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Schwarzbrenner – Bestürmte Schiffe

Zeitgenössischer Blues-, Rock- und Balladen Sound aus Ratingen

(ro) Schon stürmt wieder der Herbst heran, wirbelt die Blätter über die Straße, lässt die Tage kürzer werden und die Sonne hinter trüben Wolken verschwinden.
Kurzum, die langen Abende beginnen. Das darf sich ruhig auch musikalisch niederschlagen.
Wie wäre es mit Musik, die keine großen Töne spuckt, die vielmehr innehält und authentisch vermittelt, dass das Leben zwar kein Ponyhof ist, aber dass es dennoch jeden Atemzug lohnt?

Die neue CD der 1995 gegründeten Ratinger Band „Schwarzbrenner“ wäre dafür ganz wunderbar geeignet.
„Bestürmte Schiffe“ heißt sie und vermittelt mit ihren tiefgehenden, gedankenreichen und sensiblen Songs ganz viel Stimmung und Nachdenklichkeit.
Wolfgang Becker (Gesang, Gitarre), präsentiert hier zusammen mit Theofilos Fotiadis ( Bass) und Björn Krüger (Schlagzeug, Percussions) einen nicht nur optischen Leckerbissen in Form von sehr gelungener Aufmachung und Artwork, sondern auch ein außergewöhnliches, musikalisch hervorstechendes Kleinod.

Wolfgang Becker (Gesang, Gitarre) präsentiert mit „Bestürmte Schiffe“ seine 10. „Schwarzbrenner“-Veröffentlichung.

Wie sagt es Wolfgang Becker selbst?
„Angeregt durch die erfreuliche Resonanz auf Vertonungen der beiden Barock-Dichter Andreas Gryphius ( 1616-1664) und Paul Fleming (1609-1640) auf der letzten CD „Reiseleben“ (hier bei uns nachzulesen) entstanden in relativ kurzer Zeit genug Songs, um ein ganzes Album mit Texten dieser beiden Dichter zu produzieren.“

Und das hat es in sich.
Denn Andreas Gryphius und Paul Fleming gehören zu den bedeutendsten Lyrikern der deutschen Barockliteratur, die in poetischer, eindringlicher und teils verzweifelter Form auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind.
„Bestürmte Schiffe“ nimmt sich besagten Gedichten in einer Melange aus Blues, rockigen Elementen und Soul Folk in dem so ganz eigenen „Schwarzbrenner“-Stil an, wobei die feierliche Andächtigkeit, die den Kern barocker Gedichte darstellt, stets gewahrt bleibt.
Hier wird eindrücklich gezeigt, dass es sich durchaus lohnt, Texte einmal aus ihrer vertrauten Umgebung zu holen und in einem ganz neuen, ungewöhnlichen Gewand zu präsentieren.
Und zwar voller Respekt.
Diese Behutsamkeit, der jede Theatralik fremd ist, wird auch im Gesang von Wolfgang Becker greifbar.
Seine Stimme beherrscht dieses Aufgehen in Gedanken, entwickelt in ihrer Beiläufigkeit eine überaus ausdrucksstarke, emotional melancholische Ausdruckweise.

Der Hörer wird begleitet auf einen Neun-Songs-Trip der etwas anderen Art, der unter die Haut geht und auf den es sich einzulassen unbedingt lohnt.

In dem Track 6 zum Beispiel, betitelt „Der Mensch, das Spiel der Zeit“ erzählen die Lyrics des Andreas Gryphius von der unwiderbringlichen Vergänglichkeit von Erinnerung:
„Was gestern war ist hin, was jetzt das Glück erhebt – wird morgen untergehen, die vorhin grünen Äste – sind nunmehr dürr und tot, wir Armen sind nur Gäste “

Ja, so manches Mal mögen auf alten Grabsteinen noch Namen erhalten geblieben sein, die Schicksale derjenigen jedoch sind schon lange vergessen.
So erscheint das Schaffen des Andreas Gryphius, das geprägt war von den Leiden und Erfahrungen seiner Zeit, speziell den Schrecken des 30-jährigen Krieges, sowie der Unruhe, Einsamkeit und Zerrissenheit der Menschen, schwermütig, getragen und doch zugleich hellwach.

Auch Paul Flemings lyrisches Ich ist in inneren und äußeren Widrigkeiten gefangen, ernährt sich von Sehnsucht, hin und wieder einem kleinen Glück und der Hoffnung auf Zufriedenheit.
So heißt es in dem Song „Zur Zeit seiner Verstossung“, der in einem irgendwo zwischen Tagtraum und spröder Nachdenklichkeit angesiedelten Ambiente von dem Ringen um Seelenfrieden erzählt:
„Mein Herz wird zerrissen – Mein Sinn ist ohne sich. Mein Geist zeucht von mir aus – Mein Alles wird nun Nichts. Was wird doch endlich drauß? – Wär eins doch übrig noch, so wollt ich alles missen.“
Eine beklemmende Momentaufnahme, die von den virtuosen Musikern songdienlich und auf eine klischeefreie Art und Weise interpretiert wird, die sehr berührend ist.

Insgesamt ist „Bestürmte Schiffe“ ein spannendes Album, auf dem eine feine Mischung aus herben und zartfühlenden Tönen und Texten zelebriert wird.
Denn hier sind Musiker am Werk, die mit viel Liebe und Leidenschaft bei der Sache sind.
Sie scheinen gar regelrecht in die teils düsteren, ungewöhnlichen Texte und gleichzeitig in ihre Instrumente hineinzukriechen, um die barocke Dichtung noch prächtiger vor unseren Ohren auszubreiten.

Empfehlenswert sicherlich für Leute, die keine Scheu vor dem Überqueren von Genregrenzen haben und/oder sich einmal eine Übersicht über Bands verschaffen wollen, die sich mit anspruchsvollen deutschen Texten dem Publikum stellen.
(..Rosie…)

Songliste:

1.) In dieser Einsamkeit (Band Version)
2.) Wie es mir gestern ging
3.) Der Nebel ist vorbei
4.) Oh Gott was rauhe Not
5.) Der schnelle Tag ist hin
6.) Der Mensch, das Spiel der Zeit
7.) Kein Freud ist ohne Schmerz
8.) Ich bin nicht, der ich war
9.) Zur Zeit seiner Verstossung

Aufgenommen, gemischt und gemastered von Marc Sokal im Carousel Productions Studio Wuppertal
Produziert von Marc Sokal und Wolfgang Becker

Wenn Ihnen diese Musik gefällt, können Sie die CDs und die DVD unter cdkaufen@schwarzbrenner.de bestellen.

„Schwarzbrenner“ CDs und Songs sind bei allen führenden Downloadshops bestellbar bzw anspielbar, u.a. bei iTunes, Amazon, Musicload, Musicstar, 7digital u.v.a. mehr.

Wer mehr über die Band lesen möchte, der kann dann mal hier klicken: http://www.schwarzbrenner.de

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