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Victor Wainwright And The Train

Blues, Boogie-Woogie, Roots Rock and Soul aus Georgia

(ro) Victor Wainwright ist ein Mann vieler Talente. Er ist Komponist, Produzent, Sänger, Pianist und, ja, auch ein preisgekrönter Entertainer. Er kann Gewinne bei den „Blues Music Awards“ und den „Blues Blast Awards“ präsentieren, gewann 2013 und 2014 den „Pinetop Perkins Piano Player of the Year“ und legt ein Repertoire vor, das es immer wieder in die „Billboard Top Ten“ schaffte.

Doch statt sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen oder in Erinnerungen zu schwelgen, möchte Herr Wainwright seine Hörer mit seinem neuen Album, das ganz einfach betitelt ist „Victor Wainwright And The Train“, lieber mit auf die nächste aufregende Reise nehmen.
Und es lohnt sich auf jeden Fall, in diesen „Zug“ einzusteigen!
Ganz klar.

Denn hier beweist der in den Südstaaten geborene, 37 jährige US-Musiker, zusammen mit seinen unwiderstehlich groovenden Mitstreitern Billy Dean (drums, percussion, vocals), Terrence Grayson (bass, vocals) und Pat Harrington (guitar, vocals), sowie seinen hervorragenden „Special Guests“, wieder einmal mehr, warum er ganz vorn mitspielt.
Mit scheinbar nie nachlassenden Dynamik stellt Herr Wainwright in einem musikalischen Cocktail vor allem seine Vielseitigkeit unter Beweis und führt in bewundernswerter Vollendung vor, wie viele Spielarten dieser „einfachen“ Musik es doch gibt.
Das alles wird serviert mit einer unnachahmlichen Stimme und mit Texten, die sowohl urkomisch, als auch tiefgründig sein können.

Jeder einzelne Song dieser handgemachten Qualitätsmusik ist gelungen, steht für sich allein und trotzdem zeigt sich das gesamte Album wie aus einem Guß.
Es gibt Songs, die so richtig „abgehen“, wirbeln und nach vorne preschen, wie z.B. das mitreißende „The Train“, oder andere, die gefühlvoll und ein wenig afroamerikanisch gospelig sind, wie z.B. das acht Minuten lange „That`s Love To Me“.
Und schon bei den ersten Tönen von „Thank You Lucille“ (R.I.P. B.B. King) kann sich der Hörer oder die Hörerin vorstellen, wie es ist, energiegeladen und in bester Stimmung irgendwo auf den Blues-Alleen zwischen Washington und New Orleans, zwischen Charleston und dem Mississippi unterwegs zu sein, mit der Gitarre auf dem Rücken und einem Zahnstocher im Mundwinkel. Dazu natürlich eine Sonnenbrille, wie sie sonst nur Sam Lightnin`Hopkins oder Hank Williams so cool tragen können.
Großartig auch, wie Victor Wainwright in alter Boogie-Woogie-Tradition bei „Healing“ und dem balladesken „Boogie Depression“ mit seinem gefühlvollen Piano-Spiel weitere individuelle Spielarten des Blues darbietet, die den Zuhörer, bzw. die Zuhörerin in ihren Bann ziehen.
Wunderbar!

Wie erklärt es Victor Wainwright selbst?
„Ich habe versucht Songs zu schreiben, die uns daran erinnern, uns selbst zu lieben. Es ist nicht wichtig, wen du gewählt hast, welcher Religion du angehörst oder wen du liebst…“

Es ist schwer zu sagen, was mich am meisten begeistert: die großartige musikalische Könnerschaft oder das völlige Fehlen von Getue, Firlefanz und Protz.
Alle zwölf Songs kommen genau auf den Punkt.
Sie sind sehr abwechslungsreich, aber stets zusammengehalten von diesen exzellenten und dennoch unaufdringlichen Musikern.
Was mir bei den Aufnahmen auffällt und was ich auch besonders hervorheben möchte, ist, dass das Ganze beileibe keine „Wainwright Ein-Mann-Show“ mit Begleitung ist, nein, die gesamte Band und das kompakte Bandgefüge – das ist der Weg, das Ziel und die Erfüllung.

Wie schrieb es schon der „Chicago Blues Guide“: „Savannah, GA native Victor Wainwright is all about boogie woogie piano, deep soul, and a voice that recalls Dr. John at his best. He is a blues star, a tremendous player.”

Zum Schluß muss auch noch das Cover gelobt werden. Inspiriert von einem Foto einer historischen Eisenbahn hat es Gary Dorsey angefertigt.
Und es ist für mich wirklich ein Volltreffer: Erst auf den zweiten Blick  sieht man die verschiedensten Instrumente, Gitarren, Trommeln, Keys, Mikrofon etc.,  die sozusagen auf diesen Zug „aufgesprungen“ sind und ihn dadurch erst darstellen – also, das finde ich wirklich sehr gelungen.
(…Rosie…)

*

Songliste:

1. Healing
2. Wiltshire Grave
3. Train
4. Dull Your Shine
5. Money
6. Thank You Lucille
7. Boogie Depression
8. Everything I Need
9. Righteous
10. I’ll Start Tomorrow
11. Sunshine
12. That’s Love To Me

Wer spielt mit?

Victor Wainwright: vocals, piano, B3, electric piano, mellotron (1), lapsteel (4), belly tambourine (10)
Billy Dean: drums, percussion, vocals (2, 5, 12), baseball bat (2), knife (2), bicycle bell (2)
Terrence Grayson: bass, vocals (2, 5, 12)
Pat Harrington: guitar, vocals (2, 5, 12)

Spezielle Gäste sind:

Mark Earley: bari & tenor sax (1, 3, 4, 5, 6, 7, 10, 11), flute (11)
Doug Woolverton: trumpet (1, 2, 3, 4, 6, 7, 10, 11)
Reba Russell: vocals (1, 2, 3, 6, 7, 8, 9, 10)
Nick Black: vocals (1, 6, 7, 8, 10, 12)
Dave Gross: ambient guitar (2), baritone guitar (9), tambourine (8, 9, 10), percussion (2), thump (6)
Greg Gumpel: lead guitar (4), wah guitar (5), vocals (5)
Josh Roberts: lead guitar (9), rhythm guitar (7)
Monster Mike Welch: lead guitar (6)
Patricia Ann Dees: vocals (6)
Jeff Jensen: acoustic guitar (12)

Fotos: Victor Wainwright website/media
Produziert von Victor Wainwright und Dave Gross

http://victorwainwright.com
www.rufrecords.de

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