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Monster Magnet + Support Saint Agnes im FZW Dortmund am 10.02.20

(text js, photos vo) Auch wenn ich mit „Sabine“ bis zuletzt nicht den Orkan, dem dieser Name verpasst wurde, sondern eher den alten Trio-Klassiker „Sabine, Sabine, Sabine“ verbunden habe, war es doch fein, dass eben jene „Sabine“ sich in und um Dortmund weitestgehend gnädig zeigte und somit Konzert samt Anreise problemlos von Statten gehen konnte.

Stürmisch ging es dann jedoch innerhäusig weiter. Musikalisch eben, auf der Bühne. Und zwar mit einer jungen britischen Band namens „Saint Agnes“. Deren Namensgeberin war im Übrigen kein wie auch immer geartetes unruhiges Lüftchen, sondern die Märtyrerin, geweihte Jungfrau und Heilige „Agnes von Rom“, die im Jahr 304 im Alter von 13 Jahren nach dem Gesetz erst vergewaltigt und dann hingerichtet werden sollte. Letztendlich wurde sie der Überlieferung nach enthauptet. Und etwas dieses morbiden Charmes transportierte die Band auch gleich auf die Bretter. Wenngleich musikalisch eher weniger im reinen „Horror-Punk“ beheimatet, gab sich das Quartett weitaus vielseitiger als von mir im Vorfeld vermutet.

Sängerin „Kitty Arabella Austen“, bisweilen auch mal Gitarristin oder Keyboarderin, ist sicherlich das Aushängeschild der Band, ohne den anderen Musikern damit zu nahe zu treten. In ihrer fulminanten Bühnenpräsenz erinnerte sie mich zwischenzeitlich an den jungen Iggy Pop und dann wieder an die großartige Juliette Lewis, wenn diese mal mit ihren „Licks“ unterwegs war. Sie schien wirklich absolut frei auf der Bühne zu sein; keine Angst vor irgendetwas, eine Eigenschaft, die dich als Konzertbesucher wie einen Teil der Band fühlen lässt.

Zu verorten ist die Musik grundsätzlich im „Garage Rock“. Starke, kraftvolle Riffs, die Jimmy Page, Jack White und die Könige und Königinnen des Delta-Blues ganz wunderbar und stimmig in sich kanalisieren. Es blueste, es punkte, es crossoverte einfach ganz wunderbar. Nie langweilig, dafür stets frisch und unverbraucht. Irgendwie umarmten „Saint Agnes“ an diesem Abend einfach die Wurzeln des „Rock’n’Roll“. Ich hoffe, dass man diesen Vierer alsbald wieder auf deutschen Bühnen sehen wird. So lange kann man – nein, sollte man – sich mit dem 2018er Debutalbum „Welcome To Silvertown“ bestens unterhalten. Mein Tipp: kaufen, hingehen, liebhaben! Ihr werdet es nicht bereuen.

Nach einer knapp 30minütigen Umbaupause war es dann endlich Zeit für „Monster Magnet“, die ihre aktuelle Tour beinahe komplett dem 98er Album „Powertrip“ widmeten. Für mich das Album, auf dem die Jungs um Dave Wyndorf erstmalig ein wenig ihrer psychedelischen Vergangenheit den Rücken kehrten und sich eher am „straighten“ Rock orientierten. Das ist die Musik, zu der man cool grinsend mit Kippe im Mundwinkel und Sonnenbrille auf der Nase in einem Dodge Challenger auf einem einsamen Highway direkt in Richtung Apokalypse rauscht. Für eine Liveperformance somit wie gemacht. Die zu erleben, so viel sei vorab verraten, sicherlich niemand bereute.

Das gut gefüllte „FZW“ erlebte an diesem Abend einen absolut fitten, entspannten, charismatischen und wie immer mit dem Publikum interagierenden Dave Wyndorf. Natürlich hat der Zahn der Zeit sichtlich an den „Kings Of Spacerock“ genagt, aber das ließen sie uns an diesem Abend kaum spüren. Von der Urbesetzung ist aber ohnehin ja nur noch Dave Wyndorf übrig, der nach übermäßigem Drogenkonsum vor einigen Jahren beinahe über den Jordan gestiefelt wäre, inzwischen aber wohl weitestgehend clean ist und statt berauschender Substanzen gern einmal ein gutes Tässchen Tee bevorzugt. Aber auch immer noch gerne mal die Diva zur Schau stellt. Ohnehin hatte ich bei ihm häufig den Eindruck, seine Bühnenperformance, sein Posen hätte auch prima ins künstlerische Portfolio der alten „Manowar“ gepasst. Sei‘s drum. Wenn es einer darf: wenn ein Künstler direkt vor sich auf der Bühne einen Ventilator aufstellen darf, um seine Haare wild wehen zu lassen – dann Dave! Der Typ gehört mit Sicherheit zu den letzten Frontsoldaten des „Rock’n’Roll“.

Mit „Atomic Crop“, „Tractor“ und „Crop Circle“ knallten uns die Jungs sodann die ersten Songs um die Ohren. Musikalisch aller Ehren wert, gesanglich auch. Mag sich eben einiges in den Jahren an Wyndorf verändert haben, stimmlich hat er keinen Deut an Qualität verloren. Und dass alte Weggefährten fehlen, fällt kaum mehr ins Gewicht, die Instrumente rocken trotzdem stonig, progressiv und fett wie zu ihren besten Zeiten. Hintereinander folgen, in veränderter Songreihenfolge, fast alle Stücke des „Powertrip“-Albums: „Temple Of Your Dreams“, „3rd Eye Landslide“, das lässige „See you in Hell“, das spacige „Baby Götterdämmerung“, das treibende „Bummer“ – allesamt energetisch dargeboten. Es wird schnell, hart, laut. Und bleibt es.

Ein einziger, ein einzigartiger Trip aus Heavy Metal, Punk, und einer Spur Blues. Leider ist der Gesang nicht ganz optimal ausgesteuert, zumindest dort wo ich stand. Für Hardcore-Fans allerdings kein Problem. Sie grölen eh alles mit. Überhaupt nahm man die Zuhörer jederzeit mit. Im Publikum wurden immer wieder die Fäuste in die Luft gereckt, die „Pommesgabel“ geformt, mitgebangt und ab und an war der Ansatz eines Mohspits erkennbar. Nach jedem Song wurde die Band dann auch mit lautem Applaus und Gepfeife belohnt. Und das, obwohl die Highlights des „Powertrip“-Album noch vor uns lagen. Sich aber nun anschlossen. Der Titelsong sowie das so wunderbar spacige und rotzecoole „Space Lord“. Es gab nunmehr kein Halten mehr im weiten Rund. Sowohl Band als auch Publikum rocken sich den Arsch ab. Und wenn Wyndorf sein „Space Lord“ intoniert, kommt ein „Motherfucker Motherfucker“ in ohrenbetäubender Lautstärke aus den Reihen zurück. Welch ein Spaß!

Im Anschluss an dieses Set aus 10 Songs zogen sich dann die Musikanten zurück und ließen knapp 10 Minuten auf sich warten, bevor sie für satte vier Zugaben wieder die Bühne erklommen. Mit „Twin Earth“ (vom 93er Superjudge), dem Robert Calvert Cover „The Right Stuff“ (2004, Monolithic Baby!), „Look To Your Orb For The Warning“ (1995, Dopes To Infinity) und „Negasonic Teenage Warhead“ (1994, S.F.W.) deckte man dann weite Teile der Bandhistorie ab. Innerhalb dieses Sets wurde es etwas spaciger und man nahm sich glücklicherweise mehr Zeit für die instrumentalen Phasen. Knackige und treibende Drums, ein tief pumpender Bass und brachiale Gitarren gerieten zunehmend in den Fokus. Insbesondere Phil Caivano überzeugte mich dabei vollends. Sein Gitarrenspiel ist ohnehin großartig, aber seine nun ausgedehnteren Soli einfach zum Niederknien famos.

Nach diesen Zugabe-Songs war dann der Trip zu Ende. Das Licht ging an. Schade, schade, schon zu Ende, war wohl das trefflichste Fazit. Dieser Abend endete mit Jubelgeschrei, Pfiffen, Klatschen und einem Blick in viele glückliche Gesichter! Und einer Heimfahrt, mit der sich „Sabine“ dann doch wieder in Erinnerung rief. Auf der Autobahn bekam sie gar Unterstützung von ihrem Kumpel Starkregen, den ich ad hoc und aus purer Begeisterung einfach mal „Dave“ taufte……(Text JensS, Photos Volker)

Wir bedanken uns recht herzlich bei FKP SCORPIO für die Akkreditierungen + Photopass

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