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Eric Bibb – Global Griot

(ro) Der Titel dieses neuen Doppel-Albums von Eric Bibb könnte passender nicht sein: „Global Griot“ – globaler Barde.
Denn Herr Bibb wird es niemals müde, mehr als jemals zuvor zu beobachten und nachhallen zu lassen, was aktuell in der Welt geschieht.
Was genau unter einem „Griot“ zu verstehen ist, wofür er steht und was er tut, wird schon gleich auf der ersten Seite des beiliegenden wunderschönen Booklets erklärt, nämlich:

„Griot (in Westafrika) – ein Mitglied einer Gruppe der Gesellschaft, die verantwortlich ist für die Aufrechterhaltung der mündlichen Überlieferung der Stammesgeschichte durch Musik, Lyrik und das Erzählen von Geschichten.“
Und so nimmt Eric Bibb den Hörer mit in eine faszinierende, lebensweise musikalische Welt aus modernem Blues, Folk, Soul, Gospel und afrikanischen Klängen, die wahrlich unter die Haut geht.

Rund 15 hochkarätige Musiker – z.B. Schwedens Stargitarrist Staffan Astner, Reggae-Legende Ken Boothe aus Jamaika, Big Daddy Wilson, Harrison Kennedy, Michael Jerome Brown, Linda Tillery und zwei außergewöhnliche West-Afrikanische Musiker – der schillernde und brillante, malische Gitarrist und Sänger Habib Koite, sowie der Senegalese Solo Cissokho, dessen Kora-Spiel eines der Schönheiten dieses Doppel-Albums darstellt – sind an „Global Griot“ beteiligt.

Ja, die Liste dieser unglaublich talentierten Musikerschar, die zusammen mit Eric Bibb dieses außergewöhnliche (Hör)Erlebnis geschaffen haben, ist lang und das Ergebnis ist ohne Frage beeindruckend.
Das ganze Album ist von höchstem Niveau, steckt voller Überraschungen, Kreativität und sprudelnder Ideen.
Kein Song ähnelt dem anderen, nicht in den Arrangements, nicht in der Art des Vortrags und nicht in der Auswahl der Instrumente.
Jedes Stück ist etwas Besonderes, ein Unikum, einzig die Themen der Songs gleichen sich: nämlich mit Soul und Spirit, Nächstenliebe und Toleranz zusammenhalten, sich nicht unterkriegen lassen und der Welt die Stirn bieten.

Und dann wären da noch Lyrics, die man oft genug erst einmal sacken lassen muss, weil sie nicht einfach nur überzeugen, sondern auch die Herzen der Hörer berühren.
Zumindest meines.
Sie zeigen immer wieder, dass starkes Songwriting nicht auf Wirklichkeitsferne und Überzeichung setzen muss, sondern dass es sich auch über das definieren kann, was nur angedeutet oder gar ungesagt bleibt.

„Global Griot“ ist somit keine reine easy Wohlfühlplatte, sie vermittelt eher die Erkenntnis, dass man nicht unbedingt mit dem Kopf durch die Wand wollen sollte, sondern dass man sich leider manchmal mit Dingen abfinden oder auch seine eigene Handlungsweisen in Frage stellen muss.
Nicht nur nachdenken, nicht nur warten, sondern handeln, und das nicht irgendwann, sondern möglichst schnell, das ist z.B. auch das Credo von „We don’t care“, dessen Wirkung mit einem erhebend-bewegendem Rhythmus noch betont wird:
“ We want the cool running shoes – Dont care who made em – Dont care if they go to school – Or what the company paid em – The gap is growing wider – Between the rich and the poor – We got everything we need – But we still want more – We dont care, we dont care, we dont care“.
Die Hinwendung zum gedankenlosen Materialismus und der Mangel an Solidarität, dem so mancher mehr oder weniger anheimgefallen ist, ist auf jeden Fall ein Thema und mindestens so sehr Aufforderung wie ernsthafte Nachfrage.

Es gibt auch zwei wunderbare Cover-Songs zu hören, die ursprünglich in den 50-er Jahren aufgenommen wurden.
Da wäre einmal Ed McCurdys „Last Night I Had The Strangest Dream“, eine Hymne der Friedensbewegung, die u.a. von Simon and Garfunkel, sowie von Johnny Cash oder Pete Seeger gecovert wurde.
Hier präsentieren uns Eric und Ulrika Bibb eine gänsehauterzeugende Version, in der der fast intime, zärtlich zurückhaltender Gesang ein wahrer Genuss ist.
„I dreamed I saw a mighty room – The room was filled with men – And the paper they were signing said – They’d never fight again….“

Zu anderen ist es Big Bill Broonzys „Black, Brown and White“, ein auch heute immer noch relevanter Song und ein tiefgründiges Stück Musik voller Schmelz und Gefühligkeit, das man in einen großen Kontext setzen sollte.
Denn die pointierte, subtile Bitterkeit, die die in diesen Songzeilen immer wieder angedeutet wird, lässt den Hörer nicht in Ratlosigkeit oder gar Kapitulation zurück, sondern fordert indirekt zum Handeln auf.

Über den ganzen Globus verstreut fanden die Aufnahmen für dieses Album statt, in Frankreich, Schweden, Jamaika, Ghana, Kanada, UK und in den USA.
Beim Blättern durch das sehr schöne und informative Booklet findet man immer wieder stimmungsvolle Fotos von den Aufnahmesessions, die zeigen, wieviel Spaß und Freude die Musiker bei der Erstellung dieses Albums hatten.
(..Rosie..)

Songliste: Disk 1

1. Gathering of the tribes
2. Wherza money at
3. Human river
4. What’s he gonna say today
5. Brazos river blues
6. We don’t care
7. Black brown and white
8. Listen for the spirit
9. Hoist up the banner
10. Mami wata/sebastian’s tune
11. Send me your jesus
12. A room for you
13. Remember family

Songliste: Disk 2

1. Race and equality
2. Grateful
3. All because
4. Spirit day
5. Let god
6. Last night i had a dream
7. Picture a new world
8. New friends
9. Mole in the ground
10. Michael row the boat ashore
11. Needed time

http://www.ericbibb.com/
http://www.dixiefrog.com
www.hart.de
Foto: Graham Spillard/Media Eric Bibb

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