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AquaMaria Festival / 10.08.-11.08.2018, Plattenburg/Prignitz

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(hjs) „Discover the unknown…“ und so war ich wieder mittendrin in einer traumhaften Umgebung, einer der ältesten erhaltenen Wasserburgen Deutschlands, der Plattenburg. Unterhalten von  tollen Bands, die mit großer Spielfreude und einer professionellen Einstellung auftrumpften. Rund 500 Fans fanden den Weg zur Burg und hatten Spaß an dem, wieder mit viel Sorgfalt zusammengestellten, Billing sowie den  köstlichen, bezahlbaren Speisen und einem selbstgebrauten Gerstensaft, der vollmundig seinen Weg über die Kehle in den Magen fand. Neu war dieses Jahr der Falafel Stand, der vielfältige vegane und vegetarische Speisen anbot. Für mich, der sich sonst in härteren Gefilden herumtreibt, war das Billing zu großen Teilen eine „Wundertüte“. Allerdings hatte mich die Qualität des Dargebotenen wieder überzeugt. Musikalisch bewegt man sich hier auf der Stoner-, Psych-, Bluesrock Schiene ohne auch auf experimentelle Einschläge zu verzichten.

Das Festival findet in einer der ältesten erhaltenen Wasserburgen statt. Klar, es gibt keinen Autobahnanschluss, man fährt über Land, wird dann aber in allen Dingen entschädigt. Für die Bahnreisenden gibt es einen Shuttleservice. Darüber kann man sich auf der WebSite oder beim Veranstalter informieren.

Campingground und Festivalgelände sind aus geografischen Gründen etwas getrennt voneinander. Der Weg ist aber auf jeden Fall kein Hindernis dort sein Zelt aufzuschlagen oder es sich im Auto bequem zu machen. Mit einem Wegbier in der Hand läuft es sich sogar noch etwas leichter.

Eine weitere, grundlegende Neuerung ist die neue Gestaltung des Geländes. Die Bühne ist auf die gegenüberliegende Seite gewechselt. Damit hat man die Möglichkeit geschaffen mehr Leute vor die Bühne zu bekommen. Der Genußbereich ist damit auch attraktiver geworden. Weitläufig mit vielen Sitzgelegenheiten. Der Merchandise Bereich hat auch eine exponierte Lage bekommen. Alles in allem findet man hier ein sehr stimmiges Konzept vor. Für das notwendige „Wegbringen“ der verzehrten Köstlichkeiten gibt es außerdem Spültoiletten im Innenbereich sowie Dixieklos im Außen- und Campingbereich.

Für die musikalische Unterhaltung sorgten in dieser Reihenfolge:

Freitag, 10.08.2018:
20.30 Hypnos
22.00 Hällas
23.30 Electric Moon
After Hour: Uzu Maki

Samstag, 11.08.2018:
In der Kapelle:
13.00 Klaus Büchner & Christof Stein-Schneider
14.30 Conny Ochs

16.00 Kalamata
17.15 Johnny Rockskin
18.30 sunnata
19.45 Beehoover
21.00 Weedpecker
22.30 WolveSpirit
00.00 Mother’s Cake
After Hour: Rob Monsta

Tag 1:

Freitag Abend eröffneten Hypnos aus Schweden die Bühne. Zwei Gitarren sorgten für eine fette Heavy Rock Bedienung. Das Stage Acting war großartig, die Jungs hatten Spaß an der Sache. Sänger Linus Johansson erinnerte in seinen Bewegungen entfernt an Robert Plant und konnte auch stimmlich überzeugen. Da sich scheinbar bei Abba, genreübergreifend, alle einig sind, gab es als Zugabe noch „Gimme! Gimme! Gimme!“.

 

Danach übernahmen Hällas das Ruder. Auf Vinyl konnten sie mich überzeugen, einmal sah ich sie schon live, auch das war sehr gut. Somit standen die Signale auf grün für eine amtliche Adventure Rock Show. Vor dem Start musste sich de Band noch in Akrobatik üben, beim Aufhängen das Backdrops. Dann folgte ein Ausflug in die Phantasiewelt ihrer Alben. „The Astral Seer“ ist schon jetzt ein Klassiker und „Star Rider“ ist live ein Abräumer. Auch die Jungs Hypnos waren vor der Bühne zu sehen und feierten ihre Landsmänner ab. Für mich waren sie musikalisch das Highlight des Festivals.

Nix mit riff-orientierter Mucke. Gitarrensaiten verweben sich mit Basssaiten, umschlingen das Schlagzeug und bilden einen undurchdringlichen Soundteppich. Electric Moon war auf der Bühne, schalteten den Trance Modus ein und zeigten dass sie nicht den Anspruch auf Ruhepausen in den Songs haben. Immer treibend, etwas ausufernd, natürlich auch spacig brachten sie den gut gefüllten Platz vor der Bühne zum Tanzen, Mitwippen und Bewegen.

Wer dann noch Lust hatte, ging in die Kapelle zur After Show Party.

Tag 2:

Der zweite Tag begann mit einer Lesung mit Klaus Büchner & Christof Stein-Schneider. Für mich ein freier Slot um einige Dinge zu erledigen. Bei Conny Ochs schaute ich dann kurz vorbei. Obwohl oder auch gerade weil der Auftrittsort die Kapelle war wurden auch u.a. Dämonen besungen. Das war ein gelungener Einstieg in den zweiten Tag.

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Erste Band auf der Bühne waren Kalamata aus Hildesheim. Auch eine Band die sich der vocal-losen Musik verschrieben hat und das Konzept, als Trio, gut umsetzte. Es zahlt sich aus, wenn als Opener eine gute Band präsentiert wird. Das zieht die Leute aufs Gelände. Die Band hatte Spaß und so baute Schlagwerker Olly Opitz sogar einen kleinen Ausflug an den Bühnenrand ein um liebevoll das mitgenommene Becken mit Percussionsschlägeln zu bearbeiten.

 

Johnny Rockskin nehmen Dich mit auf die Highways durch die Wüste. Stillstehen ist jetzt nicht angesagt. Klar, ein bisschen vintage ist dabei, aber das passt hier wie die Faust aufs Auge. Eine Symbiose aus Blues-, Stoner- und Hard Rock lässt keinen Fuß auf dem Platz stehen. Sie gefallen mir sehr gut, spielen authentisch und präsentieren ein gutes Stage Acting. Die werde ich mir mal für ein Clubkonzert vormerken.

 

 

Die Polen sunnata fielen erst einmal durch ein etwas ungewöhliches Beinkleid von Gitarrist und Sänger Szymon Ewertowski auf. Musikalisch bestimmen sie sich als „Ritual heavy music and eternal tripping“ Kombo. Drei Longplayer haben sie bereits auf dem Konto und somit genug Material um den Slot spannend zu gestalten. Wahrscheinlich hätte ein späterer Zeitpunkt des Auftritts die Performance noch verbessert, allerdings zeigten sich die anwesenden Zuschauer auch so sehr begeistert. Die Band hat ihre Tonträger ohne Label realisiert. Somit auch für Sammler sehr interessant.

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Bei Beehoover habe ich mir eine Nahrungsaufnahmepause gegönnt, hörte aber das sie sehr wohl zündeten.

So stieg ich bei Weedpecker, auch in Polen beheimatet, wieder ein. Auf die war ich richtig gespannt, durfte ich doch ihr letztes Album „III“ rezensieren (Rezension). Also ich muss sagen dass sie mir live besser gefielen als auf CD. Feine Gitarrenarbeit, druckvolle Rythmusabteilung, so muss das sein. Wieder eine Perle, die entdecken durfte. Das sie beliebt sind, merkte man auch am Merchstand. Der war weitestgehend abgegrast.

 

WolveSpirit brachten den Vibe der 70er direkt in die Plattenburg. Nicht nur ihre Plattencover zeigten dieses eindrucksvoll, auch Zusammensetzung der Band passt direkt. Gitarrenorientiert mit unterlegtem Keyboard und über alles die Stimme von Sängerin Debby Craft gibt ein starkes Stück musikalischer Darbietung.

 

Eigentlich wären Tatran der Headliner des Samstags, allerdings stehen sie jetzt ohne Drummer da. Dan Mayo hatte das Angebot bekommen mit Mike Shinoda von Linkin‘ Park zu touren und nahm es an. Wer kann es ihm verdenken?
So kamen Mother’s Cake zu ihrem Headlinerauftritt und waren, auch wenn stylistisch anders angehaucht wie Tatran, ein sehr guter Ersatz. Kerniger Hard Rock mit viel Power gespielt. Wow, das fand ich fantastisch. Sie waren sehr eingespielt und hatten diesen Hauch von Lässigkeit um dann aber im nächsten Moment wieder zu explodieren.

 

Mein Fazit und gleichermaßen Appell an alle. Diese Festivals werden mit Leib und Herzblut organisiert. Das macht sich an allen Ecken und Enden bemerkbar. Wenn die Veranstalter Glück haben gehen sie mit einer schwarzen Null aus dem Rennen. Von daher: gönnt euch solche Festivals, unterstützt die Szene. Ich tue es schon an mehreren Stellen und das seit Jahren.

Das nächste AquaMaria Festival wird am 9.8. und 10.8.2019 stattfinden. Seid gespannt auf die ersten Ankündigungen.

Vielen Dank an Maria, Eike und Uwe für die Organisation und für die Akkreditierung. (hans-juergen)

Link zum Festival:
http://www.aquamaria-festival.de/
https://www.facebook.com/aquamaria.festival/

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