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Nap – Ausgeklingt

Nap-Ausgeklingt

(js) Knapp 3 Jahre nach ihrem großartigen Erstling „Villa“ flutet das Oldenburger Trio „Nap“ einmal mehr die musikalischen Lande mit ihrem so betörenden Genre-Mix aus Vielem, was die musikalischen 70er – zumindest für mich – einfach nur einzigartig machte. Was man hip als „Retro“ bezeichnen könnte, dies aber tunlichst lassen sollte. Weil dies zum einen faden Beigeschmack von „ich höre eigentlich alles“ in sich birgt, aber vor allem der Band wie auch ihren musikalischen Ergüssen Unrecht tun würde. Die einerseits an Krautrock ebenso erinnern wie Elemente des Doom, Post und Surfer Rock in sich bergen.
Spielte man einst das Erstlingswerk noch komplett in Eigenregie ein, nahm das für ein Händchen für gute „Undergroundmusik“ berühmt berüchtigte Label „Noisolution“ die Jungs ein Jahr später unter ihre Fittiche und unterzog eben jenes Album noch einmal einer Frischzellenkur und veröffentlichte es komplett remastered. Es folgte zudem eine gemeinsame „Split“12“ mit den Jungs von „Black Lung“.

Ein Grund für den langen Zeitraum zwischen den Outputs war sicherlich, dass Ruphus (Gitarre, Gesang), Daniel (Bass) und Hemme (Schlagzeug) sich als Liveband sehen und mit ihrem Debut „Villa“ quasi rund um die Uhr – und die Welt, zumindest durch  Teilen davon – tourten. Und wer die Jungs mal auf der Bühne hat spielen sehen, weiß ohnehin, wie faszinierend und mitreißend ein gemeinsamer „Spacerock-Trip“ quer durch den Orbit mit diesem Power-Trio sein kann. Nein – IST!

Schon der Name des neuen Albums ist ein Indiz dafür, dass die Jungs es nicht nur musikalisch verstehen zu inspirieren, ohne dabei auf Witz, Schlag- und Leichtfertigfertigkeit verzichten zu müssen.  Umso überraschender, dass dieses Wortspiel im Titel bis dato unentdeckt blieb. Denn ausgeklingt haben die Jungs wahrlich nicht. Nicht einmal ausgeklungen. Und wer die Band mit erhobenem Zeigefinger warnte, welch Ungemach so ein zweites Album häufig mit sich bringt, dürfte maximal ein mit einem süffisanten Lächeln verquicktes „ja ne, is klar, Murat“ geerntet haben. Denn weder an einem wie auch immer gearteten eigenen Anspruch, noch an der Erwartungshaltung der Hörerschaft, können sie gescheitert sein.

Ob nun der jammig daherkommende Instrumentalopener „Astro Jelly“, der beinahe spielerisch Surfsound-Passagen mit druckvollen, mächtigen Psych-Elementen paart oder das auf leisen „Desert Rock“ Pfaden wandelnde „VoiGo“, welches mit knapp sieben Minuten gleichzeitig auch das längste Stück des Albums ist – beide Songs sind bereits ein Indiz für Abwechslung  und Stimmigkeit zugleich. Kann man anfangs insbesondere in den Gesangsparts von „VoiGo“ sogar leicht „new wavige“ Parts der Endsiebziger erkennen, baut sich zum Ende hin eine von satten Gitarrenwänden durchzogene verriffte „Doom-Wall“ auf.

„Weltraumvolker“, „ReBoot“ wie auch „Zappenduster“ tragen allesamt eine „Heavyness“ in sich, die sich mal am „Stoner“, dann wieder mal am progressiven oder auch klassischen „Hard Rock“entspannt anlehnt.  Hier wird kein Element eingesetzt, was sich nicht wohlfühlt, scheint mir die Devise der Jungs. Und herrje, es passt. Pulsierende Drums, treibendes Bassspiel und ein tonnenschweres Riffing laden sogar immer wieder Ruphus‘ teils nebulöse Sangesparts ein, auf ein Bier – oder auch zwei – zu bleiben und sich wohlzufühlen. Hier wird einfach zusammengesetzt, was zusammengehört.

 In „Amygdala“ werden noch einmal fantastische space-rockige Runden gedreht, ohne dabei aber die Piste der rhythmischen Konsequenz zu verlassen. Gar spielerisch startet man die Motoren für eine neuerliche Reise durch den „Klang-Tsunami“. Ich spüre dabei immer wieder, wie sich nicht nur mein Kopf, sondern auch sämtliche meiner Extremitäten zu bewegen beginnen. Das finale „Treibsand“ treibt noch einmal sehr psychedelische Blüten und überzeugt durch eine legere Jam-Stimmung, bei der ich mich ob des plötzlichen Endes nur frage, wann genau der letzte Ton dieses Werkes erfolgte und wie schnell überhaupt knapp 42 Minuten vergehen können. Tja, und so stecke ich schlussendlich hier in den Galaxien, in die „Nap“ mich beförderten, alleine fest. Also:  „Ich bin ein Rezensent, holt mich hier raus!“

Ob die weitestgehend deutschen Texte, zumindest soweit ich diese verstand, auf „Ausgeklingt“ eine Hommage an und zugleich eine Verbundenheit zum Krautrock, ihrer musikalischen Heimat, darstellen? Wer weiß es schon? Letztlich aber auch egal. Festzuhalten bleibt zweifelsohne, dass diese perfekt eingespielte Rhythmus-Sektion es einmal mehr schafft, ihre Oktaven, die bis tief in die Vor-Hölle vordringen und immer wieder mal kurz aus der Ur-Suppe hervor blitzen, ihre betörenden Melodien zusammenzutragen und zu einer solch gewaltigen Dynamik verschmelzen zu lassen.

Bei diesem Album sehe ich tatsächlich nur ein wesentliches Dilemma: all die Songs auf „Ausgeklingt“ halten die Messlatte ausgesprochen hoch und jeder Song für sich kann mich vollends überzeugen. So ist es echt eine Qual der Wahl. Ein großartiger Song jagt den nächsten, so dass getrost festgehalten werden kann, dass „Nap“ ihre Mauser nunmehr hinter sich gebracht haben, um nun herrschaftlich über der „Krautrock-Szene“ ihre Kreise zu ziehen.“  (Jens S.)

Tracklist:

01 AstroJelly (03:56)
02 VoiGo (07:12)
03 Weltraumvolker (05:59)
04 Ausgeklingt (06:51)
05 ReBoot (05:03)
06 Zappenduster (04:53)
07 Amygdala (04:53)
08 Treibsand (05:22)

Hören & Sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=LBGt4b-auS0
https://www.facebook.com/napband/
https://napofficial.bandcamp.com/

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