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Vespero – Sonĝo

(as) Auf ihrem zehnten Studioalbum (Split-Veröffentlichungen mit anderen Bands und die bislang zwei Kollaborationen mit Ángel Ontalva nicht mit gerechnet, geschweige denn die vielen Live-Releases) und vierten Werk für das deutsche Label Tonzonen lassen es „Vespero“ wieder etwas bunter zugehen als auf „Hollow Moon“ vor drei Jahren, bleiben sich aber – was Wunder? – im Großen und Ganzen weiterhin treu.

Stilistisch sind die Gebrüder Fedotov und ihre Mitstreiter sowieso zu breit aufgestellt, als dass jemals grauer Einheitsbrei herauskommen könnte, doch auf „Sonĝo“ setzt sich zumindest eine Tendenz fort, die man schon seit einigen Jahren bei der Band zu erkennen glaubt: Sie hat es längst nicht mehr nötig, grell zwischen Extremen zu pendeln, sondern lebt ihre Liebe zur Vielfalt im kleinen Detail aus.

Das hat den entscheidenden Vorteil, dass sich „Vespero“ weiter denn je von Zeitgenossen abgrenzen können, die immerzu dick auftragen, weil sie glauben, andernfalls nicht wahrgenommen zu werden, was wiederum oft der Tatsache geschuldet ist, dass sie eigentlich nichts zu sagen haben. „Sonĝo“ ist unter diesen Voraussetzungen eine Platte, bei der die Kraft in der Ruhe liegt und der Fan bis zum letzten Ton unterm Kopfhörer gefesselt bleibt.

Vor allem spielt die 2003 gegründete Space-Rock-Band (im weitesten Sinne) aus dem russischen Astrachan einmal mehr eine Form von Weltmusik der anderen Art, wie man nicht nur an den verschiedenen Sprachen erkennt, die für die Songtitel verwendet wurden. Der für die allgemeine Stoßrichtung und umsichtige Haltung der Gruppe beispielhafteste Track auf „Sonĝo“ dürfte das traumhafte „Lebedivo“ mit flirrenden Synthesizern, mehreren Spuren Flöte und säuselnder Frauenstimme sein.

Das Stück wird zwischendurch mit sich zu einem Unisono verzahnenden Melodien regelrecht sinfonisch und endet mit wehmütiger Violine im Vordergrund, doch diese Stimmung bleibt natürlich nicht konstant erhalten. Nachdem man während „Le Papillon ou Moi“ an der südfranzösischen Küste entlanggefahren ist, entschwebt man mit „Cloudarias“ in höhere Sphären, wo bei aller Zurückhaltung trotzdem buchstäblich die Sonne aufgeht.

Beim längeren Leisetreter „Myth of Uqbar“, das die Gruppe gemeinsam mit dem Multi-Instrumentalisten Aleksej Esin komponierte, stechen Akkordeon und Fretless-Bass hervor, und auch wenn man in der abschließenden „Stymphalian Birds“ an den Peloponnes entführt wird, tanzt hier weder jemand Sirtaki, noch beschwören „Vespero“ den Zorn der olympischen Götter herauf.

„Sonĝo“ ist eben ein sachtes Album – was man allerdings nicht mit Gleichförmigkeit gleichsetzen sollte – und nimmt eine Sonderstellung der Diskografie der Band ein, weil es einen unverhältnismäßig hohen Reichtum an Melodien bietet.

music.vespero.ru

Tonzonen / VÖ: 29.10.

Ne enlitiĝu ĉe la Maro

Lebedivo

Le Papillon ou Moi

Cloudarias

Soños No Meu Pelo

Myth of Uqbar

Samaväya

Song of Opaque

Stymphalian Birds

Andreas Schiffmann

Filed under: Album Reviews, Diverse: von Afro - Worldmusic, Space, ,

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