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Das Dritte Ohr – Zahltag

ohr(vo) Musikalische Sozialisierung und Perlen an`s Licht zerren Teil 1:

Wetterfester Blues & Boogie in unserer Sprache!
So steht`s auf der LP Hülle!
Wie wahr!
Das Dritte Ohr möchte, das mann/frau möglicherweise versteht, um was es geht, ohne Langenscheidt, Duden und Wikipedia!
Die LP erschien 1980 bei Telefunken, produziert vom Ohr und Manfred Miller, der auch den überaus vergnüglich zu lesenden Text auf der Rückseite der LP Hülle verfasste.
Und eine vielsagende Definition aus diesem Text lautet: Und wenn du den täglichen be- und gedruckten, gehörten und gesehenen Horror konsumiert hast merkst du: Blues ist, mit klarem Menschenverstand, die Volkskrankheit Nummer 1. Und gegen den Blues hilft nichts so gut wie eine gute Bluesband! Und hier ist keine gute, sondern eine sehr gute: Das Dritte Ohr

Die Band:

Udo Wolff – Gesang, Harmonika
Tom Schrader – Gitarre
Helmut “ Boogie “ Meyer – Baß, Gitarre
Ferdi “ Flachmann “ Peters – Schlagzeug

1968 gegründet von Udo Wolff, vor dem „Zahltag“ erschien 1978 „Pur (Blues & Boogie)“, noch englisch.
Schwärzester Chicago Blues aus Hildesheim.

Die vier Herren spielen und singen einen Blues, wie er „motherfuckiger“ nicht sein kann: herb, derb, rauh, direkt in die schwarze Seele vortastend und zugreifend, Texte ohne erhobenen Zeigefinger, mitten aus dem Leben, Blues als gesungene Geschichte, so das Credo von Sänger Udo Wolff.
Und mit dieser Wolffröhre, Biergläser und Kornflaschen zerstörend, und der Harp, die klagt oder jubelt, singt oder röchelt, weint oder lacht, aber keinesfalls greint.
Tom Schrader Gitarre, eine, die dir die Pelle abzieht, zum Niederknien gut, tolle Solis ohne Schnickschnack und ohne Frickelgeschrader.
Boogie Meyer und Ferdi Peters sind die perfekten Groover und Bluesfundamentalisten!

Der erste Titel beschäftigt sich mit dem Phänomen, das manche Leute nach dem Geldfassen am „Zahltag“ mal eben losmachen: Zigarettenkaufen am Bahnhof, saufen (der Korn schmeckt auch ohne Zähne), Stromausfall im Hirn, weitermachen…..und ein Happyend mit Verlusten! Ein Blues mit vollständigem Gartenzaundeckel, ohne Girokonto und Dispo.
Weiter gehts mit einem Boogie satt: „Wenn die Sonne sinkt“, Tom haut rein und du wachst später an der Klowand auf und die Band ist weg.
Ein göttlicher Slowblues über ein etwas „loses“ Frauenzimmer mit Namen Rita folgt: Mensch Rita, was hast du gemacht? Wo warst du letzte Nacht und von wem sind die Knutschflecke? Deine Lügen sind dicker als mein rechter Arm…..
Zum Abschluß der ersten Seite besuchen wir die „Mordwest – Stadt“, ein Beton Ghetto Blues mit den bemerkenswerten Textzeilen: Keiner kennt keinen mehr und gäbe es einen Gott müßte er schon längst seinen Arsch aus den Wolken strecken, um dieses Viertel zuzuscheißen, wo die Leute im Beton verrecken“. Noch Fragen?

Seite 2 beginnt mit einem beschwingten „Maibock“ Boogie, ein leckerer, instrumentaler Dreifachbock.
Anschließend packt uns die „Kalte Wut“ in einem weiteren Slowblues: zum Jubeln Junge, gibts wirklich keinen Grund. Trotzdem: Gitarre und Harmonika lassen den Zuhörer jubeln, Ferdi und Helmut grooven wie die Hölle!
Boogie hinterher: und zwar über den Ärger mit einem weiblichen Teil der Bevölkerung, Titel „Bleib weg“, Essenz: Scheiße, dann zieh ich Leine…….
Der „Schwarze Wurm“, ein Slowblues der Bluesklasse „schwärzer geht nix“, Fakt: selbst ein besserer Schnaps könnte den schwarzen Wurm nicht ertränken im leeren Wartesaal des Lebens.
Der famose Abschluß der bis heutzutage meistverkauften Bluesproduktion einer deutschen Band ist den „Disco Fuzzies“ gewidmet: Boogie pur mit dem Motto: Von den ganzen Whisky Cola Willis und den Miniplis in der Schicki Micki Geisterbahn wird mir ganz mies…..

Auf der 1997 erschienenen CD gibt es noch drei Bonusstücke, zwei Demoaufnahmen aus dem Jahr 1985 und vom Chess Album “ Black & White Blues “ der Beitrag vom Ohr mit dem Titel “ Yo-Yo Woman “ .
Wie heißt es weiter oben im Text der kalten Wut: Bestimmt kein Grund zum Jubeln, Junge!
Für mich schon, diese LP und auch die CD sind mit das Feinste in meiner Bluessammlung und ein bedeutender Beitrag meiner musikalischen Sozialisierung: euch leihe ich vergnügt und gerne ein Ohr….(volker)

Rita

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