(syb) Seattle is calling, again!
Die DAILY THOMPSON´s haben es schon wieder getan und sind im kaltgrauen Januar diesen Jahres für die Aufnahmen ihres 7. Albums zum Multiinstrumentalisten und Musik-Magier Tony Reed nach Port Orchard im Staate Washington geflogen. Unweit von Seattle, dieser mächtig geschichtsträchtigen Stadt, in der Grunge einst große Geschichte schrieb, bildet diese Reise einmal mehr eine zu ihren musikalischen Wurzeln und zugleich den Auftakt zu einer neuen Ära Daily Thompson, nicht mehr und nicht weniger. Ihr werdet sehen. Und hören.
Denn so viel kann ich schon zu Beginn verraten: mit „GLUE“ haben sich Mercedes „Mephi“ Lalakakis, Danny Zaremba und Thorsten „Babblz“ Stratmann als offizielle Nachlassverwalter des Alternative-Sounds mit Wurzeln in Seattle endgültig unsterblich gemacht. Die Drei bauen aus dem Erbe großer Namen der 90er wie Pearl Jam, Nirvana oder Alice in Chains etwas Neues, unverwechselbares und verpassen jedem der acht Songs ihre bandeigene DNA mit jeder Menge Fuzz und doppelten Vocals und dem ihnen eigenen Charakter. Herz ist voll!
Vorstellen muss ich das Trio aus Dortmund ja nicht mehr und so teile ich an dieser Stelle das süße Vergnügen, dass die DAILYS sofort „Yippieh“ gesagt haben, als ich anlässlich des neuen Albums nach einem persönlichen Interview für unseren RBBS gefragt habe. Uahhh, ich freu mich riesig, denn ich selber lese Rezensionen mit Band-Interviews zu neuen Alben immer supergerne, weil eine Band doch besser als alle Rezensenten des Planeten mit eigenen Worten all´ die Geschichten erzählen kann, die hinter einem neuen Werk stehen.
Alles klar, das Treffen an einem Mittwoch auf der Veranda am Proberaum in Dortmund steht und ich werde mein allererstes Interview überhaupt führen! Aaalter, bin ich aufgeregt, obwohl wir uns ja gefühlt schon ewig kennen. Diese Aufregung legt sich dann am Montag vor dem Interview glücklicherweise etwas, als Mephi mir ein Foto aus dem Proberaum von zwei Schampusflaschen nebst Aperölchen zuschickt (muhahahaha, wir werden sehen, ob das eine gute Idee war). Wie süüüüss ist das denn? Gut, feini, wir sind vorbereitet, und zwar alle. Kann also losgehen, Mittwoch 17 Uhr und der Lorenz knallt erbarmungslos vom Schäfchenwolken-Himmel. Damit die „Mischi“ das nicht auch tut, quatschen wir uns erstmal im klimatisierten Proberaum in Dortmund warm und verlegen die Drinks auf den Sonnenuntergang auf der Veranda nach dem Interview. Es folgt ein langes, entspanntes, herzliches Gespräch über alles Mögliche und sogar auch ein bisschen über das neue Album…
„Glue ist eine Metapher dafür, dass Sound einen noch zusammenhält“
Sybille: Bei Veröffentlichung des Titels für das neue Album habe ich oft gelesen, PACKT BITTE NE TUBE UHU als Gimmick dazu. GLUE ist aber auch ein Begriff den Produzenten benutzen, wenn ein Mix final zusammenhält. Warum also dieser Titel: technischer Begriff fürs Album oder Metapher für euch als Band?
Mephi: „Wir haben uns tatsächlich dabei mal etwas mehr gedacht. Im Moment ist es ja eher so: Du wachst morgens auf, liest die Nachrichten, könntest eigentlich was zerreißen oder kaputt machen. Ich bin immer sehr wütend. Das sind halt meistens keine guten News. „GLUE“ ist für uns eine Metapher dafür, dass Sound einen noch zusammenhält. Gerade jetzt. Man geht in den Proberaum, man kann Sound machen, man hört Musik. Das gibt mir noch die Emotion, wo ich sage: Okay, das bringt mich auch wieder zurück und erdet mich. In unserer Bubble mit diesen ganzen wunderbaren Leuten, die Soundnerds sind und gerne Musik hören, ist Musik immer noch so ein Kleber, der uns zusammenhält.
Danny: Musik an sich. Ohne Hass. Wenn du selber Musik machst oder nur hörst – ohne Musik würde es nicht gehen. Und dann klang es auch noch irgendwie schön.
Mephi: Die Einleitung zur Idee kam eigentlich durch irgendein Grasdöschen, das wir mal bekommen haben, wo Gorilla Glue draufstand. Dann haben wir uns über Glue Gedanken gemacht. Und irgendwann dachten wir: Das ist eigentlich eine gute Metapher. Und es ist mal ein kurzer Titel. Nichts Philosophisches, Abgefahrenes. Tatsächlich auch einfach so wie das Album, einfacher, direkter.
Babblz: Tatsächlich, ihr habt das vorgeschlagen: wir hätten GLUE im Angebot. Oh, „GLUE“ klingt schön. Ich wusste aber auch sofort was gemeint ist, weil ziemlich genau das was Mephi sagt, ist ja stellvertretend für diese Platte, jetzt auch für uns, gerade im Moment. Die Platte hat schon immer, auch als wir sie noch geschrieben und geübt haben, einfach nur Bock gemacht. Und dann stehst du nach einer Probe da und denkst dir so, Alter, was machen wir für geile Musik. Stärkt den Zusammenhalt.
Von Vorbildern und Parkplatzkonzerten
Sybille: „Man hört allen acht Songs auf „GLUE“ eure musikalischen Inspirationen, eure Vorbilder deutlich an. Jeder erinnert -im positiven Sinne- an eine Band der 90er des Grunge oder Alternative-Rock. Hört ihr derartige Vergleiche gern und spielt bewusst mit diesen Soundanleihen?
Danny: Warum soll ich sowas spielen? Wir hören genau die Musik ja selber. Und wenn es jemandem nicht gefällt, dann ist das halt auch so. Kommen wir auch mit klar.
Mephi: Ich finde das total geil. Wir machen das ja nicht mit der Intention: Wir schreiben jetzt einen Song, der soll sich anhören wie Dinosaur Jr. Wir machen das so, wie es kommt. Ich komme mit den Vergleichen richtig gut klar. Da bin ich froh. Also wirklich. Es gibt eigentlich auch nichts Schöneres. Ich habe das schon immer gehört.
Danny: Das steckt da drin.
Mephi: Das ist unsere Genetik.
Danny: Und wenn du dann singst, dann singst du halt ähnlich. Es bleibt Geschmackssache. Gott sei Dank.
Mephi: Da sind aber auch die Bands, wo bei mir das innere Herzchen aufgeht. Und wenn man dann damit verglichen wird, dann ist es ja auch eine Ehre. Wenn jemand echt sagt, das hört sich ein bisschen nach Pearl Jam an: Danke, Mann. Ich habe heute noch ein Interview mit Flea von den Chili Peppers gelesen. Nick Cave findet seine neue Band scheiße, dieses Jazz-Ding. Und Flea hat gesagt, Alter, Nikki ist für mich einer der krassesten Songwriter, der heftigsten Musiker. Und wenn er meine Band lame findet, dann ist das echt in Ordnung für mich. Und ich dachte, ja Mann, so muss man das sehen. Es fühlt sich auch für mich so an, wie angekommen im Sound. Ich wollte ja auch mal zwischendurch so ein Solo-Ding machen, jetzt hab` ich das nicht mehr, weil wir es einfach so machen, wie ich es machen würde. Ich werde so angenommen. Bei der EP, die wir in Arbeit haben, ist jetzt auch ein Song dabei, den ich damals für mein Ding geschrieben habe.
Sybille: BTK, die zweite Single vom Album, ist schon Reminiszenz an die Pixies, Kim Gordon und Sonic Youth…? Wie du Danny, habe ich Sonic Youth in den 90ern das erste Mal live in der Düsseldorfer Philips-Halle gesehen, darüber haben wir ja auf der Rückfahrt von Thurston Moore´s „Lost In Sound“ in der Kölner Kulturkirche schonmal gesprochen.
Danny: Erstes Mal glaube ich nicht, aber, weiß ich nicht mehr genau. Das war geil mit Smashing Pumpkins zusammen, Garbage und Cypress Hill. Was für eine Mischung. Was für eine geile Mischung. Das waren alles so die Bands, die gerade so richtig durchgestartet sind. Auch Garbage mit ihrem Hit, verdammt wie hieß der noch. Natürlich Cypress Hill, Black Sunday. Und das alles zusammen mit Sonic Youth und Pumpkins war schon richtig großartig.
Sybille: Das war die Oster-Rocknacht 1995 oder 96, meine ich. Boah, Brainfog.
Mephi: Wer hat da als erstes gespielt?
Danny: Da muss ich kurz ausholen. Als erstes hat Babblz gespielt! Mit seiner damaligen Band in diesem Bulli, ne? Hahaha, das habe ich dir ja schon ein paar Mal erzählt. Da habe ich dich das erste Mal gesehen, Babblz! Da warst du…13?
Babblz: 1996 irgendwie so? Generator-Tour. Da war ich 15, 16. Auf dem Parkplatz. Wir haben draußen gespielt, vor Einlass. War auch so ein Wetter wie jetzt. Richtig geiler Tag. Einfach Generator hingestellt und wir haben auf Parkplätzen für die Leute gespielt, die halt keine Karten haben. Und dann haben Garbage angefangen und Cypress Hill, Sonic Youth und Pumpkins. Boah, das habe ich verpasst mit 15. Ich war ja nicht drin.
Mephi: Ich hasse es. Ich war da sechs, Mann. Mein Highlight war die Schule. WOW.
Wir lachen uns erstmal kaputt und schwelgen in Erinnerungen.
Das siebte Album und alle sind irgendwie anders
Sybille: In der Band-Info von Noisolution steht, dass ihr mit „GLUE“ eine neue Ära von DAILY THOMPSON andeutet. Bedeutet was, nur noch Grunge, Alternative? Oder seid ihr eine Band, die irgendwie immer weiter auf der Suche ist?
Mephi, lacht: Wat hat denn Arne schon wieder gemacht? Kann man sich da festlegen?
Danny: Wir haben uns ja noch nie richtig festgelegt. Das ist jetzt das siebte Album und wenn man sich die alle anhören würde, sind die alle irgendwie anders.
Mephi: Aber ich glaube, wir fühlen uns da gerade ganz wohl.
Danny: Es ist so ein bisschen dieses „Eine Stoner – keine Stoner-Band“. Da fängt man irgendwie mit an, steckt drin und das ist auch immer noch die beste Szene, die man sich vorstellen kann. Aber ich kann jetzt nicht mein Leben lang immer nur diese selben Riffs spielen und das bin ich dann einfach nicht.
Mephi: Nach den Aufnahmen im Januar haben wir ja auch schon wieder neue Songs gemacht, weil wir quasi einen Leerlauf hatten. Und da sagen jetzt auch schon die meisten Leute, naja, jetzt wird es auch auf einmal so Weezer-esk. Da stehen wir halt auch voll drauf. Ich glaube, es geht jetzt vielleicht auch mehr vom Grunge eventuell weg und noch mehr zum Alternative-Rock. Und dann geht es vielleicht mal wieder zurück in so ein Heavy-Ding, was dann wahrscheinlich aber auch eher grungy sein wird, als so Heavy-Stoner-mäßig. Weil wir irgendwie gemerkt haben, es war ja vorher auch immer eigentlich schon unser Wunsch, das so zu machen. Das war halt nur musikalisch nicht immer möglich. Und jetzt ist Babblz seit vier Jahren da und seitdem sind wir so produktiv und es fühlt sich alles so gut an. (Guckt Babblz an:) Ja, du bist so toll. Man kann halt produktiv auch total viel ausprobieren. Man kommt von Hölzken auf Stöcksken und alle bringen sich ein und es funktioniert halt so gut. Und ich glaube, deswegen machen wir jetzt auch mehr so das. Also ich finde, die Songs sind bis jetzt die besten. Die machen mir am meisten Spaß auf der Bühne.
Babblz: Es macht sooo Spaß, die zu spielen. Dann hat man doch alles richtig gemacht. Wenn es einem selber gut gefällt, dann scheiß drauf. Wenn es dich selber abholt, muss es doch genau richtig zu sein.
Alle grinsen, ich habe Gänsehaut.
PPP – Pärchen, Pulled Pork und Proberaum
Sybille: Ich liebe es ja sehr, wenn ihr so schön zweistimmig singt. Mephi und Danny, ihr seid schon lange ein Paar, was bedeutet das für eure Musik? Und wie passt Babblz da rein, schmust der mit?
Mephi: Babblz immer irgendwie. Ich glaube, hm, sind wir bei der Probe pärchenmäßig, so dass wir nur so ein Zweierteam sind? Ich glaube eher im Gegenteil manchmal, oder?
Babblz: Nee, ist tatsächlich nicht so. Also im Proberaum läuft das ziemlich neutral ab, würde ich behaupten. Ansonsten, wenn ihr euch mal zankt, dann gehe ich halt irgendwie raus. Wobei das dann auch meistens musikalisch ist im Raum. Also insofern, Props an euch.
Mephi: Wir sind halt drei. Erstmal wäre es unfair, wenn wir so ein Pärchen-Ding abziehen würden. Dann finde ich es auch nicht dienlich für Songs machen und so. Es soll ja songdienlich sein und nicht sag ich jetzt was, aber ich möchte das nicht. Wir können total offen darüber reden. Ich meine, wir sind jetzt seit Samstag 15 Jahre zusammen.
Zwei der vier Anwesenden kreischen verzückt.
Mephi: Das funktioniert super. Es ist so wie beste Freunde, ich meine, dir muss ich das ja nicht erklären. Natürlich, wenn Danny sagt, ich geh mal ins Wohnzimmer Gitarre spielen, sage ich: Ja klar! Wir haben Platten, wir haben auch einen Amp zu Hause. Ob man zusammen Musik macht, Musik hört, auf ein Konzert geht. Aber ich glaube, deswegen funktioniert das auch so gut, dass wir beim Musikmachen das so abstellen können. Oder das einfach auch instinktiv so machen. Da will ich dann einfach mit meinen besten Freunden das machen, was am meisten Spaß macht.
Danny: Oder Küsschen hier, Küsschen da. Erstmal über das Festival gehen. Immer eine Meinung. Ja, Schatz, was du sagst. Ach klar.
Babblz: Ich muss leider.
Babblz hat Probe mit seiner 2. Band, den Multicoloured Shades.
Mephi: Viel Spaß, Babbelz. Haste eigentlich die Sachen gegessen?
Babblz: Oh jaaa, voll lecker. Vielen, vielen Dank.
Mephi: Wir waren voll verkatert am Wochenende, gleichzeitig habe ich einfach neun Stunden Pulled Pork gemacht. Dann habe ich Babbelz geschrieben. Ich so, ich bring dir mal Montag ein bisschen was mit. So drei Tupperdosen. Der wird ja auch schon noch versorgt. Ich koche ja auch immer zu viel.
Danny: Da kommt Mutti immer mit den Tupperdosen.
Wieso habe ich jetzt plötzlich Hunger? Egal, vielen lieben Dank und bis später Babbelicious, wir schreiben dir ne WhatsApp, wenn der Aperol fertig ist!
„Der Einfluss ist da eigentlich gar nicht“
Sybille: Ihr habt „Glue“ wie schon den Vorgänger „Chuparosa“ in den USA mit Tony Reed aufgenommen. Hätte die Platte anders geklungen, wenn ihr in Deutschland geblieben wärt?
Danny: Nö.
Sybille: Also kein spezieller „Tony-Sound“?
Danny: Wir hatten ja auch überlegt, Tony hierhin kommen zu lassen. Wir haben halt echt überlegt: Wollen wir uns jetzt Amerika antun, weil es da trumpmäßig so richtig abgeht. Hinterher lassen die uns da nicht rein. Aber es hat gepasst.
Sybille: Hat denn die Umgebung von Port Orchard und Seattle die neue Platte beeinflusst?
Danny: Der Einfluss ist da eigentlich gar nicht. Weil wir mit fertigen Songs dahin kommen. Die schreiben wir alle hier und die sind dann fertig.
Mephi: Ich glaube, das beeinflusst eher, wie man aufnimmt. Wenn wir jetzt irgendwo in einem deutschen Gewerbegebiet im Studio wären und du gehst mal raus eine rauchen, stehst du halt im Gewerbegebiet. bist du in so einer Landschaft mit riesigen Bäumen, riesigen Straßen. Es ist alles so groß und weitläufig. Ich finde, wir klingen total souverän auf dem Album, wie so Amis halt auch klingen. Und so ein bisschen diesen Vibe hat man auch. Wir haben ja auch zwei Konzerte gespielt. Und das sind Bands und Musiker. Da denkst du dir, krass, ihr habt halt hier nichts anderes zu tun. Und das merkst du, dass die acht Stunden am Tag ihr Instrument spielen und nur damit am Machen sind. Und dann freuen die sich aber, dass du da bist mit deinem bisschen Bumm-Bumm-Gefühl. Und das ist schon eine Atmo da, ich weiß nicht. Mich hat das schon beeinflusst, auch beim Spielen. Hat mir auch viel gegeben für danach jetzt. Ich bin viel gelassener und denke mir, ich kann das alles. Und wenn nicht, dann kriege ich das trotzdem hin, das cool zu machen. Ich nehme da immer viel mit. Aber für die Songs, die wir danach gespielt haben, hat das eine große Rolle gespielt. Wir sind ja wiedergekommen, haben dann vier neue Songs geschrieben. Die EP wollen wir im Januar aufnehmen. Das war voll cool, dass man wiederkam und nicht wie bei „CHUPAROSA“ sechs Monate im Proberaum das Album geübt hat, um es dann zwei Jahre zu spielen, sondern wir haben gar nichts gemacht mit „GLUE“ und haben einfach neue Songs geschrieben. Und ich glaube, da haben wir viel davon auch mitgenommen. So hat sich das zumindest angefühlt.
Kurt Cobain, kleine Städte, Seattle und „irgendwas zum Kiffen“
Danny: Hast du die Platte eigentlich schon gesehen?
Reicht mir eine „GLUE“ LP und erzählt.
Danny: Was uns beeinflusst, ist auf jeden Fall immer das Cover. Jede Ecke ist irgendwie ein Cover. Das hier vorne war in Aberdeen. Das ist die Nebenstraße von Kurt Cobain’s Childhood House quasi. Das innendrin ist auch in dieser Straße. Und das Bild hinten ist, wenn wir aus dem Studio von Apple, das ist der Besitzer, rausgekommen sind. Genau. Wir waren da ja auch bei der Brücke, über die Kurt Cobain den Song geschrieben hat. Das ist schon alles klein. Aber der Weg dahin war auch geil. Wir sind zwei Stunden nach Aberdeen gefahren. Da war das mit dem strahlend blauen Himmel, wie jetzt, und dann waren es so 15 Grad. Durch Wälder gefahren. Wir dachten, wir müssen jetzt die ganze Zeit über eine Autobahn. Nein, wir sind einfach quer durch die Wälder.
Mephi: Geil war auch das Dorf Mother Bear. Mit dem Mother Bear Festival. Wir hatten ja Jonas dabei, von der Band Mother Bear. Ich so: Jonas, das ist so dein Ding hier. Besser geht nicht. Das waren wirklich so kleine Städte, McCleary., genau so wie du es aus Videos kennst. Nur so kleine Häuschen. Ein Diner, ein kleiner Supermarkt. Irgendwas zum Kiffen halt. Und dann weiter geht es. Voll geil. Und du hast auch wenig Trumps da im Nordwesten. Auch in Seattle selber, aber auch in Port Orchard und so. In Bremerton waren wir und Port Angeles haben wir auch gespielt. Alles richtig geile Leute. Zum Glück. Aber ich mag das da. Bremerton war auch richtig geil. Das war das Venue als wir 2023 privat da waren. Als wir Tony das erste Mal in Persona getroffen haben, hat er zufällig mit seiner Band da gespielt. Alter! Und dann sagt er so, dann spielen wir jetzt auch mal in Bremerton. Das war total voll, dieser Manett Saloon. Das war auch eine richtig schöne Sache. Weil davor haben wir in so einem kleinen Ding gespielt in Bremerton, das war so eine Art Kneipe und dann war das wie so eine Hausparty. Also mit ebenerdiger Bühne und so. Und dann haben die ja selber noch alles PA und so hingehangen. Aber jetzt, das war schon ein richtiges Venue.
Sybille: Da habt ihr Tony auch kennengelernt?
Danny: Man kannte sich ja vorher schon vom E-Mail-Dingsen, weil er ja alle Platten schon mindestens gemastert hat. Und als wir das erste Mal da im Urlaub waren haben wir ihm geschrieben, ey, wir sind in Seattle. Spielst du zufällig oder so? Weißt du, wo man hingehen kann? Ja, schrieb er, ich spiele mit meiner Band hier. Und dann sind wir da vorbeigefahren.
Mephi: Und dann hat er uns nachher noch besoffen zur Fähre zurückgebracht. Du musst halt dann so eine Fußgängerfähre nach Seattle geben. Wir hatten ihm auch noch eine Platte mitgebracht, die „Live at Freak Valley“ war gerade fertig gemischt. Cool. Und dann sagt er so, ja okay, wenn ihr die Fähre noch kriegen wollt, müssten wir jetzt fahren und wir hatten uns gerade so einen Whisky bestellt. Und dann war der noch richtig lecker. Aber Tony sagt, wir müssen gehen, sofort. Scheiiiiisssse!
Gelächter.
„Tony‘ s Fledermausohren“
Sybille: Welche Rolle hatte Tony diesmal im Studio?
Mephi: Es hat sich verändert zum letzten Album. Da sind wir hin und er hat gesagt: Okay, ihr habt die Songs fertig, ich drücke auf Aufnahme, gut ist. Beim neuen Album haben wir vorher darüber gesprochen. Er hat gefragt, wie wollen wir das machen? Und ich so: Es wäre schon cool, wenn du deine Fledermausohren spitzt und uns ein paar Sachen sagst. Die Songs sind halt fertig, aber wir haben da einen Part, wo wir Platz für deine Gitarre sehen, oder wir haben da noch eine Frage zu. Hätten wir das einfach nur aufgenommen, weiß ich nicht, ob das jeder Aufnahmetyp so gehört hätte. Tony kennt uns halt inzwischen. Wir haben ja schon eine Vorproduktion des Albums bei Falko für Tony gemacht und da sind dem dann schon vorher ein paar Sachen aufgefallen. Beim live einspielen wollte er dann halt testen, wie er das jetzt macht und kam dann auch wirklich mal in den Aufnahmeraum und sagte: Guys, we have to talk. Ich sage jetzt aber nicht, bei welchem Song.
Danny: Wir waren halt technisch alle nicht richtig drauf und er hat dann gefragt, was spielst du genau, und was nicht und warum spielst du das nicht so. Und wir müssen jetzt entscheiden, wie wir das jetzt machen wollen. Das sind kleine Feinheiten, die dann wieder dieses Ding ausmachen. Ob es sich ganz souverän anhört oder halt wie so ein ganz gutes Album. Sag es bitte, wenn dir etwas auffällt.
Mephi: Er hat auch mal gesagt: Sollen wir mal das ausprobieren? Weglassen kann man immer noch. Oder hat mir einen Basslauf gesagt. Oder zu Babblz: betone das mal vielleicht lieber so. Überall so ein bisschen Tony. Nicht too much, aber so, dass es tight ist und…halt echt.
Danny: Hat er gut gemacht, alles hat dem Prozess gedient. Das Aufnahme-Feeling war geil.
Sybille: Auf welchem Song hat Tony dann den Gitarrenpart übernommen?
Danny: Chains. Am Ende
Mephi: Tony, kannst du da vielleicht die Gitarre übernehmen? Ja klar, ich guck mal.
Danny: Am nächsten Morgen kann er dann zu unserem Holzhaus, ich mein, die kommen ja einfach rein, haben uns immer besucht, Tony und Apple (der Besitzer des Studios), mit ihren Trucks und wir haben noch gepennt. Tony sagt, ja, hasse schon gesehen? Ich hab dir hier was geschickt. Ich so: ne, hab ich noch gar nicht gesehen. Hast du schon irgendwas eingespielt? Sollen wir mal reinhören? Und er so: nonono. Er wollte nicht, dass wir das hören, wenn er dabei ist. Und dann haben wir uns das angehört und waren sofort Fan. So war das wirklich.
Mephi: Und dann gabs abends noch eine Gitarre und nochmal eine. Und wir hören uns das an und sagen nur so: Jaaa Mann.
Zurück aus der Zukunft
Sybille: Ihr habt in den letzten Jahren hunderte Shows gespielt, Festivals in ganz Europa und in Amerika. Und überall habt ihr mit eurer herzlichen und lässigen Art und eurer Leidenschaft on stage die Herzen in Stürmen erobert. Wie geht es für euch und uns weiter?
Mephi: Nächste Woche zwei Dates mit Fu Manchu, dann Backyard Club Pre- Listening Party für „GLUE“.
Danny: Dann kommen paar Festivals noch, dann England Tour.
Mephi: Dann Deutschland Tour mit Tonys Band „Constance Tomb“ und dann sind wir dran, nächstes Jahr vielleicht mal nach Übersee zu gehen. Viel Visa Arbeit, ist in der Mache, halt n Traum. Und ist mir auch egal, wenn da dann nur 20 Leute stehen. Danny: Das fehlt halt noch einfach, so ne richtig schön ausgedehnte Amerika-Tour. Aber dann alles ganz offiziell. Mal gucken. Mephi: Jetzt erstmal das neue Album und vielleicht ein paar Songs von der neuen EP spielen.
Sybille: „GLUE“ zeugt für mich von eurem tiefen Gespür für Atmosphäre und Emotionen und vor allem wieder für das Songwriting. Magst du zur kommenden EP noch was sagen?
Mephi: Es wird gut.
Sybille: Danke. Reicht.
Mephi: Es wird nochmal anders als „GLUE“, n bisschen Weezer-esker, aber irgendwie geil. Ich hab jetzt schon total Bock drauf, es werden wahrscheinlich so sechs Songs.
Danny: Und wie schon gesagt ist wieder, wie BTK auf „GLUE“, ein reiner Mephi- Song mit Solo-Gesang dabei. Der erinnert mich fast so ein bisschen an die Band HOLE. Oder, hmmm, auch an Blondie. Den spielen wir im Backyard. Wir freuen uns echt aus alles.
Finale Lobhudelei
Sybille: Ihr Lieben, ich danke euch von ganzem Herzen. Gibt es noch irgendetwas, was ich nicht gefragt habe, ihr aber abschließend zu euren acht Songs auf „GLUE“ unbedingt noch sagen möchtet?
MephiundDanny: Wie schöööön, dass du das Interview geführt hast, dein Besuch war längst überfällig. Und das darfst du gerne auch mal schreiben.
Und dann gings ab nach draußen auf die Veranda. Weiter quatschen mit Aperööölchen (auf Eis!) bei Sonnnenuntergang. Das Leben kann so schön sein.
Mein liebendes Autorinnenherz und auch meine Finger sagen mir, dass es an dieser Stelle nun keiner weiteren Worte oder näherer Beschreibung der Songs auf „GLUE“ bedarf. Wenn ihr den Geist der alternativen 90er, der sich durch jeden einzelnen der acht Songs zieht, hautnah spüren wollt, dann wird das Album auch für euch ein herrliches Meisterwerkchen mit so viel liebevoller Referenz an die musikalischen Zeiten sein, die nicht nur die drei Thompsons, sondern auch meinen Bruder und der damit mich und viele, viele andere Menschen unserer Generation geformt und geprägt haben.
DAILY THOMPSON haben es gewagt, diese grandiose Ära auf ihre ganz eigene Weise neu zu interpretieren und zu vertonen und das fühlt und hört sich in Zeiten des heutigen musikalischen Überangebots einfach nur großartig an. Und sowieso: Wenn es einem selber gut gefällt, dann scheiß drauf. Gänsehaut! (sybille)
VÖ 21.08.2026
Label: Noisolution
Tracks
1. Heart Of Bones 3:34
2. Workout 5:17
3. Fake A Smile 4:36
4. Chains 7:58
5. BTK 7:04
6. Here I Stand 5:00
7. Siam 4:02
8. Lovebugs 5:01
Dauer 42:42
RBBS-Links zu Daily Thompson:
Interview mit Mephi/Daily Thompson über Oumuamua, das neue Album
Monster Magnet + Daily Thompson in der Live Music Hall Köln am 12.06.23
Villagers Of Ioannina City + Support Daily Thompson im Club Volta/Köln am 02.11.2023
Daily Thompson – RockHard Warm Up Party/Subrosa Dortmund 26.05.17
Fuzz statt Fussek – 10 Jahre Junkyard Open Air am 20.06.2026
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Die Dailys 2026 live:
21.08. Nord Open Air / Essen
01.-03.10. ES Tabernas Rock Fest / Almeria
11.10. UK The Anvil / Bournemoth
12.10. UK The Cobblestones / Bridgwater
13.10. UK The Devonshire Arms / London
14.10. UK The Parish / Huddersfield
16.10. UK Bannerman´s / Edinburgh
17.10 UK The Gryphon / Bristol
18.10. BE Desertfest / Liege
05.11. Pitcher / Düsseldorf
06.11. Cadillac / Oldenburg
07.11. Kühlhaus / Flensburg
08.11. Hafenklang / Hamburg
10.11. Cafe Glocksee / Hannover
11.11. Badehaus / Berlin
12.11. Chemiefabrik / Dresden
13.11. AT Arena / Wien
14.11. CZ Subzero / Prag
16.11. Live Club / Bamberg
17.11. Backstage / München
18.11. Alte Hackerei / Karlsruhe
19.11. Schon Schön / Mainz
20.11. Forum / Bielefeld
21.11. Helios 37 / Köln
04.12. Piano / Dortmund
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