitschwanne. Und die Stärke seiner Texte liegt nicht etwa in den gerne genommenen Schlußpointen, die einen mehr oder weniger schlauer zurücklassen,  als vielmehr in dem, was sich am Wegesrand ansammelt. Klar, wir wissen es alle:  Beziehungen scheitern,  Dämonen lauern,  die Welt ist plötzlich weit oder weg,  die Helden sind müde, hauen ab, wollen heim oder suchen Trost an der Bar.  Wir alle kennen diese Themen,  wir alle suchen, wobei wir oft genug nicht wissen, wonach eigentlich.  Und ob wir einen Song, einen Sänger oder eine Band mögen ist keine Entscheidung….sondern es passiert. Bei mir passiert es genau hier bei „Rumble in the Alley“. Der Vibe, das Ungreifbare zwischen den Noten, das der Musik Leben einhaucht,  glimmt bei „The Widowbirds“ beständig wie eine Glut, die vollständig in die Musik gepackt ist.  Ja, da ist was dran.

Auf dem Digipack lese ich: „All Songs are written by Simon Meli und Tony Kvesic“, d.h. also,  alle Songs sind als Gemeinschaftsarbeit ausgewiesen. Und das Schöne daran ist, dass sie nicht wie halbgare Kompromisse klingen.

Ich lese auch, dass die außergewöhnliche Face Art auf dem Cover, ein mit Farben künstlerisch in das Gesicht eines jungen Mannes integrierter „Widowbird“ vonAdriana Dermichelis gestaltet wurde.  Dunkle Federn liegen aufgereiht auf den geschlossenen Wimpern,  ein langer Schwanzschweif zieht sich über die Wange hin bis zum Kinn.  Wunderschön..

Oh ja, „The Widowbirds“ finde ich persönlich in jeder Hinsicht bemerkenswert und ihrem Album „Shenandoah“ gebe ich eine mit Rufzeichen versehene Empfehlung. Denn diese CD hat viele dieser ganz besonderen musikalischen Momente, in denen man diese spezielle Art Kribbeln verspürt, welches man beim Hören einer guten Platte stets erfährt……(..Rosie..)…

1. Dust & Stone // 2. Go Down // 3. Sweet Lady Mary // 4. Rumble in the Alley // 5. Tonight We Ride // 6. Lay Your Love // 7. My Time // 8. Still Life // 9. Follow Me Down // 10. Time We Gotta Move On // 11. Lead Myself Astray

Und da die Jungs demnächst auch in Europa unterwegs sind, will ich auch diesen Tipp noch unbedingt loswerden. Also, bitte den Jan. / Febr. 2013 im Auge behalten!!

Mehr lesen: http://www.thewidowbirds.com

Zum Akustik-Video „Rumble in the Alley“: http://www.youtube.com/watch?v=r-3AtLNnU8M&feature=related

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