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Bad Temper Joe & Fernant Zeste – Haunt

Modern Acoustic Blues, Indie Blues aus Bielefeld und Gent

(ro) Zwei sehr kompetente Gitarristen und Songschreiber, immer unterwegs im Auftrag des Blues, haben sich aufgemacht, um uns erstmals mit einem gemeinsamen Album zu erfreuen. Der eine, Bad Temper Joe, stammt aus dem beschaulichen Bielefeld und der andere, Fernant Zeste, aus dem gemütlichen Gent.
„Haunt“, so haben die beiden versierten Musiker ihre Songsammlung betitelt und, um es gleich vorweg zu sagen, ich bin begeistert!

Diese Platte ist ein in ihrer Unaufgeregtheit unwiderstehliches, in seiner schwelgerischen Feinheit ungemein angenehmes Werk.
Sehr soulful und bluesig, aber nicht ohne hier und da eine Prise Pfeffer einzustreuen, sowie mit vielen nuancierten Passagen und durchweg famoser Gitarrenarbeit kommen diese zwölf Songs daher.
Hier wird einmal mehr gezeigt, dass subtiler Minimalismus im Blues eine sehr große Stärke sein kann.
Zwischen den beiden Herren entsteht wie von selbst eine unverkrampfte, leichtfüßige Brüderlichkeit – ihre Songs erscheinen fast wie aus dem Handgelenk geschüttelt.
Entwaffnend, klar und unverwechselbar werden hierbei die Qualitäten der beiden Songschreiber und Vollblutmusiker zu einem ganz eigenen, individuellen Sound verschmolzen.
Das alles ist in der Summe für mich wirklich verdammt ansprechend.
Welch schöner Musikgenuss für winterliche Mußestunden!

„Winterblues“, so ist passend Track zwei auf dieser CD betitelt. Grundehrlich und zutiefst glaubwürdig, dazu vollkommen frei von dudeliger Gefühlsduselei oder irgendwelchen überflüssigen Spielereien, schleicht er sich sogleich ins Herz und ins Gemüt.
Und ist nicht der Winter die Zeit des Geschichtenerzählens und des aufmerksam Zuhörens?

Sowohl Bad Temper Joe als auch Fernant Zester steuern auf diesem Album jeweils sechs Eigenkompositionen bei, in denen es um sehr persönliche Dinge geht, um kleine Glücksmomente und große Unsicherheiten, um Liebe, Einsamkeit und Hoffnung.
Wer kann sich davon nicht angesprochen fühlen?
Denn wir wissen es doch alle: Beziehungen scheitern, Dämonen lauern, die Welt ist plötzlich weit oder eng, die Helden sind müde, hauen ab, wollen heim oder suchen Trost an der Bar.
Wir alle kennen diese Themen, wir alle suchen, wobei wir oft genug nicht wissen, wonach eigentlich.
Und ob wir einen Song, einen Sänger oder eine Band mögen ist keine Entscheidung, sondern es passiert.

Oh ja, dies alles ist Musik, wie ich sie mir wünsche, das sind Lyrics für Herz und Seele, so eindringlich wie poetisch, das ist Musik zum Abtauchen.
Als Beispiel sei hier „Minstrel`s Lament“ angeführt, ein Song von Bad Temper Joe, der so authentisch und greifbar nah wie eine Session wirkt, aber dem man trotzdem anmerkt, wie viel Detailarbeit in ihn hinein geflossen ist.
Auch das herzergreifenden „Been a While Since We`ve Talked“ lässt Momentaufnahmen aufflackern, die stehenbleiben wie Standbilder.
Oh ja, das ist ein Sound für alle graublauen Stunden dieser Welt, wenn sich der Tag langsam verabschiedet.
Wie in jedem Stück ist auch hier das gemeinsame Spiel engagiert, klug und sehr homogen, dazu gleichzeitig wunderbar melodiös und geerdet.

Was in dieser heutigen lauten Welt besonders für das Duo einnimmt, ist die Bescheidenheit, mit der sie zusammen agieren: denn hier muss sich keiner mit großer musikalischer Klappe und monumentalen Mätzchen in den Vordergrund stellen.
Keine Frage, diese beiden Herren bestechen mit einem Sound, der, in diversen Stdios und Locations aufgenommen, niemanden kalt lassen kann.

Oh ja, „Bad Temper Joe & Fernant Zeste“ finde ich persönlich in jeder Hinsicht bemerkenswert und ihrem Album „Haunt“ gebe ich eine mit Rufzeichen versehene Empfehlung.
Denn diese CD hat viele dieser ganz besonderen musikalischen Momente, in denen man diese spezielle Art Kribbeln verspürt, welches man beim Hören einer guten Platte stets erfährt …
(..Rosie..)

Songliste:

1. Don’t Talk About Break-Up (While I Eat)
2. Winterblues at #5 (Or Maybe Not)
3. Battle Cry Blues
4. Fannie Mae
5. Minstrel’s Lament
6. Little Rain
7. Black
8. Lullaby
9. Shut Your Mouth
10. Nova (Nothing to Say)
11. Been a While Since We’ve Talked
12. All Is Fine Now

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