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UP IN SMOKE Vol. VI – München – 23.02.2016

MSK-TitelMy Sleeping Karma + Greenleaf + Mammoth Mammoth

(ch) Unter der Flagge der Up In Smoke Tour Vol. VI, die „Sound of Liberation“ veranstaltet, kam ein wirklich gewichtiger Soundbrocken direkt vor unsere Münchner Konzerthaustür. Diese drei Bands, aus dem Labelstall von Napalm Records, bescherten der anwesenden Hörgemeinde einen wahrhaft abwechslungsreichen Abend.

Am Start standen die australischen Haudegen ‘Mammoth Mammoth‘, die seit Ihrem letzten soundgewaltigen Werk ihren kraftvollen, rotzigen Sound nun auch Live unter Beweis stellen wollten. Sie beschreiben ihren Sound selbst gerne als „Good-time Murder Fuzz“. Der jüngste Tonträger, „Hell’s Likely“, erschien in Europa eben bei Napalm.
Den atmosphärischen Druck darf man dann bei ‘Greenleaf‘ einatmen. Diese schwedische Band wollte, ihre 15 jährige Bandgeschichte und das neue Album im Gepäck, ordentlich abfeiern. Das neue Album „Rise Above the Meadow“ erschien Anfang 2016.
Der Up in Smoke Dreier wurde von ‘My Sleeping Karma‘ komplettiert. Sie liefern Emotion und Tiefgründigkeit und nicht den schnellen Kick. Was nicht heißt, dass MSK nicht auch richtig aufdrehen können. Zumindest werden wir viele langmähnige Matten bei Seppis Gitarren Spiel fliegen sehen. Ihr brilliantes Werk „Moksha“ erschien 2015.

Feierwerk

An diesem kühlen regnerischen Dienstag kamen viele treue Fans ins feierfreudige Soundwerk. Die Halle war somit ziemlich satt gefüllt und deshalb konnte uns diese knackige, nasse Februarkälte vor der Tür egal sein. Erstaunlich viele junge Leute, plus einem großen weiblichen Fananteil waren zugegen. Es spricht also ebenfalls für die vielseitige musikalischen Bandbreite, die sich mit dieser Soundkombi durch alle rockigen Altersgruppen bewegt.
Zuerst mal hieß es, den Merchstand zu begutachten. Dort lag ja neues Vinyl am Start. Natürlich musste das neue Prachtstück von Greenleaf und dazu „Secret Alphabets“ in Rot mit. Also schnell her damit bzw. erst mal zurück legen lassen, damit man später noch die Signaturen der Jungs auf das sehr schöne Inlay bekommt. Nun konnte es losgehen.

MMammoth

Mammoth Mammoth aus Melbourne brachten mit „Dead Sea“ von Anfang an die Halle zum erzittern. Beinhart und ohne jeglichen Schnörkel, somit direkt auf die Zwölf. Der singende Vorstand der Combo, der dauergeladen und wie besessen seine Statements in den Saal abfeuerte, brachte mit der riffenden Rythmusfraktion während der gesamten Show richtig Stimmung in die Bude. Tucker machte seine Stimmbänder dazu mit einer Flasche ‘JD-Umdrehungstee‘ geschmeidig. Wohl bekomm‘s!
Mit fetten, nie nachlassenden Riffs trieb er die Songs weiter an die Spitze. „Fuel Injected“ schaffte locker die Balance zwischen den explosiven Instrumentalpassagen, in einer Frequenz, die schier überwältigte. Jeder Song nistete sich unwiderstehlich in den Kopf ein. Die satt gespielten Gitarrenriffs sorgten für ein mächtiges Biest, wie „Sittin Pretty“. Tucker ist deutlich anzusehen, wie viel Spaß er bei der ganzen Sache hatte. Je länger die Show dauerte, desto mehr taute er auf.
Immer wieder interagierte er mit dem Publikum, immer wieder suchte er die Nähe zur Hörerschaft, streute kurze Ansagen ein, rannte durchs Publikum und bewies sukzessive, dass sein Ruf als exzellenter Front-Derwisch nicht von ungefähr kommt.
Dazu jagte ein Riffkracher den Nächsten wie das geradezu explodierende „Life`s a Bitch“, welches das aktuelle Zeitgeschehen mehr als treffend zu charakterisieren schien. Mit dem Schlussstück aus ihrer letzten EP, „Kick out the Jams“, verabschiedeten sich Mammoth Mammoth von der Bühne. Eine klasse Vorstellung der Band. Der Applaus war dann völlig verdient.

Greenleaf

Danach kam „Greenleaf“. Die vier Burschen aus Borlänge bildeten keine Ausnahme. Nach dem Einheizerset der Australier ging es gleich munter-energetisch mit dem Opener „Case of Fidelity“ weiter. Mit dem Dozer-Saitenexperten Tommi Holappa stand ein Gitarrenmeister sondergleichen auf den Brettern, der sich wild durch die Gitarrensolis pflügte.
Die Rhythmusabteilung, bestehend aus Sebastian Olsson (Drums) sowie dem neuen Bassisten Hans Fröhlich, verrichteten genauso erstklassig ihren Job, mit strammen Basslinien und das fantastische Rockgemisch nach vorne treibend. Der Megasong „Depth Of The Sun“ war ein sehr gutes Beispiel dafür.
Mit Arvid Jonsson begrüßten wir dazu einen charismatischen und stimmgewaltigen Frontmann. Er stand Tucker in Punkto Bühnenpräsenz in nichts nach. Musikalisch war dieser Mix aus 70er-Underground-Rock mit Blues- und Psych-Einflüssen schon aller Ehren wert. „With Eyes Wide Open“ glänzte mit Holappas Psych-Eröffner auf seiner fantastischen Gitarre. „Ocean Deep“ war ein weiterer Riesensong der Jungs. Er sollte eigentlich einen Platz in der Rockgeschichte finden, so erstklassig wurde er vorgetragen. Holappa zog mit seiner Gitarre alle Register. Arvids Gesang kam in jeder Phase vollends zur Geltung.
Die wuchtigen Gitarren und der treibende Rhythmus waren die Eckpfeiler zu Ihren einzigartigen Songs. Hier gab die Band insgesamt Ihr absolut Bestes und es wurde eine großartige Show abgeliefert. Der Zugabe fordernde Fan-Applaus war Ihnen zum Abschluss sicher.

MSK

Zeit für den Headliner des Abends, „My Sleeping Karma“. Ihren trippy, schamanischen Instrumental Rock genießt man einfach. Und der Anblick der beiden bärtigen Bass- und Gitarrenriesen war wieder mal beeindruckend.
Die zarten melodischen Soundlinien kamen kohärent und unvorhersehbar wie bei „Ahimsa“. Ein eloquenter Groove-Teppich, auf dem das Geschehen zwischenzeitlich in sich ruht, wurde hier ausgerollt. Musik voller obskurer Schönheit sowie in sich selbst genügender Komplexität und integrierter Schlüssigkeit. Ein ausgeklügeltes Wechselspiel zwischen Freiheit und Komposition.
Das Stück „23 Enigma“ entwickelte sich organisch nach eigenen Regeln. Nichts wirkt angestrengt, alles blieb im Fluss. Es entstand eine Musik, die unter Hochspannung intoniert wurde. Mit meisterlicher Sicherheit und der Ökonomie selbstbewusster Könnerschaft bewegten sich die Protagonisten durch den klanglichen Raum.
In „Glow 11“ gingen Sie aufeinander zu, reagierten aufeinander, entwickelten Übereinstimmung, Harmonie und Spannung. Also alles, was es für eine ordentliche musikalische Kommunikation braucht.
Mit der Liebe zum leisen Ton und zum Detail fand das Ensemble immer wieder zu reizvollen Klangbildern: Etwa in “Ephedra“ oder in “Brahama“, wenn Sie sich in einem Minimal-Muster treffen, das immer mehr an Fahrt gewinnt. Das waren aufregende Momente, die das Vierergespann aus Guitar, Bass, Drums und Keyboard einmal mehr mit erstaunlicher Souveränität präsentierte.
Lyrische Gelassenheit und plötzliche Impulsdurchbrüche, Präzision sowie Freiheit und Leichtigkeit wurden zelebriert. Eine Art spiritueller Rock, der den Sound über jedes Genre trägt. Was Matte mit seinen Jungs hier zeigten war einfach wieder Extraklasse. Diese Klänge sind wie greifbare Farben, aus denen man eine Vielzahl von Bildern zeichnen möchte. Die Fans dankten es frenetisch und entließen die Band nach einem langen Abend von der Bühne.

UIS-6

Somit machte das Feierwerk seinem Namen wieder alle Ehre und glänzte mit vielschichtigem Sound zum Abfeiern. Glückselig verließ die Fangemeinde das Hansa 39 und ging nach dieser Power-Vollbedienung zufrieden nach Hause. Bis zum nächsten Up in Smoke. Wir kommen ebenfalls wieder – ein musikalisches ‘Amen‘ drauf!…. (Charly – Tom & Jens)

My Sleeping Karma – Live In Paris – YouTube

Greenleaf – Live In Paris – YouTube

Mammoth Mammoth – Live In Paris – YouTube

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