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Delta Moon – Cabbagetown

(hwa) Es war wohl gegen 2008, als ich auf Jukejoint Blues Radio aufmerksam wurde. Für mich war das eine meiner ersten „Social-Radio“-Plattformen. Na jedenfalls hatte ich irgendwo „Clear Blue Flame“ von Delta Moon gehört und war hin und weg. Ich hatte angefragt, den Titel doch bitte zu spielen, aber Volker musste passen. Ab zehn Uhr abends war dann Tony Joe Gardner auf Sendung und spielte den Titel. Ab da war ich bei jeder Sendung von ihm, Rosie und Volker dabei. Und kaufte mir das „Clear Blue Flame“-Album. Ich verfiel Delta Moon. Die beiden begnadeten Slidegitarristen (Tom Gray & Mark Johnson) sind in jeder Hinsicht outstanding …

„Cabbagetown“, ihr achtes Album, überrascht. Insbesondere der Opener „Rock and Roll Girl“.
Was ist da los? schoss es mir spontan durch den Kopf.

Mittlerweile sind Delta Moon so groß und selbstbewusst, dass sie sich trauen, sich selbst und das Business auf den Arm zu nehmen. Siehe also „Rock and Roll Girl“. Text und Arrangement strotzen nur so vor Rock-Klischees: Zum Beispiel, dass die Eltern Farmer waren, später in die Stadt umzogen, wo der Protagonst – die Ich-Person im Song – geboren wurde. Anschließend zog man von Stadt zu Stadt. „Ich wurde nirgendwo richtig heimisch, passte nirgendwo richtig rein“ heißt es weiter, „und deshalb schloss ich mich einer Rock and Roll Band an und sah fortan die Welt nur noch durch den Schleier von One-Night-Stands“.

Die Band lässt dazu verlauten: “It’s an autobiography of roots-rock dreams with a Springsteen like appeal”.

Köstlich gelungen!

In “The Day Before Tomorrow“ sowie in „21st Century Man“ werden sie philosophisch. Das Fazit von “The Day Before Tomorrow (Is the only day we got)“ lautet: Carpe diem bzw. lebe in der Gegenwart.

In “21st Century Man” geht es um die Frage, was diesen Menschen überhaupt ausmacht. Ist es der Konsumterror (dass man immer das Neueste haben muss?), ist es Konsumverzicht oder eine Mischung aus beidem, gepaart mit Demut?

Für mich ragen aber drei andere Songs noch ein bisschen stärker heraus.

Wie „Refugee“ zum Beispiel. Mit einem Honky Tonk Piano der feinsten Art unterfüttert, voller Empathie und herzergreifend umgesetzt. Eine bemerkenswerte Anklage gegen das Elend aller, die weltweit auf der Flucht sind. Der Song schlägt den Bogen von den vietnamesischen Boatpeople in den 1970er Jahren bis in die Gegenwart.

Eine männliche Stimme formuliert: “In this whole wide world we got nowhere to be, so we keep walking, my family and me”. Eine weibliche Stimme spricht: “It’s me, Ashja, I’ve come here on a boat, full of so many people, it could barely float. I’ve been raped and beaten…”

Ein weiteres Highlight von „Cabbagetown“ ist die Coverversion von Son House und seinem legendären „Death Letter“-Hilfeschrei eines Häftlings, der hingerichtet werden soll.
Grandios von Delta Moon transformiert.

„Sing Together“ heißt der letzte Track des Albums.
Gospel, Hupfdohlen und pure Emotion dominieren den Song.
„Sing together, children, feel it in your heart, sing together, children, that’s a place to start” entfaltet einen geradezu hypnotischen Drive.

Ich hab das mal recherchiert. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Singen in Gemeinschaft gleich doppelt hilft. Es kann sowohl sozialer Isolation entgegenwirken als auch nachhaltig positiv das körperliche Wohlbefinden stärken. Die Pulsfrequenz wird reguliert und gleichzeitig werden Glückshormone ausgeschüttet.
Wenn man so will eine veritable Möglichkeit, den gesellschaftlichen Dissens zu kanalisieren. Wer zusammen singt, schlägt sich nicht die Köpfe ein…

„Cabbagetown“ von Delta Moon ist ein Glücksfall.

Und was ist der Kitt, der die Songs wie von Geisterhand zusammenhält?
Genau: Dieser unglaubliche, mich in die Knie zwingende Slide.
Gänsehaut!

(Heinz W. Arndt)

Delta Moon „Cabbagetown“
10 Tracks
Jumping Jack Records / in-akustik
VÖ Germany: 19. 05. 2017

Lineup:
Tom Gray: Vocals, lap steel guitar, guitar, keyboards, harmonica
on Track 9
Mark Johnson: Vocals, guitar, mandoguitar, lap steel guitar on 1
Franher Joseph: Vocals, bass, upright bass on 3 and 9
Marlon Patton: Drums and percussion
Kyshona Armstrong: Vocals on 1, 2, 5 and 10
Susannah Masarie: Vocals on 1, 2 and 4
Jon Liebman: Harmonica on 7

Titelfolge:
Rock and Roll Girl 3:44
The Day Before Tomorrow 3:32
Just Lucky I Guess 3:40
Coolest Fools 2:51
Refugee 3:46
Mad About You 3:24
Death Letter 5:59
21st Century Man 3:35
Cabbagetown Shuffle 2:31
Sing Together 3:47

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