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I Will Kill Chita — Cargo Cult

(as) Zu den bekanntesten Namen der Rockszene in der russischen Hauptstadt gehören „I Will Kill Chita“ definitiv nach mehreren denkwürdigen Veröffentlichungen unter verschiedenen Labels, und was das Sextett um die Geschwister Samarin (Schlagzeug, Gitarre und Keyboard) 2016 für BNiL einspielte, geht prosaisch gesprochen als ihr bislang „schönstes“ Werk durch.

Was heißt das? „Cargo Cult“ ist ein Traum aus sachte fließenden Synthesizer-Melodien, zurückgelehnter Rhythmusarbeit und freischwebenden Gitarren, das die Eigenbeschreibung der Truppe – „Symphonic Punk“ – keineswegs wie eine Worthülse erscheinen lässt. Der Begriff „Cargo Cult“ steht übrigens für sektenähnliche Gemeinschaften, die sich insbesondere in rückständigen Gesellschaften bilden, wenn die Moderne dort unvermittelt Einzug erhält, ob heute im Rahmen der Globalisierung oder früher in der Ära des Kolonialismus. Dabei werden beispielsweise technische Alltagsgegenstände aufgrund ihrer Unbegreiflichkeit religiös aufgeladen und verehrt.

„I Will Kill Chita“ möchten damit auf die Fragwürdigkeit von Idolen, Sippenhaft und Zweckgemeinschaft hinweisen, doch statt als schwere Kost erweist sich die Musik dazu als so einschmeichelnd, wie man es von der Gruppe gewohnt ist. Beim lehrbuchmäßigen Post Rock von „Keine Angst“ hängt der Himmel am Ende buchstäblich voller Geigen, womit ein Bezug zur ähnlich traumhaften Einleitung „Survival Instruction“ hergestellt wird.

Die beiden Tracks klammern den eher eklektischen Mittelteil der EP, der bisweilen so klingt, als sei Klaus Schulze bei einer Fusion-Kapelle untergekommen, oder den Astro-Beat von Hidria Spacefolk wiederaufleben lässt, speziell während der tänzerischen Passagen in „Patris et Filii et Spiritus Sancti“. Zuvor behilft sich die Band Entlehnungen aus der englischen Dub-Bewegung, um „Cho Blya!?“ zu einem unverhofften Kopfnicker zu machen.

Der einzige Wermutstropfen dieses kurzweiligen Songkleeblatts besteht darin, dass die Gruppe eigentlich immer dann den größten Spaß bereitet, wenn sie mit den avantgardistischen Momenten von Faith No More gleichzieht – auch gesanglich, wohingegen sie hier weitgehend instrumental aufspielt und neuerdings harmoniesüchtig zu sein scheint.

Andererseits darf man sich angesichts der allzeit unberechenbaren Haltung der Mitglieder darauf gefasst machen, dass ihr nächster Release erneut gänzlich anders gestrickt sein wird.

Label: BNiL

http://noname666.bandcamp.com

18:23

Survival Instruction 04:55

Cho Blya!? 04:05

Patris et Filii et Spiritus Sancti 03:36

Keine Angst 05:46

Andreas Schiffmann

Filed under: Album Reviews, Postrock, Rock,

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