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John Fahey: Your Past Comes Back To Haunt You – The Fonotone Years

(lena) Gestern kam das Paket an,
55X36X11cm groß. Darin ein Schuber, packpapier-braun, lang und breit wie eine LP, mit dem Konterfei von John Fahey darauf. Im Schuber ein Booklet, 90 Seiten stark, sowie eine Kladde, die innen ebenfalls mit vielen Fotos bedruckt ist und die die fünf CDs enthält (über 5½ Stunden Musik insgesamt). Die CDs mit Faheys frühen Aufnahmen auf dem Fonotone-Label, 1958 bis 1965. Die meisten Stücke das erste Mal digitalisiert und somit auf CD zu hören. Und nun sitze ich am Laptop schreibe diesen kurzen Text, lausche und lausche und denke mir: diese Aufnahmen sind jeden Cent der knapp siebzig Euro wert, die diese nicht billige Edition vom DUST-TO-DIGITAL PARLORTONE Verlag kostet. (Man kann sie inzwischen über Amazon bestellen).
Aber was hat John Fahey mit Blues zu tun? Eine ganze Menge! Der 1939 in Takoma Park, Maryland geborene Gitarrist machte seine ersten Aufnahmen in den 1950er Jahren bei dem genannten Fonotone-Label. Er hatte mit Country Music und klassischer Gitarre begonnen, beschäftigte sich dann immer mehr mit Country Blues, aber auch mit vielen anderen Stilen. Er entwickelte seine eigene Art des Fingerstyles, erfand den AMERICAN PRIMITIVE GUITAR Stil (Daumen, Zeige- und Mittelfinger spielen verschiedene Melodie und Basslinien, die Arrangements verlangen zwar ein gewisses gitarristisches Können, aber nichts Unmögliches und lassen Raum für eigene Interpretation). Er entriß Booker T. Washington (Bukka White) dem allgemeinen Vergessen, schrieb eine ausführliche und in Fachkreisen hochgelobte Arbeit über Charley Patton. Für die Gesamtausgabe des Werkes von Charley Patton bekam er posthum (er verstarb 2001 nach einer Herzoperation) drei Grammys. Er war wegweisend für viele viele Gitarristen (der allerberühmteste unter ihnen zweifellos Leo Kottke), aber das lese man alles auf Wikipedia nach.
Warum bin ich ein Fan? Seit vielen Jahren spiele ich akustische Bluesgitarre, und jahrelang suchte ich ein Konzept, wie ich, ein älteres Mädchen aus Deutschland, authentisch und ehrlich meinen Blues spielen könnte. Viel Widersprüchliches: die Sprache, die Lebensumstände, die erlernte Kultur … für mich (muß nicht für andere gelten) war das immer ein ziemliches Problem. Da ich mich nie um die Gruppe der Fingerstyler gekümmert hatte (waren mir zu fad, zu abstrakt) ist mir John Fahey jahrelang durch die Lappen gegangen, ich habe ihn vollkommen übersehen. Bis ein Youtube Freund aus Schottland mich auf ihn aufmerksam machte. Das war vor etwa drei Jahren, seitdem ist es um mich geschehen. Ich habe meinen Guru gefunden. Eine immerwährende Inspirationsquelle … und wunderbare Musik.
Das Besondere an diesen frühen Aufnahmen: sie sind ganz und gar ungeschliffen, sozusagen die Urfassungen seiner späteren Veröffentlichungen auf seinem eigenen Label „Takoma Records“, und nicht selten singt er zu seiner Musik, was er später nicht mehr tat. Dieser Charme des Beginnens einer Karriere ist es, der mich so begeistert … und ich bin begeistert! (lena)
Zum Schluß meine Empfehlungen zum Kennenlernen:
Eine Youtube Playlist, vorneweg mein Lieblingsvideo
Die wichtigste John Fahey Seite (mit vielen Gratis-Tabulaturen)
„Transfiguration of Blind Joe Death”, meine Lieblings John Fahey CD
Blog eines guten Freundes, Gitarristen und John Fahey Enthusiasten aus Kanada

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