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Disen Gage – Nature

(as) „Nature“ ist das neuste Werk im illustren Schaffen von „Disen Gage“, die internationales Renommee genießen wie nur wenige andere russische Bands und dennoch „nur“ die „Special Interest“-Sparte bedienen. Die 1999 gegründete Band frönt hier in drei jeweils über eine Viertelstunde dauernden Tracks ihrer Vorliebe für reine Klangkulissen und lässt sämtliche Konventionen strukturierter Musik im herkömmlichen Sinn hinter sich.

Dabei lässt sich das Ding nicht einmal unter „Easy Listening“ einordnen, denn Ambient, so wie „Disen Gage“ ihn verstehen, ist praktisch das Gegenteil dessen, was der Name der Band suggeriert. Statt dem Hörer nämlich freizustellen, ob er sich auskoppelt oder nicht, verlangen die Musiker, die aus dem Moskauer Studentenmilieu hervorgegangen sind, unbedingt Engagement, also eine aktive Teilname des Rezipienten an dem, was sie da tut.

Man sollte also Fantasie mitbringen, um einen Mehrwert aus „Nature“ zu ziehen. Dann ist beispielsweise das einleitende Planet so etwas wie ein Ausschnitt der Aufnahme eines Raumschiff-Flugschreibers (sollte es so etwas geben), auf dem sich interstellares Rauschen und piepende Messinstrumente zu fast rhythmischem Proto-Industrial verbinden. Erstaunlich, aber lässt man sich wirklich auf diesen Sound ein, wird man unwillkürlich in seinen Bann geschlagen.

Nicht minder einlullend gestaltet sich „Trains“, wobei man sofort an Brian Enos „Music For Airport“ unter anderen Vorzeichen denken muss. Unterdessen quietschen Bremsen auf Schienen, draußen vor der Bahnhofshalle pfeift der Wind, und weil die Decke so hoch ist – wir sind mindestens in einer größeren Stadt und an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt –, verhallt alles im Nirgendwo. Zwischendurch rast eine lange Reihe von Güterwaggons vorbei, und man tritt unbewusst zurück, um nicht genauso fortgerissen zu werden wie von den Geräuschen selbst.

Bleibt noch „Animals“ wo man sich – natürlich – in einem Dschungel wähnt. Gezwitscher und verwandte Laute werden abermals von rhythmischen Nuancen unterfüttert, deren Ursprung und Beschaffenheit sich nicht konkret beschreiben lässt. Dafür zeigen sie erneut jene Wirkung, die schon das erste Stück ausmachte: man fühlt sich wie hypnotisiert und würde einschlafen, wären da nicht wiederholt Soundmodulationen, die anders als zuvor wirklich eine musikalische Bewegung andeuten.

„Nature“ ist aufgrund seiner emotionalen Qualitäten und dank des klar fassbaren Konzepts hinter den Tracks ein überdurchschnittlich starkes Ambient-Werk.

Label: BNiL

http://noname666.bandcamp.com

48:33

Planets 16:25

Trains 15:25

Animals 16:42

Andreas Schiffmann

Filed under: Album Reviews,

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