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Bad Temper Joe – Ain`t Worth A Damn

Traditioneller Blues aus Bielefeld

(ro) Fast könnte man meinen, dass die typisch westfälische Stadt Bielefeld nicht nur an der Aa, sondern durchaus auch am Mississippi liegen könnte.
Zumindest, wenn man das neue Album von Bad Temper Joe, betitelt „Ain`t Worth A Damn“ in den Player schiebt.
Oh ja, solch eigenwillige und spartanisch instrumentierte Songs über die typischen und versteckten Themen des Blues erwecken sogleich meine volle Aufmerksamkeit.

Und wer dann noch Solo-Liveaufnahmen, so wie diese hier aus dem Café de Loge in Gent, wählt, um allein mit seiner Gitarre melancholische und intensive Songs zu präsentieren, erhält sowieso Pluspunkte.
Also einen Tusch für Bad Temper Joe!

Schon gleich der erste Track „Farmer`s Daughter“ lässt keinen Zweifel offen, wohin die Reise geht.
Er fordert dazu auf, sich zumindest zeitweise einmal von allem auszuloggen, abzuschalten, sich abzumelden und einfach nur ganz altmodisch Musik zu hören.
Musik. Hören.
Und zwar meisterhaft geradeaus gespielten Blues der alten Schule.
Großartig und mit Herzblut dargeboten, dazu authentisch, rein und ursprünglich.
Gefühlvoll und herzzerreissend.
Ist es nicht so, dass Musik heutzutage oft darunter leidet, dass Emotionen oft nur ein Sturm im Wasserglas sind? Ein bisschen Gesprudel, das sich bald von selbst wieder glättet?
Nicht so bei Bad Temper Joe.
Nein, es geht auf seinem Album nicht fröhlich zu, dafür steht schon sein Name „Bad Temper Joe“ – schlechte Laune Joe.

Seine traditionsverbundenen Balladen, in denen es um sehr persönliche Dinge geht, um Verlust, Liebe, Einsamkeit und den Umgang damit, zeigen, das subtiler Minimalismus im Blues eine sehr große Stärke sein kann.
Sentimental und schwermütig kommen die neun Songs daher, sie sind aber vollkommen frei von dudeliger Gefühlsduselei oder irgendwelchen überflüssigen Spielereien.
Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Schwierigkeiten und Chaos überhand zu nehmen scheinen, braucht es solche flüssigen, gleichzeitig fokussierten und dichten Klänge, die für kurze Zeit Glückseligkeit durch Boxen oder Kopfhörer jagen.
Weil hier die Emotionen zwischen Nähe und Distanz changieren, weil die gewählte Ästhetik sowohl bitter als auch süß schmeckt.
Kein überflüssiger Ton ist hier zu hören, keine Saitenakrobatik und kein Geschredder, kein Firlefanz, nichts bis zur Unkenntlichkeit produziertes, nichts Poliertes, nichts Langweiliges, nur purer, unverfälschter Blues, der immer auf den Punkt gespielt ist.
Eine durchweg fantastische, feine Gitarrenarbeit, glasklar und packend, die ihresgleichen sucht, kombiniert mit einer rauhen, düsteren und schwermütigen Stimme.
Oh ja, dies ist ein Album, das in den Bann zieht.
Genau so mag ich das.
Genau so.

Ganz wunderbar ist für mich persönlich auch das Cover „Spoonful“, bei dem Bad Temper Joe den alten Herren Willie Dixon und Charley Patton huldigt.
Nein, man braucht nicht viel, so wird hier in diesem bewegenden Song dargelegt, um es gut zu haben und sich gut zu fühlen.
„It could be a spoonful water – To save you from the desert sand – But one spoon of lead – From my forty-five – Will save you from another man …“
Mit beseeltem Temperament und ohne viel Pipapo wird hier der geneigten Hörerin sogleich klargemacht, dass, wenn ein Song „alt“ ist, er nicht alt ist. Man landet an einem magischen Ort und in einer Zeit, wo Lieder qualitativ noch Ton um Ton zu bestehen wissen und in Gänze „zeitlos“ genannt werden dürfen.

Es ist mir schon klar, dass dies ein Sound ist, der wahrscheinlich in keinem Radioprogramm unserer Mainstreamrepublik publik wird, aber ich finde, diesen Liedern zuzuhören und darüber zu reflektieren, ist ohne Zweifel gut investierte Lebenszeit!
(..Rosie…)

Mehr über Bad Temper Joe gibt es hier bei uns, geschrieben von meinem verehrten Kollegen Volker, zu lesen:
Besprechung CD „s/t“ von Bad Temper Joe und Band
https://rockblogbluesspot.com/2017/10/19/bad-temper-joe-his-band-st/

Wer Bad Temper Joe gern einmal live sehen und hören möchte, kann dies z.B. bei folgenden Gelegenheiten tun (Angaben ohne Gewähr):

07.09.2018 Sulingen Resonatorfestival
12.09.2018 Göttingen Apex
13.09.2018 Braunschweig Das KULT
14.09.2018 Rostock Dein Musikzimmer
15.09.2018 Heringsdorf O‘ Man River
26.09.2018 Witten Maschinchen Buntes
27.09.2018 Unna Spatz
28.09.2018 Bünde Dolbi
29.09.2018 Lemgo Café Walkenmühle
weitere Termine auf der website

Songliste:

1. Farmer’s Daughter
2. Most Things Haven’t Worked Out Yet
3. If Tears Were Diamonds
4. Nighthawk Woman Blues #9
5. Delilah
6. Man for the Road
7. Honey for My Biscuit
8. Spoonful
9. I Bid You Goodnight, Sweet Marie

Fotos: Timezone
Produced by Fernant Zeste and Jakob Eismann
Recorded December 5, 2017 at Café de Loge, Ghent (BE)
Recorded and mixed by David Goetheyn
Mastered by Henning Strandt
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