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Schwarzbrenner – Heymkehr Blues 2.0

Zeitgenössischer Blues-, Rock- und Balladen Sound aus Ratingen

(ro) „2.0“, das steht für die zweiten 10 Jahre der „Schwarzbrenner“- Geschichte, d.h. für die Zeit von 2005 bis 2015.
In all den Jahren, die wir hier bei RBBS Musik jenseits des Mainstream zunächst gehört und dann hier auf dem Blog gerne vorgestellt haben, haben wir zu einigen Musikern und Bands gewisse Formen von Beziehungen aufgebaut.

Somit sind wir von RBBS  stolz und glücklich darüber, dass wir die Schwarzbrenner – Jahre miterleben und diese außergewöhnliche Band begleiten durften.
Denn lyrischer Expressionismus, musikalisch umgesetzt,  ist in der Tat eine spannende Geschichte.
So stehen bisher acht Schwarzbrenner- CDs in meinem Regal, und auch das neunte Album, betitelt „Heymkehr Blues 2.0“, vervollständigt die Serie ganz wunderbar.

Bereits seit 1995 besteht die Düsseldorfer Band, bestehend aus Wolfgang Becker (Gesang, Gitarre) Christoph Keisers (Schlagzeug, Percussions), Rolf Menzen (Bass) und Jörn Becker (Gitarren).
Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Texte des expressionistischen Dichters Georg Heym (1887-1912) mit Blues, Songs und Balladen zu einer eigenständigen Bilder-und Erlebniswelt zu verbinden.

Kürzlich las ich in einer Studie, dass die Jugend von heute eine Aufmerksamkeitsspanne von acht Sekunden hat und dass sich kaum mehr Alben in ihrer Gesamtheit angehört werden.
Da stellt sich die Frage, ob in Zeiten von Spotify für eine außergewöhnliche Band wie z.B. „Schwarzbrenner“ eigentlich noch eine Chance besteht.
Sind wir etwa alle auf dem Weg dahin, ebenfalls Opfer unserer digitalen Zeit zu werden, die uns mit synthetischen Botschaften und Reizen bombardiert?

Meine persönliche Meinung ist, dass es keinesfalls von Vorteil ist, künstlerische Standards auf eine Aufmerksamkeitsspanne von acht Sekunden zu senken. Ich wuchs eben in einer Zeit auf, als großartige Kunst fast immer erfolgreich war.
Und ich glaube noch immer daran, dass dem so ist.

Auf  „Heymkehr Blues 2.0“ laden uns Wolfgang Becker und seine Mitstreiter wieder zum aufmerksamen Zuhören ein.
Und lehren uns, Geduld zu haben.

Denn das teils kryptische, düstere und metaphorische „Songwriting“ des viel zu früh verstorbenen Herrn Heym geht wahrlich nicht sahnig-weich ins Gehör, sondern gehört eher zu dem insgesamt Anspruchsvollerem und Komplexerem und man braucht vielleicht mehrere Durchläufe, um sich in die Vielschichtigkeit der Parts hineinzuhören.

Schon gleich der Eröffnungstrack „Weggang“ zeigt, wie sehr Schwarzbrenner dem Unheimlichen, das unverhofft im Alltag auftaucht, in respektvoller Bewunderung verbunden ist.
Eine stille Schauerballade, eine irrlichternde Gitarre und rauchige Vocals führen fern allen modischen Schnickschnacks und fern aller egoistischen Eitelkeiten gekonnt auf Abwege.
Dass es in dieser düsteren Geschichte um sehr persönliche Dinge geht, um Verlust, Einsamkeit und den Umgang damit, das zeigen uns Georg Heyms subtile Worte:
„Zu hoffen ist nichts mehr / Und nichts zu wagen / Wie ein Berauschter lehnte er am Stamm / Und sah der Berge Wälder jenseits ragen / Drauf trübes Licht, / wie weißer Schatten, schwamm.“

Man spürt fast das fein nachdenkliche Vordringen geisterhafter Intensität, das fokussiert und dicht, dennoch mit leichter Hand gemacht, in diese ganz spezielle „Schwarzbrenner / Heym“- Welt mitnimmt.
Oh ja, schwarzromantisch sind die Wege, die Herr Becker mit seinen Mitstreitern hier beschreitet, und zwar unerschrocken und mit offenen Sinnen.

Erwähnen möchte ich auch noch den Track Nr. 3, betitelt „Sehnsucht“, der alles Verlangen, alle Entrücktheit und Weltflüchtigkeit beinhaltet, die intensive und nachdenkliche Lyrics auszeichnet.
Vor allem aber versinkt diese facettenreiche Musik völlig im Augenblick, sie präsentiert sich als Anhäufung von Stimmungen jenseits billiger Romantik.
Wer für solch Emotionen und Empfindungen empfänglich ist, wird diese Platte lieben.
Denn das sind anspruchsvolle Töne zwischen schwermütig subtiler Filmmusik, experimentellen Klängen und bluesig sanftem 70er-Gitarrenrock.
Und das alles vollkommen frei von dudeliger Gefühlsduselei oder irgendwelchen überflüssigen Spielereien.

Empfehlenswert sicherlich für Leute, die keine Scheu vor dem Überqueren von Genregrenzen haben und/oder sich eine generelle Übersicht über Bands verschaffen wollen, die sich mit anspruchsvollen deutschen Texten dem Publikum stellen.

Zum Schluß möchte ich gerne noch darauf hinweisen, dass die Redaktion von „Blues in Germany“ im Februar 2017 „Schwarzbrenner“ den „BiG AWARD 2016 LIFETIME“ verlieh, den Ehrenpreis für Künstler und Bands, die sich um den Blues in Deutschland verdient gemacht haben. (….Rosie…)

Songliste:
1.) Weggang // 2.)Blues vom Kahlen Berg // 3.) Sehnsucht // 4.) Haus des Todes // 5.) Stille // 6.) Die gefangenen Tiere // 7.) Zauberwald // 8.) Die Ballade der Adler // 9.) Wär’ ich berühmt

Band:
Wolfgang Becker: Gesang, Gitarre
Christoph Keisers: Schlagzeug, Percussions
Rolf Menzen: Bass
Jörn Becker: Gitarren, Arrangement, Produktion

Der Preis für „HEYMKEHR BLUES 2.0“ beträgt 12€
Wenn Ihnen diese Musik gefällt, können Sie die CDs und die DVD unter cdkaufen@schwarzbrenner.de bestellen.

„Schwarzbrenner“ CDs und Songs sind bei allen führenden Downloadshops bestellbar bzw anspielbar, u.a. bei iTunes, Amazon, Musicload, Musicstar, 7digital u.v.a. mehr.

Wer mehr über die Band lesen möchte, der kann dann mal hier klicken: http://www.schwarzbrenner.de

Noch ein Review hier bei uns: Schwarzbrenner – Stadt am Abend
Noch ein Review hier bei uns: „Herbes Glück“ von Wolfgang Becker & Christoph Keisers
Noch ein Review hier bei uns: Schwarzbrenner – Heymkehr

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