rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

An Acoustic Night – Snake Bite Love und Maiden United im Kurtheater Bad Homburg am 20.01.2018

(hjs) Wenn man, so wie ich, die Gnade der frühen Geburt erfahren hat, kam man in der postpubertären Phase an Iron Maiden und Motörhead nicht vorbei. Vorausgesetzt man war dieser Art von Musik zugetan. Das Musik bisweilen anders arrangiert, umgeschrieben oder auch von der elektrischen an die akustische Schallübertragung angepasst wird ist nicht neu. Spätestens seit dem „Unplugged“ Boom ist man damit vertraut. Man nimmt eine Gesangsmelodie, eine Hookline oder andere prägnante Teile eines Songs und macht ein Akustikstück daraus. Das Ziel dabei ist es, den Erkennungswert zu wahren. Gleich zwei Bands teilten sich an diesem 20.01.2018 im Kurtheater Bad Homburg die Bühne um diese Art der Interpretation einem zahlreich erschienenen Fanpublikum zu präsentieren. Beide in Holland beheimatet. Zum einen Snake Bite Love, die sich dem Schaffenswerk der Band Motörhead verschrieben haben, wie man unschwer am Bandnamen erkennt, und zum anderen Maiden United. Letztere traten mit vier Gastmusikern im Gepäck an: mit Ralf Scheepers, Frank Beck und Doogie White wurden drei stimmgewaltige Frontmänner verpflichtet, die dem geneigten Musikhörer bestens von Primal Fear, Gamma Ray und Temple Of Rock bzw. Rainbow bekannt sind sowie ein leibhaftiger Sechssaiter auf Iron Maidens legendärem Erstlingswerk, nämlich Dennis Stratton. Diese Besetzung gab es nur bei dieser einen Show, eben in Bad Homburg.

Mit dem Kurtheater wurde auch ein passender Ort für dieses außergewöhnliche Ereignis gefunden. Das Publikum war sehr gemischt, vereinzelt Kuttenträger, viele T-Shirtträger mit Metal Affinität, ganz mutige Musikfreunde trugen sogar Abendgarderobe. Das durchaus mehr Bier nachgefragt wird als bei einer „normalen“ Theaterveranstaltung ist leider nicht bis zu dem Catering Team vorgedrungen. So gab es bei den Biertrinkern schon in der Pause lange Gesichter da der Fluss des Gerstensaftes schon versiegt war. Man sah einige Weintrinker stolz am Glas nippen.

Die Vorband, oder sagt man hier, das Vorensemble präsentierte die Motörhead Stücke zwar perfekt umgesetzt für die Stimme der Frontfrau Micky Huijsmans, aber doch etwas ungewöhnlich für den langjährigen Motörhead Konzertgänger. So fand man den Weg in die Setlist mit „Broken“, einem Stück von der Overnight Sensation Scheibe. Übrigens das einzige Cover auf dem Lemmy (R.I.P.) keinen Bart trägt. Stücke die man kennt und verehrt, wie z.B. „Motörhead“, „No Class“, „Killed By Death“ und natürlich „Ace Of Spades“ wurden ebenso in die Show integriert wie auch „Don’t Let Daddy Kiss Me“. Letzteres sorgte auch bei mir für eine ziemliche Gänsehaut. Ein feiner Zug, „Metropolis“ wurde dem kürzlich verstorbenen Fast Eddie Clark (R.I.P.) gewidmet. Nach einer Dreiviertstunde war die Darbietung beendet. Stehende Ovationen waren die Belohnung für einen musikalisch feinen Auftritt. Es folgte eine kleine Pause. Das Debakel für die Biertrinker wurde ja weiter oben schon erwähnt.

Nun folgte der Headliner Maiden United. Es sollte eine zweieinhalbstündige Darbietung werden. Okay, der Einstieg mit „Empire Of The Clouds“ bot sich an, da wirklich ein richtiger Flügel Teil der instrumentalen Ausstattung war. Sänger Damian Wilson betrat die Bühne mit „Only The Good Die Young“ und sollte sie dann für längere Zeit nicht mehr verlassen. Wahrscheinlich infiziert durch die theatrale Umgebung wechselte er zwischen Sänger, Entertainer und Comedian. Das hatte ich persönlich nicht erwartet, eher das Erforschen der dargebotenen Stücke, die ja teilweise Bestandteil der o.g. Wachstumsphase gewesen sind. Für mich als Neuling war es nicht einfach, den Gesangsstil von Damian Wilson mit der akustischen Bandbegleitung und den Originalstücken im Geiste zu kombinieren. Mir hätte da weniger Entertainment und etwas mehr Einführung in die Stücke besser geholfen als die doch teilweise sehr ausgedehnten Show- und Stand-Up Einlagen. Seis drum, dem Großteil des Publikums hat es gefallen und daher würde ich sagen, alles richtig gemacht.
Zum vierten Stück durfte Gastsänger Frank Beck auf die Bühne. „Sun And Steel“ von der „Piece Of Mind“ Platte war sein auserkorenes Stück. Sehr inbrünstig und sicher vorgetragen. Man merkt den Protagonisten an, dass sie selber ein Teil des Iron Maiden Fankosmos sind.
Danach durfte Dennis Stratton für fünf Stücke auf die Bühne. Völlig entgeistert starrte er auf die Akustikgitarre mit der er sich aber wenig später versöhnen sollte. Mit „Remember Tomorrow“, „The Trooper“, „Children Of The Damned“ und „Charlotte The Harlot“ war er zweifellos an einigen Höhepunkten beteiligt. Sein Hang zum Humor wurde direkt von Damian Wilson aufgegriffen. Nun hatte der einen kongenialen Comedy Partner.
Zu „Futureal“, dem einzigen Stück aus der Blaze Baley Phase, durfte Ralf Scheepers seine Stimmbänder strapazieren. Aus meiner Sicht war es schade dass es nur bei dem einen Stück blieb.
Der nächste Gast auf der Bühne war Doogie White. Mit Spickzetteln ausgestattet, vonnöten oder auch nicht, wurden „The Evil That Men Do“ und 2 Minutes To Midnight“ mit seiner Stimme verfeinert. „Die With Your Boots On“, war jetzt keine Aufforderung sondern das letzte Stück des regulären Sets.
Natürlich durfte auch das Stagediving von Damian Wilson nicht fehlen. Er trommelte eine Traube von Menschen vor der Bühne zusammen um dann den Sprung von der Bühne zu wagen.

Zur abschließenden Zugabe kamen dann alle Protagonisten auf die Bühne um sich mit „Wasted Years“ zu verabschieden. Jetzt saß eigentlich keiner mehr. Das Publikum feierte die Band. Nach zweieinhalb Stunden war dann Schluss und ein interessanter Abend fand sein Ende.

Mehr Bilder findet ihr hier:
Bilder vom Konzert

Vielen Dank an Michael Rehwald vom Konzertbüro Rehwald für die Akkreditierung und die tolle Organisation (hans-juergen).

Setlist Snake Bite Love
Broken
Motörhead
Poison
Metropolis
Don’t Let Daddy Kiss Me
You Better Run
No Class
Lost In The Ozone
Killed By Death
Ace Of Spades

Setlist Maiden United
Empire Of Clouds
Only The Good Die Young
22 Acacia Avenue
Sun And Steel
Remember Tomorrow
The Trooper
Children Of The Damned
Charlotte The Harlot
Futureal
Infinite Dreams
Revelations
The Evil That Men Do
2 Minutes To Midnight
Die With Your Boots On
Encore:
Wasted Years

Links zu den Bands:
http://www.maidenunited.com/
https://www.facebook.com/MaidenuniteD/
https://www.facebook.com/Snakebiteloveband/

Filed under: Konzert Photos, Live Reviews, , , , , ,

Januar 2018
M D M D F S S
« Dez   Feb »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

Link zu unserem You Tube Kanal

Clostridium Labelnight Vol.1 in der Pauluskirche Dortmund am 13.04.19

Diese Artikel werden gerade gelesen:

%d Bloggern gefällt das: