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Michael van Merwyk – The Bear

„American Music – Euro Style“ aus Rheda-Wiedenbrück

(ro) Michael van Merwyk ist ein Trumm von einem Kerl mit graumeliertem Bart, eckiger Brille und schwarzem Barrett. Auf dem Cover seines neuen Albums „The Bear“ sitzt der zwei Meter Hüne in einer diffus beleuchteten Bar entspannt und lässig unter einem Ventilator, ein verschmitztes Lächeln im Gesicht. Die Gitarre im Anschlag, scheint er zeigen zu wollen, dass es ihm um nichts anderes als die Musik geht – und darum, sie zu den Leuten zu bringen.

Schon längst hat sich Herr van Merwyk, einer der produktivsten und vielseitigsten Blues-Musiker Deutschlands, in der europäischen Musikszene einen guten Namen gemacht und unzählige Konzerte und Sessions in ganz Europa gespielt.
So ganz nebenbei heimste er auch einige Preise ein, z.B. belegte er 2011 mit „Bluesoul“ den Siegerplatz bei der „German Blues Challenge“ und war im Jahre 2013 als erster europäischer Act bei der „International Blues Challenge“ im Memphis dabei, wo er Vize-Weltmeister wurde.
Aber das ist noch nicht alles.
Im Jahre 2016 wurde er bei den „German Blues Awards“ zum besten Blues-Sänger und besten Blues-Gitarristen Deutschlands ernannt.
Wenn das mal nichts ist!

„Meine Schule waren Kneipen, Clubs und Partys,“ erzählt der Lapsteel-Spieler, Singer und Songwriter, „seit fast 35 Jahren singe ich Songs und erzähle Geschichten. Meistens spiele ich eigene Kompositionen, aber auch die von anderen Musikern in ganz eigenen Versionen. Ein guter Song ist ein guter Song, egal ob es ein Original, ein alter Blues-oder Folksong oder „Bankrobber“ von „The Clash“ ist.“
Recht hat er. Keine Frage.

Auf seinem im „Watt Matters Studio“ in Bielefeld live eingespielten Album mit elf Tracks geht es zutiefst glaubwürdig, authentisch und erdig zu.
Egal, ob er ganz allein mit seiner geliebten Dobro spielt oder zusammen mit seinen famosen Begleitmusikern Micha Maas am Schlagzeug, Christian Dozzeler an Piano und Mundharmonika, sowie Tobi Fleischer am Bass, immer bewegt sich Herr van Merwyk auf ganz wunderbare Weise im weiten Feld von klassischem Blues, Americana, einem Schuss Folk und einer Prise Country.
Feinnervig, aber auch rauhbeinig und intensiv zugleich kommen die Songs daher und feiern sowohl voller Nachdenklichkeit als auch Begeisterung das Leben.
Alles wirkt authentisch und greifbar nah wie eine Session, aber trotzdem merkt man der Ausgewogenheit eines jeden Titels an, wie viel Detailarbeit in die einzelnen Tracks geflossen ist.
„American Music – Euro Style“, so nennt Michael van Merwyk selbst seine Musik.


Gerne lotet Herr van Merwyk die Schattenseiten des amerikanischen Traums aus.
Erzählt reduzierte Geschichten von Verlierern und Strauchlern. Vom Abkommen vom rechten Wege oder der Suche nach irgendetwas, von dem man nicht weiß, was es ist.
Lakonisch, ohne falsche Larmoyanz, groovend und mit wunderbaren, rauen, funkigen, scharfen Slide- und Lap-Steel-Gitarren.
Dazu lockt die blaugrau brummelnde Stimme, soulig, dunkel, manchmal knarzig und immer stark genug, um dich in die Tiefe zu ziehen, wenn du dich zu nahe heranwagst.

Sogar bei einem Romantik-affinen Track wie „Sometimes Angels Come In Red“ will keine süße Ruhe aufkommen, sondern eher eine nagende kleine Beunruhigung.
Und nein, das klingt keineswegs depressiv, es klingt ungemein lebendig, ungeheuer intensiv und haut einen fast aus den Socken.

Temperamentvoll, innig und mit emotionaler Tiefe kommt das wunderbare Cover von „Dark & Stormy Night“ daher.
Wer kann sich bei dieser bewegenden Hommage an den unvergessenen Slideplayer Tampa Red (R.I.P.), der auch „Guitar-Wizard“ genannt wurde, nicht tief in der Seele berührt fühlen?
Noch zwei weiter Coverversionen gibt es zu hören, einmal „Blues Stop Knockin“, bekannt durch die Blueslegende Lazy Lester (R.I.P.), dem phänomenalen Mundharmonikaspieler aus Torras, Louisiana und dann noch „We’re Human“, die subtile, Gänsehaut erzeugende und das Herz bewegende Ballade des unvergessenen blinden Jay Owens (R.I.P.).

Was sagte Larry Garner, Bluesman aus Baton Rouge/Louisiana über Michael van Merwyk??
„Your songwriting and your playing is really something special. The world needs more bluesmen like you.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.
..(..Rosie..)..

Songliste:
1: Shotgun Boogie
2: Blues Stop Knocking
3: Angels Come In Red Nobody But You
4: The Bear (Acoustic)
5: We’re Human
6: It’s Fun Being Crazy
7: Deep Blue Sea
8: Bad Blues
9: Fool Yourself
10: Dark & Stormy Night
11: The Bear

website Michael van Merwyk
www.timezone-records.com
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Filed under: Album Reviews, Blues, Bluesrock, Singer/Songwriter, , , , , , , , , , , , , , ,

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