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Larman Clamor – Alligator Heart

Cover Larman Clamor - Alligator HeartEin Mann in der Heide mit Buntstiften und Lust auf Lärm mit Krach

(le) In der Lüneburger Heide sei er aufgewachsen, mit den Füßen im Wald und den Händen an Papier und Buntstiften. So spricht Alexander von Wieding aka Larman Clamor im Gespräch mit Heinz W. Arndt. Und richtig, der Mann hat mindestens zwei herausragende Talente: Eines als freier Illustrator und Designer, das andere als der (eine) Kopf von Larman Clamor. Naturgemäß werden wir uns im rockblogbluesspot auf das zweite Talent konzentrieren. Ungeachtet dessen sei darauf hingewiesen, daß auf zeichentier.com (s. Linkliste am Ende) sein Können auf zeichnerischem Gebiet zu bewundern ist. (Nicht wenige Bands schmücken ihre Cover mit Werken von Mister Wieding).

Larman Clamor

Aber zurück zu Alexander von Wiedings musikalischer Seite und damit zu Larman Clamor. Zu Beginn war dies eine 2 Mann Formation, die streng darauf achtete, daß die Anonymität der Musiker gewahrt blieb. So hießen die Protagonisten R (Orgel, Schlagzeug) und V (von Wieding) und erst einige Zeit später, nachdem Alexander von Wieding Larman Clamor allein verkörperte und stärker seiner zeichnerische Talente mit in das musikalische Projekt einbezog, wurde die Anonymät aufgegeben. Dessen ungeachtet: Viel Gewese um seine Person macht A.v.W. auch heute nicht und läßt lieber seine Musik sprechen. Stilistisch ist Larman Clamor (Ü.: Krach Geschrei) schwer einzuordnen. Vielleicht trifft es experimenteller Psychodelic Rock Swamp Blues, vielleicht besser die folgende Zeile aus dem Release-Text: „For fans of: R.L. Burnside, Mississippi Fred McDowell, TomWaits, Left Lane Cruiser, Robert Johnson, Led Zeppelin, The Might Could, ZZ Top“. Das ist eine ordentliche Spannbreite und wir werden noch sehen, daß sie zum Fliegen sehr gut taugt. Zwei Dinge müssen noch angemerkt werden: Ein-Mann-eine-Band hat natürlich zur Folge, daß die Musik im Studio entsteht und es momentan keine Liveauftritte von Larman Clamor gibt. Das andere Ding ist die Discographie, die hier nicht fehlen darf: Larmon Clamor (Mai 2011), The Lonely Pendulum (1 Track EP, Juni 2011), Altars To Turn Blood (November 2011), Frogs (Advance Single, Februar 2012), Frogs (Oktober 2012), Gorgon’s Gold (EP Dezember 2012), Alligator Heart (September 2013).

Alligator Heart

Die neue Larman Clamor also, veröffentlicht bei Small Stone Records: Von Musik, über Lyrics, Design bis Artwork alles von Herrn von Wieding angefertigt und zubereitet. Musikalisch bedient er Vocals, Gitarren, Drums, Banjo, Orgel, Percussion, Bass, Stompbox und Chants. „Swampbound Tales Of Peat Bitch Witches Grim Realms Holy Herbs Schizo Rituals And the Healing Hope Of A Little Boy’s Almighty Spirit“ so steht es im wunderbar gestalteten Booklet geschrieben. Es geht also düster zu, ziemlich phantasymäßig… aber ersteinmal zu den kalten Fakten: 38,5 Minuten lang wird in 12 Stücken (¾ davon haben Lyrics) musiziert. Auf der bandeigenen Youtubeseite kann man drei der Songs vor-hören:

in dieser Rezension kommt die Trackinglist:

1 ALLIGATOR HEART 4:24

2 BANSHEE W’ME 1:25

3 PERDITION AT DAWN 3:11

4 DONE NO GOOD 3:20

5 VINES OF YGGDRASIL 3:25

6 BEEN COOKIN‘ 3:08

7 SAMBUCUS NIGRA 2:12

8 SHE SENT HER HOUNDS 4.59

9 I’M BUILDIN‘ RUINS 3:07

10 CROW ON A WAGON WHEEL 1:49

11 AETHER BOUND I: SCORCHED EARTH 3:51

12 AETHER BOUND II: DUST & GHOST 3:33

Das Cover ist hinreißend (ich kann es nicht anders schreiben) gestaltet: Ein Krododil, Verzeihung, ein Alligator kommt frontal auf den Betrachter zugeschwommen. Als Passagier auf dem schuppigen Rücken sitzt ein Junge, in der rechten Hand einen Ast mit einem Glöckchen daran haltend, am Horizont eine vangoghsche Sonne (unter- oder aufgehend, wer weiß das schon?). Gespannt geht es zum ersten, titelgebenen Song, „Alligator Heart“:

Eine akustische Gitarrre, ein Lick wird angespielt, bedrohliches Dröhnen, später im Hintergrund eine Stimme „My soul lay low in the center of it all , carry on, she said, and she gave me an alligator heart..“ , der Lick wird reichlich variiert, die Spannung mit wenigen Mittel gesteigert. Blues, Afrika oder doch der blanke Sumpf? „On the ground, fever attainted, shot a three-legged owl“ es wird rockiger in „Banshee W’me“, es wird Waits, chaotisch, wütend… plötzlich: aus. Rockig geht’s weiter mit „Perdition At Dawn“, dröhnende Gitarren, rauher Gesang, ein Banjo mischt mit, mir wird irgendwie psychedelisch, ein Gefühl, das sich in „Done No Good“ fortsetzt. Ich genieße die Reben von Yggdrasil und kenne mich nicht mehr aus, Jefferson Airplane, Grateful Dead oder doch Larman Clamor? „Been Cookin’“: In „Done No Good“ noch zart angedeutet, gibt nun die Slide Gitarre den Ton an. Schleppend erst, dann vom Gesang in einen fulminanten Groove getrieben. Mein Favorit bis dahin folgt: „Sambucus Nigra“. Ein kleine Melodie, nicht mehr als ein Lick eigentlich, wird auf der Slidegitarre variiert, mal leise, mal rotzig, laut und verzehrt, im Hintergrund die Orgel, einfach wunderbar (und von mir aus auch gern ein paar Minuten länger). Dann rockt es zweimal ganz beträchtlich mit „She sent her hounds“ und dem stonigen „I’m buildin’ ruins“ (schöner Titel!) ehe ein einsames Banjo in den Ohren hallt. „Crow On A Wagon Wheel“ läßt einen kurz verschnaufen, ein wenig träumen. Tut gut, denn noch zweimal wird es abgründig, düster und laut: Mit Aether Bound I und II endet die Reise: Dust & Ghost.

Mit „Alligator Heart“ präsentiert uns Larman Clamor eine beeindruckende CD. Wie gewohnt minimalistisch, laut, heiser und nie die sprichwörtliche Schublade bedienend, bietet Larman Clamor mit der neuen Veröffentlichung sowohl dem klassisches Bluesliebhaber als auch dem Rockblueser manch leckeres Häppchen. Von Wieding bedient sich aus der großen Schatzkiste der Rock- und Bluesgeschichte, ohne im Geringsten zu kopieren. „Alligator Heart“ ist nuancenreich, spannend und weckt viele Assoziation, um so mehr, je öfter man die CD auflegt. Freilich hätte sich die Rezensentin noch ein oder zwei Breaks wie „Sambucus Nigra“ mehr gewünscht, aber diese Bemerkung ist allein den persönlichen Vorlieben dieser Person geschuldet. Ohne Zweifel betreibt Alexander von Wieding sein eigenes Ding und er betreibt es mit sehr viel Talent, Kreativität und Integrität. Eben doch ein Blueser. (lena)

Larman Clamor auf rockblogbluesspot:

Interview Heinz W. Arndt mit Alexander von Wieding

Volkers Rezension von Frog

Alexander von Wieding im Netz:

Zeichentier

Bandseite

Larman Clamor auf Youtube

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