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Fuzzfest Vienna 2017 – 24. + 25.11.17

(vo) Das Fuzzfest Vienna 2017 rief und Volker machte sich letzten Donnerstag auf, auf die über 900 Kilometer weite Anreise per Eisenbahn. 1987 weilte ich zum letzten Mal in Wien, wurde auch touristisch also mal wieder Zeit zumal die beiden Veranstaltungsabende erst um 19 Uhr bzw. 19 Uhr 30 begannen, tagsüber also ein bißchen Touriprogramm. Das Wetter – nieseliger Graufaktor gegen leider unendlich und arschkalt – konnte natürlich einen gebürtigen Wuppertaler nicht davon abhalten nach der Wiener Luft zu schnappen…..…und mir einiges anzuschauen und zu geniessen: u.a. Kaffeehäuser waren natürlich unbedingte Pflicht, eines davon seit 134 Jahren in der Argentinierstraße präsent! Also Freitag einmal Melange mit Schlagobers und dazu natürlich Sacher mit Schlag. Freitagabend fuhr ich mit dem Bus bis zur Geiselbergstraße, von dort in 2 Minuten zu Fuß in die Hauffgasse zur „Szene“, in der der Fuzz erschallte. Akkreditierung und Photopass erhalten, und ein bissel umschauen und: ich traf Bekannte aus unserer Szene und auch toffe neue Leute lernte ich an beiden Abenden kennen.
Das Ambiente gefiel mir: feine Theken mit lecker Bier (Budweiser), jede Menge Merch (danke für´s Shirt an die Veranstalter), analoges Licht und Ölprojektionen und feiner Sound.
Auf geht´s: Den Eröffnungsgong am Freitag um 19 Uhr schlugen Mothers Of The Land, die ich erstmalig beim Lake On Fire im August erlebte und die mich überzeugten: überzeugten mit ihrem stark in den 1970ern verwurzelten Hardrock, der rein instrumental angelegt ist. Wunderbare Twin-Gitarrenläufe, genügend Druck und Groove, das Gesamtpaket der Lokalmatadore passte von allen S(a)eiten und Schlagwerk. Guter Auftakt des Festivals und noch ´ne kleine Notiz dazu: neben mir im Photograben stand ein stolzer Vater, der die Band und besonders natürlich seinen sechssaitigen Sohn ablichtete.
In der nachfolgenden Umbaupause hatte ich ein erstes, tiefergehendes Gespräch mit einem Getränk aus Budweis und Wiedersehensfreude mit niederbayerischen Freaks.
Die nächste Band besuchte uns aus Graz: Ultima Radio machten was her, da war Betrieb auf der Bühne und im Publikum. Alternative Rock, gemischt mit Stoner, sehr heavy und wild, Sänger Zdavkro und seine sehr tighten musikalischen Zuspieler nutzten die ganze Größe der Bühne für ihre Performance…., schwere Nackenschläge für das Auditorium, aber nix für meine Nackenwirbel.
Mittlerweile geriet die „Szene“ in der „Szene“ zum Ritterschlag für´s Booking: ausverkauftes Haus!
Das lag sicherlich auch an der folgenden  Band, die mich live und in der Augusthitze von Waldhausen beim Lake On Fire schon an den Rand des Ausglühens brachte: Triptonus, ein Weltmusikalisches Meisterwerk aus Wien, ein Sextett, das mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Samples, Djembe und Didgeridoo instrumentale Klang- und Raumlandschaften zaubert. Ihre Einflüsse kannste nicht an vier Händen abzählen, das pluggert, plackert, plickert und groovt in einem fort, und, wie schon erwähnt: zaubert. Zaubert Lächeln in die Gesichter der Feierenden und natürlich in meines, was für eine Abfahrt. Meine Mark III versuchte den Zauber einzufangen und ein Fabelwesen wachte vor der Effektabteilung…..
Nach diesem Furiosum brauchte ich Nachschub aus Budweis und begab mich anschließend in den Photograben, um, leider leider, einen Auftritt der Abschiedstournee der Flying Eyes zu erleben, und? Ein Verlust für „unsere“ Musikwelt. Die vier Musikusse aus Baltimore bretterten in ihrem 60ies Stil durch die Bude wie nix: William, mit ausdruckstarkem und seelenvollem, inbrünstigem Gesang und Gitarrenspiel, Adam, an der Gitarre meistens im „Haare als Gesichtsvorhang“ Muster, an der Lap-Steel aber auch mal Gesicht zeigend, McLean groovte und Elias verdrosch die Hütte. Ihre neue und ja leider letzte LP vereinnahmte den größten Teil des Sets. Ich sehe sie nochmal bei unserem ebenfalls ausverkauften Freak Valley X-Mas Fest und werde die Jungs nochmal gebührend feiern, Budweis rief mal wieder, skol.

Zum Abschluß des ersten Tages zelebrierten Mother´s Cake ihre sehr hohe Kunst des progressiven Rock. Prog gleich Gefrickel, das ist mein eingebautes Vorurteil, und in den meisten mir bekannten Fällen für mich durchaus kein Vorurteil. Ist eben nicht so mein Freudenmetier, aber hier werkelte ein Trio, das ohne Gefrickel auf die Punkte, auf die es für mich ankommt, kam, klasse! „The Killer“ heißt nicht ohne Hintergedanke ein Song ihres letzten Albums. Die drei spielten sich in Rage, auch wohl weil es im rappelvollen Viereck der „Szene“ rund ging, 400 ausrastende Austrianer plus einige aus fernen Ländern feierten und die Band feuerte und fackelte ihr Repertoire ab bis zum Siedepunkt…..das war doch was. Ich schlich beeindruckt zur Bushaltestelle, und sank 35 Minuten später im Hotel schräg gegenüber des Wiener Hauptbahnhofs in seeligen Schlummer….

Samstag: Nach einem ausführlichen Spaziergang mit Kaffeehaus, Palatschinken, U-Bahn Fahrt, Wiener Schnitzel und Ausruhschläfchen ging es per Bus wieder zur „Szene“, der zweite Fuzzfestteil rief vehement. Vor dem Eingang zum Paradies lief mir Peter von Les Lekin über den Weg. Wir unterhielten uns ein bißchen über ihren bevorstehenden Auftritt und ihr neues Album, „Died With Fear“, das mich ziemlich aus der Umlaufbahn haute, hier nachzulesen. Durch den Ausfall der Picturebooks, die krankheitsbedingt absagen mussten, wurden die Auftrittszeiten ein bissel geändert und verlängert, dadurch konnten, sicherlich nicht nur zu meiner Freude, Les Lekin das komplette neue Album vorstellen. Und sie geigten auf, Zitat aus meiner Rezi, sehr gut passend: „Eine Reise. Gitarre, Bass und Schlagzeug in völligem Einklang mit der Natur. Through the desert. Glasklarer Sternenhimmel. Abheben und Abflug. Und? Ich bin dann mal weg! Ganz weit weg! Du auch?“ Für ein paar Visualisierungen meinerseits reichte es aber, trotz Abflug. Kerstin, Beat und Peter, ich liebe euren Sound!
Danach Budweis, Budweis, Budweis….
Savanah: Graz meets Wien. Ein mir bis dato völlig unbekanntes Trio. Ich mach das ja zumeist so, das ich im Vorfeld mir unbekannte Bands auch nicht anhöre um positiv überrascht zu werden, oder auch nicht. Und ersteres trat ins volle Licht: Harter, hardrockiger Stoner mit klug eingebauten Doomphasen, Benny, Felix (Austria?) und Jakob staubten auf, gingen ab, wie das geneigte Freaktum im Saal, meine Fresse machte das Spaß. Und nicht umsonst heißt ihr Album, das im letzten Wonnemonat erschien, „The Healer“! Die heilende Kraft ihrer, „unserer“ Musik, immer wieder ein Erlebnis und Erwachen, Savanah, auch ein ganz heißer Tip für euch da draußen an den Bildschirmen.
Dyse: das ist musikalisch nix für mich, aber visuell machten die beiden Dysenjäger gut was los, und sehr viel Humor ham´se auch. Also einige Photos und danach wieder Reise mit Budweis.
Und dann, es geht auch ohne Vorhang: Vorhang auf für eine der meiner bescheidenen Meinung nach großartigsten Livebands auf diesem Planeten: Monkey3. Wie oft habe ich sie seit 2010, seit ich sie kennenlernen durfte, erlebt. Es ist wirklich und wahrhaftig immer wieder ein Erlebnis mit welcher Klasse Boris, Guillaume, Kevin und Walter agieren und das Publikum umarmen, mit welcher Seele und Inbrunst und Freude und Begeisterung sie ihre Meisterwerke des harten Psychedelic Rock hervorzaubern. Und sie ernten reichlich aus dem Auditorium. Zum Beispiel für den „Ikarus“. Der fliegt, und fliegt, und fliegt, ein Flug durch Raum und Zeit in 15 Minuten, ohne ins Meer zu stürzen, was für ein Brett. Ich bin wie besoffen, nicht nur mit Hilfe von Budweiser…..Schlag auf Schlag kriegen wir in die Gelenke, mit „Arch“ schwebe ich so langsam, aber sicher, in den Hafen der vollkommenen Glückseligkeit, was für ein Abschlußfeuerwerk….!
Ich bedanke mich sehr herzlich für die Gastfreundschaft, die Akkreditierung und bei allen Beteiligten, es war mir wahrhaftig ein Fuzzfest….(volker)

 

Fuzzfest Vienna

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