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Blues Tones – Blues Tools

(ro) Es begann an einem dieser Abende, an einem Ort, der gemeinhin als die längste Theke Deutschlands bezeichnet wird, dies sei vorab gesagt. Die Dämmerung brach herein, kaputte Plastikbecher knirschten unter den Schuhen, ringsum schoben Massen von bierseligen Menschen in diese oder jene Richtung, ja, das Laufen wurde anstrengend.  Da half es auch nicht mehr, sich aufzuregen, da musste man durch und fertig.  Also dann mal kurz rein in den rechterhand erspähten Live-Musicclub,  auf einen bequemen Stuhl und ein paar nette kleine Liedchen gehofft. Das kam nicht.  Stattdessen eine atmosphärische Offenbarung, ein Kleinod an Musik, und das war erst der Anfang.  Denn das mir jetzt vorliegende Album „Вlues Tools“ der „Blues Tones“ beinhaltet noch sehr viele dieser Perlen, wie sich schon beim ersten Hören herausstellt. Gar keine Frage:  Die „Blues Tones“, bestehend aus Christine Iyoha – voc, Guiseppe Giaquinto – guit und Nobert Lohan – harp, beherrschen unbestreitbar das für den Blues typische Spiel mit Zitat und Variation perfekt.

Die erste Entdeckung aber war tatsächlich „Come On In my Kitchen“ ( im Original von Robert Johnson), das kaum hätte besser passen können – zum Wetter, zur Temperatur, zur Stimmung, sogar zum feinen Nieselregen. Sehr reduziert und bedacht vorgetragen, mit dem fast magisch wirkenden Gesang von Christine Iyoha, die sinnigerweise erkennt: „You better come on – Into my kitchen, – Cause it’s going to be raining outdoors.“  Eben dieser Song findet sich auch auf oben genanntem Album und ist in seiner melancholischen, zeitlosen Schönheit und seiner tieftraurigen Dunkelheit schlicht und ergreifend eben genau das:  schlicht und ergreifend zugleich.

„Blues Tools“  ist ein Album, bei dem die Regler zurückgeschraubt, bzw. nicht vorhanden sind.  Aber das ist beileibe kein Schritt nach hinten.  Hier werden zeitresistente Stücke von z.B. Robert Johnson oder Rev. Gary Davis interpretiert, sowie einer Reihe anderer verehrter Songschreiber.  Hier sind Lieder über die Dornen oder Blüten des Lebens in fünfzehn Songs verpackt, die so stark sind, dass sie nicht mehr als eine Stimme, eine akustische Gitarre und eine Harmonica brauchen.  Was die „Blues Tones“ hier aus dem teils schwerblütigen, teils leicht in Richtung gehenden „Happy-Go-Lucky“  Material machen,  ist astreiner Blues,  einfach und doch oft auch traurig.  Schon der Opener,  das wunderbare “I know You Rider“, ein Traditional, welches mir in der Interpretation von Cass Elliott noch in bester Erinnerung ist,  zeigt einen Song,  der mit niedrigem Tempo schleppend voran schleicht und sich peu a peu bis in die letzten Gehirnwindungen schraubt.  „This Way…“ empfiehlt die Stimme.  Anschliessend wird das Gitarrenmuster langsam zersägt,  im Hintergrund flüstert eine Harmonica.  Das ist eine durch und durch gehende und wohlige Gänsehaut erzeugende Musik, das sind Songs, die sich langsam öffnen und ihre Wirkungsweise nach und nach preisgeben:  denn was hier in der Tiefe los ist, erschliesst sich umso mehr bei genauem, wiederholten Hören.

Oh ja, man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wie tief, wie anrührend dieses Album geworden ist.  Sei es das innig und intensiv vorgetragene „Soulshine“ (von Warren Haynes) oder der Schlusstrack,  das herzzerreißende, großartige „Grand South“, eine Hommage von Norbert Lohan an Junior Thomas aus Alabama, das mich dazu veranlasst, die Anlage immer lauter zu drehen, um nicht eine einzige Feinheit zu verpassen.  „Blues Tools“ ist eine durchweg fantastische Platte,  die nicht nur in den kommenden Monaten viele Herzen trösten könnte.

Klar, die „Blues Tones“ sitzen nicht am Mississippi, sondern sie wandeln zwischen hohen Bürogebäuden im Düsseldorfer „Central Business District“.  Sie schuften nicht auf Baumwollfeldern und hängen nicht im Strafgefangenenzug, und doch sind die Texte von Verrat, Resignation, unerwiderter Liebe, Arbeitslosigkeit, Einsamkeit und Untreue für jeden jederzeit nachvollziehbar.  Egal wo und egal wann.  Ja, ich denke, der Blues passt sehr wohl in die heutige, hektische Welt, auch in die der Schönen und Erfolgreichen, egal ob im feinen Düsseldorf Oberkassel oder am Prenzlauer Berg.   (…..von Rosie )

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